2015 und 2016 waren die Jahre, in denen die meisten Gemeinden und Städte in Deutschland vor einer großen Herausforderungen standen: Denn noch nie suchten so viele Menschen Schutz in Deutschland wie in diesen beiden Jahren. Auch in den Landkreis Waldshut kamen 2016 monatlich rund 300 neue Flüchtlinge. Zwei Jahre später, im Mai 2018, waren es durchschnittlich nur noch 13 und heute, 2019, sind es im Schnitt noch elf bis 15 Menschen.

2276 Flüchtlinge leben im Landkreis Waldshut

Die meisten davon kommen laut Landratsamt Waldshut aus afrikanischen Ländern wie Nigeria und Gambia. Aktuell leben im Landkreis Waldshut 2276 Flüchtlingen, die vor allem aus Syrien, Irak, Eritrea und Afghanistan stammen. Die meisten, 1396 Flüchtlinge, haben eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis, dürfen sich also nur für einen begrenzten Zeitraum in Deutschland aufhalten.

Nachdem im Landkreis viele Gemeinschaftsunterkünfte wie in Albbruck und Waldshut geräumt wurden, heißt es jetzt vor allem, für die Flüchtlinge Anschlussunterbringungen zu finden. Laut Landratsamt wurden seit 2014 rund 1900 Menschen von Städten und Gemeinden des Landkreises aufgenommen. „Teils in Anschlussunterbringungen, teils bereits in privatem Wohnraum“, informiert Michael Swientek, Pressesprecher des Landratsamtes.

Ende 2016 wurden die Wohncontainer in Albbruck abgebaut. Bis zu 200 Flüchtlinge wurden dort gleichzeitig untergebracht. Bild: Archiv/Doris Dehmel
Ende 2016 wurden die Wohncontainer in Albbruck abgebaut. Bis zu 200 Flüchtlinge wurden dort gleichzeitig untergebracht. Bild: Archiv/Doris Dehmel

Bei der Unterbringung helfen auch zahlreiche Ehrenamtliche. Marion Pfeiffer, Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingsarbeit beim Diakonischen Werk Hochrhein: „Die Ehrenamtlichen haben die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche stark unterstützt. Generell sieht der Wohnungsmarkt hier nicht sehr gut aus und es ist schwierig, eine Wohnung zu finden. Oft ist es einfacher, eine Arbeit zu bekommen. Und wenn man kaum deutsch spricht, wird die Wohnungssuche noch schwieriger. Ich schätze, in 95 Prozent der erfolgreichen Vermittlung gab es Unterstützung von Ehrenamtlichen.“

Die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer habe sich seit 2015 stark verändert. Marion Pfeiffer: „Damals ging es vor allem um die Not- und Erstversorgung der Flüchtlinge. Heute geht es um Integrationshilfe. Und die fordert die Ehrenamtlichen sehr, denn es geht nicht nur um Deutsch-Unterricht oder Nachhilfe, sondern auch auch um die Vermittlung demokratischer Werte.“

Kinder tragen zum Gelingen der Integration bei

Zur Integration gehören laut Pfeiffer immer zwei. „Integration kann nur gelingen, wenn beide Seiten, also die Zugewanderten sowie die Mehrheitsgesellschaft, das wollen und aktiv sind.“ Pfeiffer weiter: „Der Prozess der Integration besteht aus Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung und Kommunikation, dem Finden von Gemeinsamkeiten und Unterschieden und der Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung auf beiden Seiten.“

Zum Gelingen der Integration würden oft Kinder beitragen, sagt Marion Pfeiffer. Weil diese in der Schule Deutsch lernen, würden auch die Eltern davon profitieren und Beziehungen zu Lehrern und anderen Eltern aufbauen. „Wichtig ist der Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Das ist der beste Weg zur Integration.“

Badstraße

Nachdem Ende 2018 die Containersiedlung in Tiengen geräumt wurde, leben derzeit noch 40 Flüchtlinge (Stand Ende Ende Oktober) im Wohnhaus in der Badstraße 46-54. Noch bis Ende 2020 werden die Container auf dem Gelände stehen bleiben. Derzeit findet dort nur noch Deutsch-Unterricht statt. Platz gab es auf dem Areal in der Badstraße für 280 Flüchtlinge.