Anja Fuchs ist seit 2009 Leiterin des Tierheims im Steinatal. Sie kennt den Kreislauf des ständigen Kommen und Gehens, der sich jedes Jahr im Tierheim wiederholt. „200 Katzen, 30 Hunde und 25 bis 30 Kleintiere kommen bei uns rein und werden wieder vermittelt“, sagt die Leiterin über die jährliche Quote. Dazu gehören oftmals Fundtiere aus den umliegenden Gemeinden und der Stadt Waldshut-Tiengen. Auch viele private Besitzer, die aufgrund einer Krankheit oder eines Umzuges kein Haustier mehr besitzen können oder möchten, geben diese in die Obhut des Heims. „Es werden auch beschlagnahmte Tiere vom Veterinäramt zu uns gebracht“, sagt Fuchs.

Start in der Quarantäne

Ankömmlinge starten ihren Kreislauf in der Quarantäne. Jedes Tier, das aufgenommen wird, erfährt eine medizinische Untersuchung. Das Tier wird registriert, entfloht, entwurmt und falls erforderlich kastriert. Wenn es gesund ist, dann darf es sich in die Gruppe zu seinen Artgenossen gesellen. Danach geht es an die Vermittlung: Dabei ist nicht nur der Wunsch des Interessenten entscheidend, sondern auch die Chemie mit dem Tier und das Einverständnis des Tierheims. Die Erfahrung lehrt, dass in einigen Fällen die finanzielle Bürde eines Haustieres überschätzt wird. Neben fixen Kosten, wie für Futter und Steuern, können unerwartete Ausgaben für medizinische Behandlungen und Medikamente anfallen.

Fälle von Tierhortung

In einem Vermittlungsbogen werden daher die Berufstätigkeit und die Wohnverhältnisse abgefragt. „Es ist mir lieber, wenn sich jemand nur einen Hund oder Katze anschafft, dann kann er das Tier auch versorgen. Jedes Tier braucht dazu seine Aufmerksamkeit,“ sagt Fuchs und bezieht sich dabei auf erlebte Fälle von Tierhortung. Es handelt sich dabei um Menschen, die Tiere sammeln und unkontrolliert vermehren lassen. „Es gibt Leute, die haben 30 bis 40 Tiere in ihrer Wohnung, die alle heruntergekommen sind,“ berichtet Fuchs.

Sechs Hunde und 48 Katzen sind momentan im Steinatal beherbergt. Dazu kommen Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Frettchen, die Anzahl variiert dabei von Tag zu Tag. Beliebt seien vor allem junge Katzen und Hunde, dabei sei der Umgang mit ihnen meist komplizierter, meint Fuchs: „Viele Menschen finden Babykatzen super. Die Jungtiere reißen aber auch viel an Vorhängen oder galoppieren über den Tisch.“ Findet ein Tier ein neues Zuhause, dann bringen Anja Fuchs und ihre Mitarbeiter das neue Familienmitglied persönlich vorbei. Damit schließt sich der Kreislauf einer Adoption, der am nächsten Tag im Tierheim Steinatal wieder aufs Neue beginnt.

Der Tierschutzverein

Das Tierheim Steinatal wird vom Tierschutzverein Waldshut-Tiengen betrieben. Momentan arbeiten dort neun Mitarbeiter in verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Es werden Tiere aus privaten Haushalten, beschlagnahmte Tiere vom Veterinäramt und Fundtiere aus den Gemeinden aufgenommen. Dazu gibt es dort die Möglichkeit, sein Haustier für einen gewissen Zeitraum abzugeben. Der Verein verfügt momentan über etwa 550 Vereinsmitglieder, der Jahresbeitrag liegt bei 25 Euro. Zusammen mit den Einnahmen aus der Pension und freiwilligen Spenden wird damit die Verpflegung und medizinische Versorgung der Tiere gewährleistet.