Die Leidenschaft der Bundesbürger fürs Mülltrennen ist hinreichend bekannt. Mehr denn je erscheint die Begeisterung auch wichtig. Wenn unsere Autohersteller schon durch Betrügereien am Auspuff systematisch die Luft stärker verschmutzen als erlaubt, dann müssen wir eben durch eifriges Sortieren der Wertstoffe die Umwelt retten.

Der Ort, an dem das Mülltrennungs-Ritual öffentlich zelebriert wird, heißt Recyclinghof. Während man früher am freien Sonnabend auf der Straße das Auto wusch, was heute verboten ist (Umweltschutz!), lädt man heute Gelbe Säcke, Altpapier, Kartonagen, die leeren Weinflaschen von der letzten Party, den alten Computer und den kaputten Wäschekorb am sechsten Tag der Woche in den Kofferraum und pilgert dorthin, wo andere das Gleiche tun: Mit beflissenem Gesichtsausdruck die Mitbringsel auf die vom Landkreis bereitgestellten Container und Tonnen verteilen.

Ein militärisches Relikt vom Recyclinghof Ettikon präsentiert Redakteur Roland Gerard. Die abgeschossene Granathülse wiegt 6,4 Kilo.
Ein militärisches Relikt vom Recyclinghof Ettikon präsentiert Redakteur Roland Gerard. Die abgeschossene Granathülse wiegt 6,4 Kilo. | Bild: Rosario Gerard

Wenn man dann noch Freunde und Bekannte trifft und sich bei einem Schwätzchen auf den Samstagabend und den Sonntagsausflug mit der Familie freut (und die strengen Kontrolleure nichts von den angelieferten Materialien beanstandet haben), ist das Glück eigentlich so erfüllend, dass nur noch eines bisher gefehlt hat: ein Rahmenprogramm mit musikalischer Unterhaltung und Würstchen vom Grill. Doch das gibt es nun tatsächlich. In Würdigung des sozialen Phänomens der Wertstofftrennung lädt das Landratsamt erstmals am 22. Juni zur „Nacht der Recyclinghöfe“ ein. Gleich auf mehreren Anlagen, darunter das beliebte Sammelzentrum in Küssaberg-Ettikon, darf gefeiert werden. Vielleicht bahnt sich ja bei der Recycling-Nacht die eine oder andere Beziehung an. Dann wissen jedenfalls beide Partner schon, wo das zerschlagene Porzellan vom Polterabend zu entsorgen ist.

Über einen besonderen Fund vom Wertstoff-Platz berichtet bei dieser Gelegenheit Redakteur Roland Gerard. Er entdeckte auf dem Gelände in Küssaberg-Ettikon eine abgeschossene Granat-Hülse, die vermutlich aus Bundeswehrbeständen stammt, und durfte sie mit nach Hause nehmen. In Sorge, dass die Metallpresse durch das massive Messingteil Schaden nehmen könnte, hatten Mitarbeiter das 6,4 Kilogramm schwere und 62 Zentimeter lange Militär-Relikt schon beiseite gestellt. Nachdem das gute Stück bislang im Keller vor sich hinstaubte, wird jetzt über eine neue Verwendung nachgedacht. Wenn Schwerter zu Pflugscharen werden, könnte man zum Beispiel ja auch eine Granate in eine Blumenvase verwandeln.