Waldshut – Die Bürgerinitiative Zukunft ohne Atom (ZOA) aus Waldshut hat zu den Brennstab-Problemen im Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt Stellung genommen. Im Namen der Initiative schreibt Sprecherin Monika Herrmann-Schiel unter anderem:

„Seit einem halben Jahr ist das AKW Leibstadt vom Netz, weil bei der Revision ‚lokale Verfärbungen an mehreren Hüllrohren der Brennelemente bzw. der Brennstäbe’ entdeckt worden waren, auch von Oxidation wurde gesprochen. Jetzt ist klar, dass die 'Verfärbungen' und 'Oxidationen' Anzeichen für hochgefährliche Situationen im Reaktor sind.

Das Ensi (Eidgenössisches Nuklearsicherheits-Inspektorat) schreibt auf seiner Internetseite, in Leibstadt seien 'während mehrerer Zyklen systematisch kritische Siedezustände – sogenannte Dryouts – aufgetreten'. Dryout bedeutet, dass die Kühlung der Brennstäbe unterbrochen ist, weil sie wegen Überhitzung nicht überall mit einem Wasserfilm bedeckt sind. Radioaktive Stoffe seien dabei nicht in den Kühlkreislauf freigesetzt worden.

Es ist mehr als beunruhigend zu erfahren, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder zu solchen kritischen Siedezuständen im Reaktor des AKW Leibstadt gekommen ist. Was, wenn so ein 'kritischer Siedezustand' unkontrollierbar wird? Bis heute wissen die Fachleute nicht, was die Überhitzung und den Dryout im Reaktor hervorgerufen hat. Fest steht außerdem, dass das Leibstadter Phänomen nirgendwo sonst auf der Welt aufgetreten ist.

Es ist unverantwortlich, dass das AKW jetzt wieder angefahren werden soll. Wir schließen uns der Forderung des Geschäftsführers des Ökoinstituts Darmstadt Michael Sailer an, der in dem Rundschau-Beitrag (Anmerkung der Redaktion: Sendung im Schweizer Fernsehen) sagt: 'Es muss unbedingt geklärt werden, weshalb die Kühlung nicht funktioniert hat. Auf jeden Fall darf man nicht wiederanfahren, bevor das nicht völlig klar ist.'

Wenn Leibstadt wieder ans Netz geht, bedeutet das, dass Wirtschaftsinteressen über das Wohl der Menschen gestellt werden. Bleibt noch die Frage, wie die Volksabstimmung zum geordneten Atomausstieg wohl ausgegangen wäre, wenn ‚die kritischen Siedezustände im Reaktor Leibstadt’ bekannt gewesen wären. Dass die Experten das für sich behalten haben, macht schon nachdenklich. Jetzt also suchen sie weiter nach den Ursachen und wir können nur hoffen, dass bei diesem Spiel mit dem Feuer nichts außer Kontrolle gerät.“