Als hätten die Engel von der Stuckdecke im Saal mit eingestimmt, so klang Kiki Manders, als sie im Schloss Tien­gen den ersten Titel aus ihrem Debütalbum „Love is Yours is Mine“ vorstellte. Manders war erfrischend anders, sie ließ ihre modernen, eigenen Kompositionen mit freier Improvisation verschmelzen. Dabei war ihre Stimme mal ätherisch zart, mal dunkel, aber auch stellenweise sehr kraftvoll.

Die Musiker freuten sich über tosenden Applaus (von links): Philipp Braemswig (E-Gitarre), Kiki Manders (Gesang), Johnathan Ihlenfeld Cuñado (E-Bass) und Moritz Baumgärtner (Schlagzeug).
Die Musiker freuten sich über tosenden Applaus (von links): Philipp Braemswig (E-Gitarre), Kiki Manders (Gesang), Johnathan Ihlenfeld Cuñado (E-Bass) und Moritz Baumgärtner (Schlagzeug). | Bild: Melanie Mickley

Zusammen mit der mal melancholisch, mal knackig klingenden Band sorgte die Sängerin für spannende Wendungen. Auf diese Weise gelang es Kiki Manders und ihren Musikern Philipp Braemswig (E-Gitarre), Jonathan Ihlenfeld Cuñado (E-Bass) und Moritz Baumgärtner (Schlagzeug), die 64 begeisterten Zuhörer auf ihre musikalische Reise mitzunehmen.

Weitere Plätze nötig

Mit so viel Zulauf an der Abendkasse hatte der Verein Freunde Schloss Tiengen zuerst gar nicht gerechnet, doch schnell wurden noch weitere Plätze für die Zuhörer geschaffen. „Ich hatte zwischendurch Angst, dass uns der Stuck von der Decke fallen könnte“, scherzte Matthias Wetz, Vorsitzender des Vereins. In der Tat, solche Töne waren in den historischen Schwarzenbergsälen noch nicht erklungen.

Tontechnische Herausforderung

Das Konzert stellte die Veranstalter tontechnisch vor eine große Herausforderung. Bisher wurden die Säle neben Lesungen und Ausstellungen nur für Kammermusiken genutzt. Nun mussten eine Soundanlage, Schlagzeug und Mikrofone in den hallenden Räumen aufeinander abgestimmt werden. Der Soundcheck dauerte dadurch zwar länger als gewöhnlich, aber Soundtechniker Till Erb hatte die Situation dennoch im Griff und sorgte für ein einwandfreies Klangbild, das vor allem Kiki Manders sehr zu schätzen wusste.

Studium in Amsterdam

Die in Berlin lebende, aus den Niederlanden stammende Sängerin machte am Konservatorium von Amsterdam ihre Abschlüsse Bachelor- und Master of Music und studierte auch in New York Gesang. Im Jahr 2015 war sie Finalistin der „Voicingers International Singers Competition“ und brachte 2016 ihr erstes Album heraus.

Ältere und brandneue Lieder

Aus diesem sang sie einige Titel auf Englisch, Französisch und in ihrem Heimatdialekt, stellte aber auch schon zwei Lieder aus ihrem neuen, für 2019 geplanten, Album vor. „Ich wollte schon als Kind immer singen und war auch im Kirchenchor. Mit 17 ging ich in den Gesangsunterricht. Für mich stand ziemlich schnell fest, dass ich Jazz machen möchte. Ich liebe die Freiheit und die Interpretationsmöglichkeiten – beim Jazz kann man alles machen“, erklärte Manders in ihrer unbeschwerten, fröhlichen Art, die auch beim Publikum gut ankam. Als Zugabe und Ausklang interpretierte Sie „Smile“ von Charlie Chaplin und ermutigte alle Zuhörer, beim Refrain mit einzustimmen.

Schloss soll sich öffnen

„Wir möchten das Schloss für die Menschen öffnen“, erklärte Vorstandsmitglied Herbert Müller-Lupp und er würde gerne Jazzkonzerte in dieser Klubatmosphäre wiederholen. Einen Kooperationspartner und Kenner der Jazz-Szene hat der Verein bereits mit Matthias Hilpert, bekannt aus den Heubacher Hauskonzerten, gewinnen können. Er stellte auch schon den Kontakt zu Kiki Manders her. Der Verein Freunde Schloss Tiengen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schwarzenberg Säle mit vielfältigem kulturellem Leben zu erfüllen – mit dem Konzert von Kiki Manders ist das einmal mehr gelungen.