Nun ist Bernhard Karg offiziell Leiter des Finanzamts Waldshut-Tiengen. In einem Festakt im katholischen Gemeindesaal Tiengen führte ihn Gisela Splett, Staatssekretärin im Landesfinanzministerium, im Beisein von knapp 200 Gästen in sein Amt ein. Unter ihnen waren Vertreter der Oberfinanzdirektion Karlsruhe, von Behörden, Landkreis und Stadt sowie Leiter umliegender Finanzämter und die Mitarbeiter – auch ehemalige – des Finanzamts Waldshut-Tiengen.  

Bernhard Karg
Bernhard Karg | Bild: Ursula Freudig

Die Staatssekretärin bescheinigte Karg wegen seiner großen Diensterfahrung beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Amtsleitung. Sie forderte die Mitarbeiter des Finanzamts Waldshut-Tiengen auf, ihren neuen Vorsteher, so die offizielle Bezeichnung, zu unterstützen. „Ein Finanzamt lebt vom Teamgeist und davon, dass alle an einem Strang ziehen“, sagte Splett. Die beiden Vorgängerinnen von Karg wurden verabschiedet und ihre Arbeit gewürdigt: Anne Katrin Michalke war gut vier Monate Amtsleiterin, Solveig Elze rund fünf Jahre. Michalke ist jetzt im Finanzministerium tätig, Elze leitet das Finanzamt Singen.

Ein Blick auf die Gäste bei der Amtseinführung von Bernhard Karg (vorn, von rechts): Joachim Baumert, Bürgermeister von Waldshut-Tiengen, Landrat Martin Kistler und Sabine Hartmann-Müller, CDU-Landtagsabgeordnete.
Ein Blick auf die Gäste bei der Amtseinführung von Bernhard Karg (vorn, von rechts): Joachim Baumert, Bürgermeister von Waldshut-Tiengen, Landrat Martin Kistler und Sabine Hartmann-Müller, CDU-Landtagsabgeordnete. | Bild: Ursula Freudig

In den Grußworten wurde mehrmals die besondere Situation des Finanzamts Waldshut-Tiengen durch die Nähe zur Schweiz angesprochen. Dies mit Blick auf die anspruchsvolle Bearbeitung der Steuererklärungen der Grenzgänger und die Verschärfung der angespannten Personalversorgung. „Das Finanzamt Waldshut-Tiengen leistet unter schwierigen Rahmenbedingungen hervorragende Arbeit“, so Hans-Joachim Stephan von der Oberfinanzdirektion Karlsruhe.

Gute Laune: Der Festakt zur Amtseinführung von Bernhard Karg ging nahtlos über in ein geselliges Beisammensein.
Gute Laune: Der Festakt zur Amtseinführung von Bernhard Karg ging nahtlos über in ein geselliges Beisammensein. | Bild: Ursula Freudig

Ein Kraftakt kommt laut Splett im Zuge der Reform der Grundsteuer auf alle Finanzämter zu. Sie kündigte an, das weiter in die IT-Ausstattung und Personalversorgung investiert werde und wartete auch mit einigen Zahlen über das Finanzamt Waldshut-Tiengen auf: knapp 200 Mitarbeiter im Durchschnittsalter von 45 Jahren, davon 67 Prozent Frauen und 33 Anwärter für den mittleren und gehoben Dienst.Jährlich werden rund 48.000 Einkommenssteuerfälle bearbeitet, davon sind rund 17.000 von Grenzgängern. Mit schwungvollen musikalischen Beiträgen umrahmte die Musikkapelle des Finanzamts Waldshut-Tiengen den Festakt, der mit angeregten Gesprächen bei Häppchen und Getränken ausklang.

Musikalische Akzente: Die Musikkapelle des Finanzamts Waldshut-Tiengen umrahmte den Festakt.
Musikalische Akzente: Die Musikkapelle des Finanzamts Waldshut-Tiengen umrahmte den Festakt. | Bild: Ursula Freudig

„Ich komme aus einer Familie von Steuerbeamten“

Herr Karg, Sie haben Jura studiert, warum sind Sie nicht Anwalt, sondern Finanzbeamter geworden?

Zum einen bin ich genetisch vorbelastet, ich komme aus einer Familie von Steuerbeamten. Zum anderen habe ich mich schon immer für Finanzen interessiert und sehe meine Tätigkeit als Erweiterung meines juristischen Spektrums.

Die Digitalisierung ist auch in Finanzämtern ein großes Thema, was ist das Ziel?

Ziel ist eine vollautomatische Besteuerung wie sie mit dem Elster-Onlineportal auch im Finanzamt Waldshut-Tiengen bereits erfolgt. Hereinkommende Steuererklärungen durchlaufen mehrere Filter. Ein spezielles Programm erkennt dabei risikobehaftete Erklärungen, die daraufhin von den Mitarbeitern bearbeitet werden. So bleibt mehr Zeit für die risikobehafteten Fälle.

Was streben Sie mit Blick auf die angespannte Personallage an?

Unser Bedarf wird durch Versetzungen der Oberfinanzdirektion Karlsruhe ausgeglichen. Diese Mitarbeiter sind aber nur befristet da, deshalb wollen wir verstärkt eigene Leute ausbilden. Mit mittlerer Reife kann man sich für die Laufbahn des mittleren Dienstes und mit Hochschulreife für das duale Studium der Laufbahn des gehobenen Dienstes bewerben. 

Wie bewerten Sie allgemein die Steuermoral der Steuerpflichtigen?

Sie ist tendenziell da gut, wo Finanzämter transparent und vertrauensvoll arbeiten. Aber ohne Kontrolle geht es nicht. Besonders bei Grenzgängern, die in der Schweiz ihr Gehalt zu fast 100 Prozent ausbezahlt bekommen und dann auf einmal 30 bis 40 Prozent Steuern zahlen müssen, ist ein gewisser Steuerwiderstand gelegentlich spürbar.