Jesus hatte einen Freund namens Lazarus. Er kannte ihn, war ihm eng verbunden und war deshalb durch seinen überraschenden Tod menschlich mitgenommen. Er war bewegt und erschüttert und weinte sogar. Und diesem Lazarus, der schon drei Tage im Grab lag, sagt Jesus: „Komm heraus.“

Komm(t) heraus – diese Worte würden wir auch gerne hören in dieser Zeit. Komm(t) heraus auf die Straße; komm(t) heraus auf die Plätze; komm(t) heraus wir gehen in die Gartenwirtschaft, zur Schule, in die Kirche etc. Doch dieses „Komm heraus“ werden wir momentan nicht hören.

Das könnte Sie auch interessieren

Manche werfen nun den Kirchen vor, sie wären auf Tauchstation gegangen, hätten sich zu sehr der bürgerlichen Welt angepasst, hätten vorschnell mit den Gemeinden und dem Land gleichgezogen und damit die Gläubigen verunsichert. Dabei geht es doch nicht um Anpassung, sondern um Gesundheit und Leben unserer Mitmenschen.

Die Frage „was wäre wenn?“, sei erlaubt! Was wäre, wenn die Kirchen normal weitergemacht hätten? Was wäre, wenn wir unerschrocken Gottesdienst gefeiert hätten? Ich bin der Überzeugung, dass dann die gleichen Kritiker dies uns Christen vorgeworfen hätten.

Das könnte Sie auch interessieren

Lazarus, komm heraus – fühle dich wie neu geboren – Leben sollst du haben, Leben in Fülle (Joh 10,10). Wer die Erzählung des Johannes so versteht, der kann zurückstellen, was mancher Kritiker meint.

Denn auferstehen zu einem neuen Leben oder gar zu ewigen Leben ist keine Frage für die Naturwissenschaft, sondern ein Versprechen, das der Glaube verheißt. Es braucht dazu das Vertrauen in diesen Gott, der zu uns Menschen sein „Ja“ gesprochen hat; Vertrauen darauf, dass diese Zusage an uns wirklich so gemeint ist.

Aber wie wirkt das auf uns heute, gerade in der Zeit von Corona? In zwei Wochen feiern wir Ostern. Ein Osterfest wie wir es noch nie gefeiert haben – ohne gemeinsame Gottesdienste in unseren Kirchen. Aber dennoch gemeinsam! Wie geht es uns auf dem Weg dahin? Geht es uns wie den Jüngern? – Sehen wir dem Fest eher mit Befremden und ein wenig Erschauern entgegen? Oder wie Marta? – Es kommt halt wieder Ostern, aber es könnte auch anders kommen...? Wie Maria? – Gefangen in unseren eigenen Lebenssituationen und ohne Vorstellung von diesem Gott? Oder wie Lazarus? – Erfüllt von dem Gefühl, wie Leben in Fülle aussehen könnte? Oder ist da nicht eher von allem ein bisschen?

Das könnte Sie auch interessieren

Es wird auf diese Fragen keine allgemeinen Antworten geben können. Das jährliche Osterfest, gleichgültig wie es gefeiert wird, ist immer wieder ein Schritt hin zur Vollendung der Verheißung, die der Prophet seinem Volk gemacht hat: „Und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.“ (Ez 37,13)

Ich wünsche und bete darum, dass wir dieses „Komm heraus“ bald wieder gemeinsam leben dürfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €