Im Mai 1966 wurde Kurt Georg Kiesinger zum dritten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Drei Jahre später kandidierte er im Wahlkreis Waldshut für den Deutschen Bundestag.

Als früherer baden-württembergischer Ministerpräsident war Kiesinger Bundeskanzler der ersten großen Koalition geworden, ohne selbst ein Mandat als Mitglied des Bundestages innezuhaben.

"Der Spiegel" kommentiert Kiesingers Absichten

Weil sich das bei seiner Wiederwahl nicht wiederholen sollte, war die CDU auf der Suche nach einem sicheren Wahlkreis für Kiesinger.

Nachdem sich der bis dato amtierende Waldshuter Bundestagsabgeordnete Anton Hilbert 1969 nicht mehr antreten wollte, boten Hans Studinger (Waldshuter CDU-Vorsitzender) und der CDU-Kreisvorsitzende Emil Zeller dem Kanzler die Kandidatur am Hochrhein an.

Bereits 1968 schrieb das Magazin „Der Spiegel“ hierzu: „Kurt Georg Kiesinger wird bei der Bundestagswahl 1969 in einem Wahlkreis kandidieren, in dem er keine Chance hat, zu verlieren.“

Enttäuschung trotz Wahlsieg

Obwohl der Bundeskanzler im Wahlkreis Waldshut ein CDU-Rekordergebnis von 62,6 Prozent der Erststimmen einfahren konnte, war die Bundestagswahl für Kiesinger letztlich doch eine einzige Enttäuschung: Die CDU wurde zwar stärkste Kraft, die Regierung bildete aber die SPD unter Willy Brand zusammen mit der FDP.

SPD-Konkurrent ebenfalls in Bonn

Nach 1969 nutzte Kiesinger Waldshut 1972 ein weiteres Mal als sicheren Wahlkreis. Neben Kiesinger schaffte es 1969 auch sein SPD-Konkurrent Rainer Offergeld über die Landesliste ins Parlament nach Bonn.

Dieser konnte seinen Erststimmenanteil bei der Bundestagswahl 1972 sogar ausbauen und das beste Ergebnis für die Sozialdemokraten (38,8 Prozent) einfahren.

Helmut Schmidt macht Offergeld zum Minister

Über die Landesliste wurde Offergeld bei drei weiteren Bundestagswahlen wiedergewählt, bis er 1984 Oberbürgermeister von Lörrach wurde und ein Mandat zurückgab. Unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) war Rainer Offergeld Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, im Volksmund besser als Entwicklungshilfeminister bekannt.