Bekannt war er in der Region vor allem für seine dramatischen Wolkenbilder, die er regelrecht inszenierte. Wie vielseitig seine Bilderwelten aber auch sonst waren, sieht man jetzt in der neuen Ausstellung „Bilder – Welten“ im Schloss Tiengen. In diesem Jahr wäre der Künstler, Apotheker und Mäzen Egon Arno Bräunlich (1919 bis 2001) aus Tiengen 100 Jahre alt geworden. Das nahmen das Kulturamt der Stadt, der Verein Freunde Schloss Tiengen und die Verwalter der Bräunlich-Bieser-Stiftung zum Anlass für eine große Retrospektive in den Schwarzenbergsälen und im Keller des Schlosses.

Bei der Vernissage (von links): Zara Tiefert, Martin Kistler (Bräunlich-Bieser-Stiftung), die beiden Nichten des Künstlers Egon Arno Bräunlich, Roswitha und Sibylle Heller, sowie Philipp Frank (Bräunlich-Bieser-Stiftung).
Bei der Vernissage (von links): Zara Tiefert, Martin Kistler (Bräunlich-Bieser-Stiftung), die beiden Nichten des Künstlers Egon Arno Bräunlich, Roswitha und Sibylle Heller, sowie Philipp Frank (Bräunlich-Bieser-Stiftung). | Bild: Rosemarie Tillessen

Zur Eröffnung waren mehr als 80 Besucher erschienen. Landrat Martin Kistler und Oberbürgermeister Philipp Frank von der Bräunlich-Bieser-Stiftung würdigten den Künstler als Mäzen, der durch seine Stiftung heute noch Künstler der Region fördert, sowie den rührigen Verein Freunde Schloss Tiengen, der sich leidenschaftlich für alle Sparten der Kunst engagiere. Zur Vernissage waren auch zwei Nichten des Künstlers aus München angereist, Sibylle und Roswitha Heller.

Ein frühes Selbstporträt des Künstlers aus dem Jahr 1965.
Ein frühes Selbstporträt des Künstlers aus dem Jahr 1965. | Bild: Rosemarie Tillessen

Kunsthistorikerin Zara Tiefert führte in das Werk des Künstlers ein. Er experimentierte im Lauf seines Lebens und auf seinen Reisen mit vielen Kunststilen. Da sind etwa ein frühes Selbstporträt von 1965 und die wunderbar farbigen Welten, denen er auf seinen Reisen in Kanada, Island, Thailand, auf Bali oder in China begegnete und die er mit großer Detailliebe und Naturtreue in Öl festhielt. Diese Werke findet man vor allem im Schlosskeller. Vor allem seine Wolkenbilder seien voller Mystik und Virtuosität, sagte Zara Tiefert.

„Pilger auf dem Barkhor, Lhasa, Tibet“ von Egon Arno Bräunlich.
„Pilger auf dem Barkhor, Lhasa, Tibet“ von Egon Arno Bräunlich. | Bild: Rosemarie Tillessen

Doch der Schwerpunkt der Ausstellung liegt diesmal bei seinen abstrakten Arbeiten im oberen Stockwerk. Dazu gehört auch sein „Davoser Zyklus“, der 1970 entstand. Hier spielt er gekonnt mit Linien und Formen, lässt sie tänzerisch verschlingen („Tanzendes Paar“) oder ganz geometrisch streng verlaufen („Ähnlichkeit der Dinge“). Oft sind es nur raffiniert verlaufende Linien wie das eindrucksvolle Tuscheaquarell „Landschaft mit Berg und Wolken“, dann wieder ineinandertauchende Formen wie beim farblich überaus reizvollen „Zwischenspiel“. Auch diese abstrakten Werke haben oft ganz gegenständliche Titel. 1995, also sechs Jahre vor seinem Tod – so Zara Tiefert – malte Bräunlich sein letztes Bild: „Ich habe alles gemalt, was ich malen wollte.“ Was für ein erfülltes Leben.

„Zwischenspiel“ von Egon Arno Bräunlich.
„Zwischenspiel“ von Egon Arno Bräunlich. | Bild: Rosemarie Tillessen