Mit einem Anbau auf Stelzen soll das Waldshuter Krankenhaus vorübergehend erweitert werden. Zum 1. Juli hat die Stadt Waldshut-Tiengen als Mehrheitsgesellschafter bekanntlich die Spitäler Hochrhein GmbH verlassen. Dennoch ist sie über die Patronatserklärungen (Bürgschaften) und der Beteiligung an den Sanierungskosten für das Waldshuter Spital weiterhin in der Pflicht.

Im Zuge der Sanierung soll es einen temporären dreistöckigen Anbau ans Krankenhaus geben (auf Stelzen über dem Haupteingang). Der Jahresabschluss für das Jahr 2016 weist ein Minus von etwas mehr als elf Millionen Euro aus, er fällt damit um drei Millioenen Euro besser aus, als prognostiziert.

Beides stellte Klinikgeschäftsführer Hans-Peter Schlaudt in der jüngsten Sitzung des Waldshut-Tiengener Gemeinderates am Montagabend im evangelischen Gemeindesaal in Tiengen vor.

  1. Weshalb braucht das Spital Waldshut einen Anbau, wenn bis in acht bis zehn Jahren ein neues Kreiskrankenhaus seinen Betrieb aufnehmen soll? Das Krankenhaus am Waldshuter Ochsenbuckel erfüllt weder technisch noch von der Bettenzahl her die Ansprüche als alleiniger stationärer Versorger für den gesamten Landkreis. Und zudem ist es nur mit einer hohen Auslastung, also mit genügend Patienten, dauerhaft in der Lage, wie von Klinikgeschäftsführer Hans-Peter Schlaudt berechnet, aus der Verlustzone geführt werden. Mit dem Anbau soll auch die innere Struktur verbessert werden. Das heißt, Abteilungen werden so neu organisiert, dass Patientenversorgung und Abläufe optimiert werden.
  2. Wie und wo soll der Anbau erfolgen? Die dreigeschossige Erweiterung soll auf Stelzen direkt über dem Haupteingang errichtet werden. Die Anbindung an den bisherigen Baukörper erfolgt direkt aus den einzelnen Etagen des bestehenden Gebäudes heraus.
  3. Was passiert mit den Anbau, wenn das Zentralkrankenhaus in acht bis zehn Jahren seinen Betrieb aufgenommen haben wird? Dann soll der Anbau wieder abgerissen werden. In diesem Moment endet auch das Erbbaurecht zwischen Stadt und Landkreis, das Waldshuter Krankenhaus fällt zurück in die Hände der Stadt Waldshut-Tiengen. Hans-Peter Schlaudt: "Es wird auf alle Fälle einen Neubau an anderer Stelle geben."
  4. Wer entscheidet über die geplante Erweiterung? Zunächst muss der Waldshuter Kreistag in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch, 18. Juli, darüber beraten. Weiter sitzt das baden-württembergische Sozialministerium mit im Boot. Ohne Zuschüsse aus dem Haus des grünen Sozialministers Manfred Lucha gibt es keinen Anbau. Klinik-Chef Schlaudt zeigte sich in der Sitzung des Gemeinderates aber vorsichtig optimistisch, einen positiven Zuschussbescheid aus Stuttgart erhalten zu können.
  5. Was bedeutet das letztlich für die Stadt Waldshut-Tiengen? Je höher der Zuschuss aus dem Stuttgarter Sozialministerium ausfällt, desto geringer fallen letztlich die gesamten Sanierungskosten aus. Kostet die gesamte Ertüchtigung des Waldshuter Spitals am Ende weniger als die bislang eingeplanten 24 Millionen Euro (davon muss die Stadt 60 Prozent, also etwa 14 Millionen Euro tragen), muss die Doppelstadt auch entsprechend weniger bezahlen. Die Kosten für den Anbau veranschlagt Schlaudt in Höhe von acht bis zehn Millionen Euro; er hofft auf einen Zuschuss in Höhe von 30 bis 40 Prozent der Kosten. Schlaudt: "Wir müssen schauen, ob wir Herrn Lucha daran erinnern können, was er versprochen hat."
  6. Wie sieht der Jahresabschluss für das Jahr 2016 aus? Salopp gesagt tief rot. Aber weniger schlecht als ursprünglich prognostiziert. Zunächst war die Klinikleitung von einem Verlust in Höhe von etwas mehr als 14 Millionen Euro ausgegangen. Bis der Prüfvermerk der Wirtschaftsführer letztlich drauf kam, waren es "nur" noch gut 11,3 Millionen Euro.
  7. Wie sehen die weiteren Prognosen aus? Auch für das laufende Jahr rechnet Geschäftsführer Schlaudt noch mit einem negativen Jahresergebnis. Mittelfristig soll das Krankenhaus jedoch in die Gewinnzone zurückkehren.