Herr Brombacher, das kommende Kirchenkonzert ist ein Kooperationsprojekt mit dem Klettgau-Gymnasium, sind Kooperationen Teil einer erfolgreichen Zukunft?

Ja, Projekte mit anderen zusammen werden immer wichtiger, ohne Zusammenarbeit ist vieles gar nicht umsetzbar. Die kommende Messe ist bereits die dritte im Rahmen von Kooperationen. Mit Blick auf den Nachwuchs sind Kooperationen mit Schulen besonders wichtig. Bei der Aufführung von „Zirkus Kriminale“ hat beispielsweise die Jugendstadtmusik gespielt und Kinder der zwei Tiengener Grundschulen haben gesungen und Theater gespielt. Da die Schüler immer mehr Zeit in der Schule verbringen, müssen wir schauen, wie wir in die Schulen reinkommen.

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Es geht also nicht nur um einmalige Projekte, sondern um dauerhafte Kooperationen?

Genau. Mit der Johann-Peter-Hebel-Ganztagsgrundschule haben wir seit diesem Schuljahr eine. Sie funktioniert wie generell die Ausbildung bei uns, nur dass die Schüler während der Schulzeit am Nachmittag zum Unterricht in die Musikschule Südschwarzwald gehen und dabei begleitet werden. Und wir als Stadtmusik steuern die Ensembles bei, in denen die Music Kids, so nennen wir sie, nach etwa einem halben Jahr Unterricht zusammen spielen und auch auftreten. Nach den Herbstferien beginnen wir mit einer weiteren Gruppe. Sie ist offen, auch Kinder von anderen Schulen können mitmachen. Wir haben zusammen mit der Musikschule auch die Bläserklassen in der Realschule Tiengen angeschoben. Fakt ist: Wir, und ich denke alle Vereine, müssen uns Gedanken über die Nachwuchsarbeit machen und neue Wege gehen, wenn wir langfristig erfolgreich sein wollen. Es wird immer schwieriger. Die musikalischen Angebote sind heute sehr vielfältig und es entstehen immer wieder neue Orchester. Ich würde mir wünschen, dass man zunächst versucht, die Kinder in bereits bestehende Orchester zu integrieren, bevor immer wieder ein neues gegründet wird und dann unter Umständen schon lange bestehende Vereine irgendwann aufgelöst werden.

Was hat sich denn im Vergleich zu früher, als Vereine noch mehr oder weniger Selbstläufer waren, geändert?

Als ich anfing, hat noch das Geschirr bei Konzerten geklappert, es wurde gegessen und getrunken, während wir spielten. Dann hat unser damaliger Dirigent Klaus Siebold gesagt, so nicht. Wir waren auch die ersten, die unter Georg Weyerer Big Band Musik gemacht haben. Das herkömmliche Blasorchester gibt es heute nicht mehr. Die Literatur ist vielfältig und interessant geworden und alle Orchester spielen auf einem viel höheren Niveau als früher. Komplizierter geworden ist die Vereinsorganisation und Planbarkeit von Konzerten. Als ich jung war und ein Frühschoppenkonzert abgemacht wurde, kamen so gut wie alle. Wenn ich heute sage, in drei Monaten spielen wir da oder dort, ist es eher mühsam. Ich kann zwar mit allen einfach kommunizieren, aber schnelle und verbindliche Rückmeldungen zu bekommen, ist schwierig.

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Und was ist mit der Art der Präsentation, erwartet das Publikum heute mehr?

Ja. Die Präsentation, die Atmosphäre, das Drumherum muss stimmen. Es wird erwartet, dass man was Besonderes macht, mit Lichttechnik, Bildern, Videos und besonderen Effekten arbeitet. Wir machen das auch alles und setzen immer wieder neue Ideen um, wie bei den Erlebniskonzerten, aber es kostet für einen Verein viel Geld. Und auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Zuhörer ständig ab. In unseren Hochzeiten hatten wir 600 bis 700 Zuhörer in der Stadthalle, heute mit Glück 200 bis 250. In den Musikvereinen auf den Dörfern ist das noch anders, in Tiengen können wird dieses Interesse der Bevölkerung leider nicht mehr voraussetzen, aber ein bisschen mehr Zuhörer könnten schon kommen.

Gibt es über das kommende Kirchenkonzert hinaus schon weitere Konzerttermine?

Ja und dahinter steckt auch wieder eine neue Idee. Am 28. März 2020 geben wir unter dem Motto „Stadtmusik & Friends“ ein Konzert. Im ersten Teil spielen wir zwei Stücke, mit denen wir an einem Wertungsspiel teilnehmen werden. Im zweiten Teil hoffen wir auf Verstärkung von „Freunden“, die irgendwann einmal bei uns oder woanders mitgespielt haben, die früher Musik gemacht haben und es wieder versuchen möchten. So 15 bis 20 wollen wir schon finden. Rund sechs bis acht Proben wird es von Januar bis März geben. Es ist unverbindlich, soll Spaß machen, aber vielleicht bekommt der ein oder andere dadurch Lust, fest bei uns mitzumachen. Unter der E-Mail (vorstand@stadtmusik.de) bin ich erreichbar.

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Wird die Stadtmusik Tiengen 2040 noch ihr 175-jähriges Bestehen feiern können?

Ich bin zuversichtlich. Wir sind ein toller Verein, in dem man lebenslange Freundschaften schließen kann, und ein tolles Orchester, das qualitativ hochwertige Musik macht. Wenn alle mitziehen, Musiker und Publikum, werden wir sicher noch viele tolle Dinge auf die Beine stellen. Die Weichen müssen allerdings andere stellen. Ich gebe nächstes Jahr meinen Vorsitz ab, die Zeit ist reif für einen Wechsel und andere neue Ideen.

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