„Mach schnell, ich habe Schweizer Netz.“ Diese bereits seit Jahrzehnten übliche Aussage bei Handy-Gesprächen bleibt in Waldshut aktuell – auch nach der EU-weiten Abschaffung von Roaminggebühren. Die Schweiz gehört schließlich nicht zur EU. Ist man in ein Schweizer Mobilfunknetz eingewählt, bleibt telefonieren und mit dem Handy im Internet surfen teuer, man muss zusätzlich eine Roaming-Gebühr für die Nutzung des ausländischen Netzes bezahlen. Fast jeder hat diese Erfahrung schon einmal gemacht. Die Überraschung kommt dann mit der Monatsrechnung.

Viele Nutzer deaktivieren daher die Option ihres Smartphones oder Handys, die die automatische Einwahl in fremde Netze erlaubt, und Umgehen so das Roaming auf Kosten guten Empfangs. Die Netzabdeckung im ländlichen Raum – und besonders im Schwarzwald – ist oft mangelhaft. Das besser verfügbare Netz aus der Schweiz sorgte bereits für Gerüchte, Schweizer Netzbetreiber hätten die Sendeleistung erhöht, um von den hohen Gebühren zu profitieren. Nach Aussage von Matthias Müller, Geschäftsführer der APM Kommunikations- und Sicherheitstechnik GmbH in Tiengen, sind diese Gerüchte haltlos. Zumal die Sendestärke zwischen einzelnen Ländern gesetzlich reglementiert ist.

Vielmehr liege die häufige Einwahl in Schweizer Netze am hierzulande schleppenden Breitbandausbau. „Die neuen, leistungsstarken Mobilfunkgeräte bevorzugen stets das schnellere Netz. In vielen Regionen ist dies nun mal das schweizerische“, so Müller. Viele deutsche Sendemasten sind noch nicht an das sogenannte „Backbone“, also Breitbandleitungen aus Glasfaser für hohe Datenübertragungsgeschwindigkeiten, angeschlossen. Schwieriges Gelände und eine geringe Bevölkerungsdichte machen ihren Ausbau unwirtschaftlich.

Internationale Frequenzzuordnung zählt

Ein weiteres Problem sind die Unterschiede in der internationalen Frequenzzuordnung, die am Beispiel der Sendeanlage in Grießen deutlich wird. Diese besitze laut Müller zwar den derzeit schnellsten Funkverbindungsstandard LTE, dürfe aber nur in Richtung Inland senden. Die Frequenz wird in der Schweiz für Rundfunk und für das Militär verwendet. Nutzer in Gebieten zwischen solchen Sendern und dem Nachbarland haben, wie in Hohentengen, das Nachsehen. Dort kommt das stärkste verfügbare Netz aus Bad Zurzach, obgleich es nur den veralteten, langsamen GSM-Standard besitzt. Die Nutzung von mobilen Datendiensten ist in Hohentengen kaum möglich.

Ob es in absehbarer Zeit zu einem Abkommen zwischen der EU und der Schweiz kommen wird, ist unklar. Mittlerweile gibt es aber auch dort eine Debatte über die Abschaffung von Roaming-Gebühren. Für viele Grenzgänger sind bis dahin Mobilfunktarife interessant, die die Nutzung von Schweizer Mobilfunknetzen einschließen. Für wen dies nicht infrage kommt, sollte sein Handy auf manuelle Wahl des Mobilfunknetzes einstellen. Das gefürchtete kleine Roaming-R über den Empfangsbalken kann so dauerhaft vom Display verbannt werden. Mit ihm verschwindet jedoch auch oft das flotte Netz. Muss Roaming, zum Beispiel im Urlaub, doch verwendet werden, sollte unbedingt die Info-SMS beachtet werden, die der Nutzer kurz nach der Einwahl in ein fremdes Netz von seinem Anbieter zugeschickt bekommt. Dort sind die anfallenden Kosten aufgeführt.

Christian Merx, 31, sagt: "Es wäre schon besser, wenn das Roaming auch hier frei wäre. Ich schaue nicht oft nach, aber eigentlich nutze ich nur manuelle Netzwahl. Roaming ist einfach zu teuer. Eigentlich bin ich mit meinem Empfang aber ganz zufrieden. Bei mir zu Hause hängt dieser oft vom Wetter ab, aber in der Stadt habe ich mit meinem Anbieter eigentlich nie Probleme."
Christian Merx, 31, sagt: "Es wäre schon besser, wenn das Roaming auch hier frei wäre. Ich schaue nicht oft nach, aber eigentlich nutze ich nur manuelle Netzwahl. Roaming ist einfach zu teuer. Eigentlich bin ich mit meinem Empfang aber ganz zufrieden. Bei mir zu Hause hängt dieser oft vom Wetter ab, aber in der Stadt habe ich mit meinem Anbieter eigentlich nie Probleme." | Bild: Peter Rosa
Ken Pireddu, 19, sagt: "Es ist schade, dass es nicht auch ein Abkommen mit der Schweiz gibt. Ohne das Schweizer Netz geht es hier oft einfach nicht. Ich habe meistens manuelle Netzwahl eingestellt, da Roaming für mich teuer ist. Manchmal muss man aber darauf ausweichen, wenn kein deutsches Netz verfügbar ist."
Ken Pireddu, 19, sagt: "Es ist schade, dass es nicht auch ein Abkommen mit der Schweiz gibt. Ohne das Schweizer Netz geht es hier oft einfach nicht. Ich habe meistens manuelle Netzwahl eingestellt, da Roaming für mich teuer ist. Manchmal muss man aber darauf ausweichen, wenn kein deutsches Netz verfügbar ist." | Bild: Peter Rosa
Ahmet Güleimen, 21, sagt: "Dass wir immer noch für Roaming zahlen müssen ist nicht so cool. Ich habe mich aktiv für einen Tarif entschieden, mit dem ich Roaming auch ohne hohe Kosten nutzen kann, ich habe also automatische Netzwahl. So habe ich meistens guten Empfang, aber das Inklusiv-Datenvolumen ist begrenzt."
Ahmet Güleimen, 21, sagt: "Dass wir immer noch für Roaming zahlen müssen ist nicht so cool. Ich habe mich aktiv für einen Tarif entschieden, mit dem ich Roaming auch ohne hohe Kosten nutzen kann, ich habe also automatische Netzwahl. So habe ich meistens guten Empfang, aber das Inklusiv-Datenvolumen ist begrenzt." | Bild: Peter Rosa

Die Gebühr

Roaming bezeichnet die Nutzung einer fremden Netz-Infrastruktur. Wählt sich das Endgerät eines Nutzers in ein ausländisches Netz ein, stellt dessen Betreiber dem eigenen Anbieter die Kosten dafür in Rechnung. Diese werden an den Nutzer weitergegeben. Mit der EU-Verordnung wurde zum 15. Juni das „Roam-Like-At-Home-Prinzip“ (RLAH) eingeführt, das Preisaufschläge auf den heimischen Tarif bei Roaming unzulässig macht. Neben den 28 EU-Ländern sind auch Island, Liechtenstein und Norwegen inbegriffen.