Der Chilbibock der diesjährigen, 549. Chilbi heißt „Gilberto der Kreative“. Als Namensgeber wurde der 46-jährige Waldshuter Grafikdesigner Gilberto Cammisa zum Bockgötti gekürt. Cammisa ist seit 18 Jahren „intensiv jedes Jahr bei der Chilbi dabei“, wie er selber sagt, und nun rund zwei Wochen bis zur Verlosung am Chilbisonntag für den „Schafsbock mit stolzem Gehörn“ verantwortlich. Zunftmeister Werner Späth bescheinigte dem gebürtigen Italiener in seiner Rede eine große Verbundenheit mit der Waldshuter Chilbi und eine enge Freundschaft mit der Junggesellenschaft. Zuvor hatte Späth die wichtige Rolle des Chilbibocks bei der Belagerung der Stadt durch die Eidgenossen im Jahr 1468 erzählt. „Er hat es verdient, einfach, weil er ein toller Mensch ist und weil er sich als Freund und Gönner immer für die Chilbi und die Junggesellen einbringt“, so Späth. „Ich bin ein bisschen überdreht aber ich fühle mich sehr geehrt. Das ist eine Emotion, die nur echte Chilbigänger spüren können“, sagte Cammisa.

Die Bocktaufe vor dem Metzgertörle war wie jedes Jahr mit der Bockreise eingeläutet worden, bei der die Junggesellen einige weitere Freunde und Gönner der Zunft besuchten und sich auf die Bocktaufe, die Chilbivorzeit und die Chilbi selbst einstimmten. Nachdem das anderthalbjährige, aus Niederhof stammende Tier schließlich traditionsgemäß mit einem halben Pils auf seinen neuen Namen getauft wurde, tanzten Junggesellen und Bockgötti den Male Walzer. Begleitet wurden sie von der Bockmusik, einer Abordnung der Stadtmusik unter der Leitung von Karl Gremmelspacher.

Gilberto der Kreative durfte anschließend zurück auf eine geheime Weide, wo er für die nächsten zwei Wochen seine Ruhe hat. Die große, rund 200-köpfige Taufgesellschaft aber feierte noch bis weit in den Abend hinein weiter, bewirtet von Ehemaligen an Grillstand und Bier-Rondel und begleitet von Ladwig's Dixieland-Kapelle.

Wissenswertes rund um den Bock

  • Der Chilbibock: Der Legende nach hat die verbürgte Belagerung Waldshuts 1468 durch 16 000 Eidgenossen nur dank des Chilbibocks einen guten Ausgang genommen. Die Belagerten mästeten den Bock mit ihren letzten Vorräten und ließen ihn auf der Stadtmauer spazieren, um vorzutäuschen, dass die Vorräte noch für lange Zeit reichen würden. Nur dadurch hätten sich die Eidgenossen auf Verhandlungen eingelassen und Waldshut blieb die Zerstörung erspart. Die Junggesellenschaft 1468 Waldshut hält diese Überlieferung an der Chilbi lebendig. Der diesjährige Chilbibock stammt von einem Hof in Niederhof. Die Hauptkriterien sind das richtige Alter und ein stolzes Gehörn. Aufgrund des Mangels an solchen Böcken werden diese hin und wieder auch importiert. Der letztjährige Bock stammte aus der Nähe von Köln.
  • Die Bocktaufe: Der Chilbibock wird rund zwei Wochen vor der Chilbi in Anlehnung an seinen Götti getauft. Traditionell geschieht dies mit einem halben Pils. Davor besuchen die Junggesellen verschiedene Freunde und Gönner. Danach wird der „Male Walzer“ getanzt und gefeiert.
  • Der Bockgötti: Der Zunftmeister der Junggesellen ernennt den Bockgötti. Dieser muss als Freund und Gönner der Junggesellenschaft anerkannt sein und sich um die Chilbi verdient gemacht haben. Zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung des Chilbibocks bis zu dessen Verlosung am Chilbisonntag. Sollte der spätere Gewinner des Bocks nicht in der Lage sein, das Bockessen zu geben, springt ebenfalls der Bockgötti ein.
  • Bisherige Bockgöttis: 2016: Uli Lienhard mit „Uli der ehemalige Walsdhuter“ , 2015: Markus „Mörser“ Müller mit „Mörser der Heimatverbundene“, 2014: Jochen Seipp mit „Jochen der Waldshut-Tiengener“, 2013: Joe Keller mit „Joe der Zünftige“, 2012: Claus Schleith mit „Claus der Treue“, 2011: Klaus Danner mit „Klaus der Fahnder“, 2010: Ralf Bartram mit „Ralf der Gemütliche“, Die Chronik der Junggesellen reicht bis in das Jahr 1946 zurück.
  • Die Bocklose: Bis zum Festbeginn verkaufen die Junggesellen 1000 Lose an Freunde und Gönner der Chilbi.
  • Die Bockverlosung: Nach dem Chilbi-Umzug ermitteln die Junggesellen den Bockgewinner bei einer Ziehung im Festzelt.
  • Des Bockes Schicksal: Was mit dem Bock geschieht, entscheidet sein Gewinner. Dieser ist verpflichtet, nach der Chilbi ein Bockessen für die Junggesellen und weitere geladene Gäste auszurichten. Hin und wieder wird der Bock begnadigt und darf nach seiner Chilbi-Karriere wieder ganz so leben, wie er selbst Bock hat.
  • Die Bock-Entführung: Als „abscheulichstes Verbrechen“ in die Geschichte der Stadtvereinigung eingegangen ist der Diebstahl des Chilbibocks im Jahr 2010. Das Bekanntwerden seiner Weide veranlasste die Surianer zu der Tat. Der Bock war rechtzeitig wiederaufgetaucht und die Beteiligten mussten während des Gulaschessens hinter Bauzaun-Gitter. Seither ist die Chilbibock-Weide geheim.