Herr Flierl, in diesem Jahr findet in der Versöhnungskirche in Waldshut zum 24. Mal eine Orgelwoche statt. Ist das inzwischen ein Selbstläufer?

Ja, das kann man so sagen. Seit dem Bau der Marc-Garnier-Orgel 1996 hatten wir sehr namhafte Organisten zu Gast. Meine Vorgängerin Bezirkskantorin Trude Klein war da sehr gut vernetzt. Wir hatten gleich im ersten Jahr den berühmten Ton Koopmann hier oder später dann Michael Radulesten oder Wolfgang Seifen. Und ich kann sagen: Es gab noch nie eine Absage. Denn der Name Waldshut ist unter Organisten inzwischen ein Begriff.

Wie kam es denn vor 24 Jahren zu der Idee, in der Versöhnungskirche eine Orgelwoche einzuführen?

Da war dieses außergewöhnliche Instrument. Die Idee muss wohl gemeinsam bei Trude Klein, dem damaligen Vorstand des Fördervereins Hans-Peter Jüdt und dem Orgelbauer Marc Garnier entstanden sein.

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Was ist denn das Besondere an der Marc-Garnier-Orgel?

(Er lacht) Das ist eine Orgel mit Charakter. Erstens wegen des Baus ihrer konsequent durchgehaltenen Sternform. Zweitens klanglich. Vorbild waren die Orgeln Norddeutschlands aus dem 17. Jahrhundert. Ich bewundere diese Klangfarbe. Vor allem Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert, aber auch moderne Musik klingt auf ihr richtig gut. Darum legen wir immer auch Wert auf zeitgenössische Musik. Es gibt aber auch manche Tonarten, die voll schlecht klingen, etwa die Spätromantik.

War die Orgel für Sie ein Anreiz, hierher zu kommen?

Absolut. Ich wusste zunächst nicht einmal, wo Waldshut liegt. Aber die Ausschreibung für meine Stelle war so sympathisch formuliert, und die regelmäßigen Orgelwochen waren sehr verlockend für mich und gaben schließlich den Ausschlag für meine Bewerbung.

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Wie ist das denn mit der Finanzierung bei so namhaften Organisten?

Die Gagen sind gar nicht so hoch, weil die Musiker alle so gern kommen. Einzig die Fahrkosten gehen immer ins Geld. Doch das finanzieren wir mithilfe der Eintrittsgelder, des Fördervereins und mit der Unterstützung der Stadt. So bringt diese Reihe glücklicherweise nur wenig Minus.

Was waren denn für Sie bisher Höhepunkte?

Das war für mich besonders der Stummfilm „Faust“ mit dem Organisten Wolfgang Seifen (2016) oder auch das Konzert für Stimme, Orgel und Life-Blechtrommel (2018). Aber eigentlich war jedes Konzert sehr besonders. Und das ist auch unser Anliegen. Wir legen Wert darauf, dass jedes Jahr neue Musiker und etwas Neues dabei ist.

Haben Sie da bereits Stammorganisten?

Also Franz Danksagmüller war bereits zweimal da, Jan Willem Jansen und Bine Katrine Bryndorf sogar dreimal. Aber Kriterium sind nicht Beziehungen. Sondern wir schätzen vor allem Organisten, die auf alte Musik spezialisiert sind und die nicht nur mal schnell des Weges kommen sondern die vorher hier auch üben, um das Instrument zu verstehen. Wissen Sie, die Orgelwelt ist klein. Und der Organist muss zu unserer Orgel passen!

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Gibt es für die Orgelkonzerte ein Stammpublikum?

Die Konzerte sind gut besucht, auch wenn der Kreis kleiner ist als bei andern Konzerten. Rund 100 Gäste haben wir im Durchschnitt. Etwa die Hälfte davon ist Stammpublikum. Aber der Kreis erweitert sich ständig, auch bei Jüngeren. Ich kenne sogar einen Herrn aus Zürich, der sich regelmäßig während der Orgelwochen im Waldshuter Hof einmietet und alle Konzerte besucht.

Gibt es in diesem Jahr einen besonderen Höhepunkt?

Vor allem das Abschlusskonzert für vier Hände und vier Füße am 12. Mai mit Michel und Yasuko Bouvard aus Toulouse, bei denen ich studiert habe, ist sicherlich ganz speziell und etwas zum Anschauen!