Der Bürgerwaldtunnel, der 1997 fertiggestellt wurde und seitdem als Umfahrung von Tiengen dient, soll in den kommenden Jahren umfassend sicherheitstechnisch nachgerüstet werden. Die Arbeiten dafür haben unlängst begonnen, wie das Regierungspräsidium Freiburg mitteilte.

  1. Wieso muss der Bürgerwaldtunnel nachgerüstet werden? Der Straßentunnel im Bürgerwald ist laut den geltenden Standards der Europäischen Union nicht sicher genug. Das Regierungspräsidium Freiburg muss das Bauwerk deshalb zu Millionenkosten nachrüsten. Die EU-weit geltenden Standards wurden nach der Brandkatastrophe, die sich 2001 im Schweizer Gotthard-Straßentunnel ereignet hatte, mehrfach verschärft. Anlagen wie der Bürgerwaldtunnel, bei denen Defizite bestehen, müssen sukzessive nachgerüstet werden.
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  2. Welche Sicherheitsmängel gibt es am Bürgerwaldtunnel? Laut einer Liste des Regierungspräsidiums Freiburg weist der Bürgerwaldtunnel folgende sechs Mängel auf: Zum einen sind die Abstände zwischen den Notausgängen zu groß, zum anderen gibt es zu wenige Notrufkabinen und Löschwasserhydranten. Außerdem fehlt eine Reserveanlage bei der Löschwasser-Druckerhöhung, und die Auffangbecken für Löschwasser sind zu klein. Bemängelt werden auch die Lüftung, die nicht den Vorgaben entspricht, und die Stirnwände der Pannenbuchten, die rechtwinklig und nicht abgeschrägt sind.
  3. Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt? Mit Hilfe eines Schwerlastautokrans wurden laut Auskunft des Regierungspräsidiums mehrere Betonfertigteile für einen Löschwasserbehälter am Ostportal des Bürgerwaldtunnels eingebaut. Dafür musste die Umfahrung Mitte November für den Verkehr gesperrt werden. Bereits seit Anfang Oktober werden außerdem die Aufstellflächen für die Feuerwehr im Bereich der beiden bestehenden Fluchtstollen des Tunnels vergrößert. Zusätzlich wurde eine Feuerwehrzufahrt von der A 98 zum parallel der Wutach verlaufenden Wald- und Wirtschaftsweg geschaffen. Bisher ist eine Zufahrt aus Richtung Lauchringen im Bereich des Gutshofes der Laufenmühle mit schweren Feuerwehrfahrzeugen nur stark eingeschränkt möglich.
    Der Bürgerwaldtunnel bei Tiengen vom Westportal aus gesehen.
    Der Bürgerwaldtunnel bei Tiengen vom Westportal aus gesehen. | Bild: Juliane Schlichter
  4. Welche Nachrüstungen stehen noch aus? Bis voraussichtlich 2023 sollen zwei Fluchtstollen parallel zur bestehenden Tunnelröhre gebaut und die Tunnelbetriebstechnik komplett erneuert sowie auf den neuesten sicherheitstechnischen Stand gebracht werden. Im Verlauf dieses Jahres soll am Westportal ein neues Havariebecken errichtet werden. Für 2020 ist dann die Erweiterung der Tunnelbetriebsgebäude Ost und West vorgesehen, ab 2021 der Bau der Fluchtstollen und die Erneuerung der Betriebstechnik.
  5. Wieso wird nicht eine zweite Tunnelröhre für den Verkehr gebaut? Die Frage, ob im Zuge der Nachrüstung nicht gleich eine zweite Tunnelröhre hätte realisiert werden können (im Vorgriff auf einen eventuellen vierspurigen Ausbau), sei geprüft worden, heißt es dazu aus dem Regierungspräsidium Freiburg. Mit dem Ergebnis, dass eine solche Lösung als zu teuer abgelehnt wurde.
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  6. Wie viel kostet die Nachrüstung? Die jüngst ausgeführten Arbeiten kosten rund 900 000 Euro. Die gesamten Kosten für die Nachrüstungs- und Erneuerungsmaßnahmen bis 2023 werden sich – nach derzeitigem Stand des Regierungspräsidiums – auf etwa 17 Millionen Euro belaufen.
  7. Die technische Nachrüstung sollte bereits Ende 2016/Anfang 2017 beginnen. Wie erklärt das Regierungspräsidium die Verzögerung? Markus Adler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, verweist auf die Komplexität des Großprojekts. Bei der technischen Nachrüstung des Bürgerwaldtunnels handele es sich um "aufwendige Gewerke mit einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen", die europaweit ausgeschrieben wurden. "Im Verlauf des Projekts ergeben sich Dinge, die man nicht vorhersehen kann", so Markus Adler abschließend.
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  8. Was bedeutet die Nachrüstung des Bürgerwaldtunnels für die Verkehrsteilnehmer? Das bedeutet zunächst mal, dass die Verkehrsteilnehmer einen sichereren Tunnel bekommen werden. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass der Tunnel während der Arbeiten längere Zeit gesperrt wird. Wann dies der Fall sein wird, darüber gibt es vom Regierungspräsidium noch keine Angaben. Für die bisherigen Maßnahmen wurde der Tunnel jeweils kurzzeitig für einen Tag oder eine Nacht gesperrt, zuletzt war dies Mitte November der Fall.

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