Etwas geknickt kommt ein kleiner Junge vom Arbeitsamt, er ist mit seiner Berufszuweisung nicht zufrieden. "Schon wieder kann ich nicht an die Bar", sagt er und verschwindet in der Menge. Diese Szene fand in Fezitty, der Kinderstadt statt. Eine Woche lang spielen 80 Kinder in der Tiengener Stadthalle im Rahmen des Ferienprogramms "Ferien zuhause" (FEZ) das Gemeindeleben nach. "Es gibt Berufe, die sind beliebter als andere", erklärt Dominik Eckert vom Kinder- und Jugendreferat der Stadt Waldshut-Tiengen.

Die vielen Betreuer machen Fezitty überhaupt erst möglich. Gemeinsam müssen sie auf die kreativen Ideen der 80 Kinder eingehen und sie betreuen. 18 von ihnen machen es ehrenamtlich.
Die vielen Betreuer machen Fezitty überhaupt erst möglich. Gemeinsam müssen sie auf die kreativen Ideen der 80 Kinder eingehen und sie betreuen. 18 von ihnen machen es ehrenamtlich. | Bild: Halter, Maximilian

Repräsentanten führen durch die Stadt

Mehr Zeit hat Eckert nicht zum Erklären, denn prompt stehen zwei Würdenträger da, die bereit sind, die Gäste durch die Miniaturstadt zu führen. Schließlich gehört es als Oberhäupter von Fezitty zu ihren Aufgaben, ihre Stadt zu repräsentieren. Oberbürgermeisterin Larissa Knape und ihr Amtskollege Bürgermeister Leander Dietrich legen gleich los und stellen die in der Stadt ansässigen Betriebe vor: Supermarkt, Schönheitssalon, Kreativwerkstatt, Bar, Gärtnerei, Redaktion, Restaurant, Schokoladenfabrik, Hochzeitsplaner und – ganz wichtig – eine Bank.

Bild: Halter, Maximilian

Denn die Bewohner von Fezitty arbeiten nicht für umsonst in ihren Berufen. Sechs "Walties" – die Währung in der Stadt – bekommen sie pro Stunde. Die brauchen sie auch, denn auch in Fezitty kosten alle Leistungen Geld – wie im echten Leben auch.

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Spielerisch Demokratie lernen

Neben dem richtigen Umgang mit Geld lernen die Kinder spielerisch auch was Demokratie bedeutet. Jeden Nachmittag gibt es eine Bürgerversammlung mit einer Bürgermeisterwahl. Jeder kann kandidieren, am Ende entscheiden die Kinder per Abstimmung. Auch über neue Berufe und damit einhergehend neue Stände wird abgestimmt. Beim Fezitty-Volk besonders beliebt an diesem Tag: Ein Zuckerwatte- und ein Popcornstand. Betreuer Dominik Eckert verfolgt mit Spannung die von den Kindern selbstständig durchgeführte Versammlung und gluckst: "Da müssen wir in Zukunft wohl eine Zuckersteuer einführen."