Detzeln ist der älteste Ortsteil von Waldshut-Tiengen und feiert in diesem Jahr sein 1175-jähriges Bestehen. Im Laufe der Jahrhunderte liefert die Geschichte interessante Geschichten, wie das Engagement der Detzelner Bürger für ihre Kirchen zeigt.

Die Anfänge

Ob die Römer oder die Alemannen diesen Ort gegründet haben, ist unbekannt. Bekannt ist, dass der Ort unter verschiedenen Namen, wie Tazzilo, Tassilo, Tassilenheim, Tezzilnheim, Tiezelenheim in der Geschichtsschreibung auftaucht.

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Vermutlich bedeutet der Name wohl „Heim des Tazzilo“. Urkundlich erwähnt wird Tezzilnheim erstmals 844 im Urkundenbuch der Stadt und der Landschaft Zürich, wo nach Gozbert (Mönch und Abt in dem Benediktinerkloster zu Rheinau) seine Güter zu Detzeln mit den Gütern, die der edle Rinloz zu Lauchringen besaß, eintauschte. Damit feiert das Dorf an der Steina in diesem Jahr sein 1175-jähriges Bestehen.

Der Ortseingang von Detzeln.
Der Ortseingang von Detzeln. | Bild: Sylvia Döbele

Verkauft oder verpfändet

Vom frühen Mittelalter bis ins späte Mittelalter erhielten die Detzelner immer wieder neue Besitzer. Sei es aus Geldnot der Rittergeschlechter oder weil sich die Machtverhältnisse änderten. Für die Dorfbevölkerung, die von der Landwirtschaft lebte und oft in Leibeigenschaft lebte, dürfte sich bei den Transaktionen nicht viel geändert haben.

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Im „großen Urbarbuche“ von 1299 (beim Verkauf von Detzeln an das Haus Österreich) sind die Bestandteile von Detzeln folgendermaßen aufgeführt: „Albgauische Bestandteile zu Tezelnheim die Vogteirechte über sieben Schuppossen (Kleinbauernhof), 1 Maierhof (Hof eines Verwalters) und eine Mühle, wovon das Kloster Riedern der Grundherr war“.

Ein markantes Gebäude ist die sogenannte Vogtei in Detzeln.
Ein markantes Gebäude ist die sogenannte Vogtei in Detzeln. | Bild: Andrea Böhringer

Der Hof Thierberg war ebenfalls Eigentum des Klosters Riedern, welches mehrfach als Lehen vergeben wurde. Ein Lehenbrief von 1304 zeigt an, wie er von Probst Heinrich verliehen worden war: „dass der Maier den Weingarten baue, behüte, widme ohne des Probstes Kosten, bis der Wein in die Fässer empfangen wird …“ 1304 gab es also schon Weinstöcke in Detzeln. Dass dies nie vergessen wurde, zeigt der Name eines Gebietes, das als „unter den Reben“ bekannt ist und Jahrhunderte später zu einem Straßennamen wurde.

Die Herren von Krenkingen, die seit 1152 die Vogteirechte innehatten, verpfändeten 1361 Detzeln an die Herren von Hohenfels. Mit der Herrschaft Gutenburg kam der Ort über die Herren von Rümlang an die Abtei St. Blasien (1480).

Detzeln gehörte dann bis 1803 zur sanktblasianischen Grafschaft Bonndorf und unterstand mit dieser bis 1805 dem Malteserorden. Danach gehörte der Ort für kurze Zeit zu Württemberg, bevor er 1806 zum Großherzogtum Baden wechselte. 1971 kam die bis dahin selbstständige Gemeinde zu Tiengen und 1975 im Zuge der Gemeindereform zur neu gebildeten Stadt Waldshut-Tiengen.

Detzeln bekommt ein Kloster

Mit Detzeln beschäftigte sich auch ein König. Es war König Konrad III., der am 7. Januar 1152 auf dem Konstanzer Hoftag bestätigte, dass von einem Edlen und Freien Mann namens Marcwardus eine Cella und eine Kapelle St. Marie in Tiezelnheim gegründet worden sei.

In der „cella quaedam tiezelenheim dicta“ sollen die Brüder nach den Regeln des heiligen Augustinus leben. Als Schutzvögte wurden die Herren von Krenkingen eingesetzt. Die Klause befand sich vermutlich in der Nähe des heutigen Klosenhofes. Der erste Abt wird 14 Jahre nach der Gründung genannt: Abt Gerlo von Detzeln.

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Wer war dieser Mann, der in Detzeln damals eine Cella gründete? „Liber homo et nobilis Marcward“, einer der sowohl im Alpgau als auch im Klettgau durch Besitz verwurzelten Edelfreien, dessen Stammsitz vermutlich im Bereich der unteren Steina gelegen hatte, lässt sich keinem aus jener Zeit bekannten adeligen Geschlecht zuordnen.

Im Buch „Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte“ ist nachzulesen, dass Marcward offensichtlich durch das Ableben seiner Frau und seiner Kinder sowie für sein Seelenheil ein Stift gründete. Bereits 80 Jahre nach der Gründung des Augustinerklosters Detzeln wurde dieses nach Riedern a.W. verlegt. Anstelle des ehemaligen Klosters trat eine Kapelle, die von der Probstei Riedern „im Dach und Rathsame“ zu unterhalten war.

Detzeln und seine Kirchen

Immer wieder setzen sich die Detzelner für ihre Kirchen ein. Das erste Mal geschieht dies 1581. Die Kapelle, die von der Probstei Riedern zu unterhalten war, war so vernachlässigt, dass sie dem Einsturze drohte.

Die Gemeinde stellte sie daher 1581 auf eigene Kosten wieder her. Dafür behielten sie den jährlichen Grundzins ein, den die Gemeinde an die Probstei zu bezahlen hatte: drei Gulden und 30 Kronen, ein Huhn und 30 Eier. Die Kapelle wurde zu Ehren des heiligen Oswald eingeweiht und wird seither Oswaldkapelle genannt.

Die Oswaldkapelle in Detzeln.
Die Oswaldkapelle in Detzeln. | Bild: Sylvia Döbele

Im Laufe der Jahrhunderte investierten die Bewohner von Detzeln immer wieder in ihre kleine Kapelle. Über 400 Jahre später war die Kapelle wieder renovierungsbedürftig. Bereits 1812 gab es einen Kapellenfonds, der von einem Stiftungsrat in Detzeln verwaltet wurde.

2008 konnte durch die Spendenbereitschaft und dem Einsatz vieler Beteiligter Außenfresko der Oswaldkapelle renoviert werden. Die Kosten betrugen 22 000 Euro, die vom Denkmalamt, dem Erzbischöflichen Bauamt und Spenden aus Detzeln (3500 Euro) getragen wurden. Die Stadt Waldshut-Tiengen spendete den Restbetrag von 1500 Euro.

Auch 1951 ergriffen die Detzelner wieder die Eigeninitiative, als der Stiftungsrat den Bau einer neuen Kirche beschloss. Hilfe von außen erwarteten sie nicht. Die Spendenbereitschaft und viele Arbeitsstunden der Bürger machten den Bau der Kirche Maria Königin möglich. So wurde jeden ersten Sonntag im Monat von Haus zu Haus gegangen und für die Kirche gesammelt.

Die Maria Königin Kirche (im Hintergrund, links) haben die Detzelner Bürger in den 1950er Jahren mit viel Eigeninitiative errichtet.
Die Maria Königin Kirche (im Hintergrund, links) haben die Detzelner Bürger in den 1950er Jahren mit viel Eigeninitiative errichtet. | Bild: Andrea Böhringer

Der vorgegebene Kostenrahmen vom Jahr 1950 für Außen- und Innenausbau war damals mit 51 000 DM angegeben und konnte eingehalten werden. Am 2. November 1958 wurde die Kirche eingeweiht, 1960 erhielt sie drei Glocken.

1980 wurde die Kirche nochmals renoviert und der umgebaute Altar von Weihbischof Kirchgässner geweiht. 2016 folgte eine weitere Initiative für eine neue Orgel, die am 8. Dezember 2016 eingeweiht wurde. Auch hierfür waren die Spenden der Detzelner bemerkenswert.

Detzeln ist heute eine lebendige Gemeinde, deren Einwohner (298) sich in zahlreichen Vereinen engagieren. Dazu gehören die Landfrauen, der Männergesangverein, die Tezzilnheimer Schtudehägler, die Antennengemeinschaft, die Gitarrengruppe und das Gemeindeteam von Detzeln.