Für viele Menschen ist das Ehrenamt eine Selbstverständlichkeit, für andere ist es eine Herausforderung und wieder andere können sich darunter nicht viel vorstellen. Wieder andere würden zwar gerne, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Für Gabi Eppler ist das Ehrenamt eine Erfüllung. Doch auch die gebürtige Münchnerin wusste am Anfang nicht, wo sie anfangen sollte.

Aller Anfang ist schwer

Es ist 1995 als Gabi Eppler und ihr Mann nach Tiengen ziehen. Gleich zu Beginn teilt man der kommunikativen Großstädterin mit, dass für Auswärtige ein Kennenlernen der Einheimischen Südbadens am besten – und überhaupt nur – über einen Verein möglich ist. Für die Katholikin ist der erste Stopp auf dieser Reise die Pfarrei Tiengen der heutigen Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena. Kurze Zeit später gründet sie eine Krabbelgruppe, wird Mitglied in der katholischen Frauengemeinschaft und beteiligt sich unter anderem als Tischmutter am Kommunionsunterricht. „Man sucht da nicht groß nach dem Engagement“, sagt die heute 56-jährige ehemalige Arzthelferin. Es entstehe aus der direkten freundschaftlichen Interaktion mit anderen engagierten Menschen. „Das Projekt wächst mit einem und es macht Spaß“, sagt Gabi Eppler.

Draußen aktiv statt träge daheim

Gabi Eppler steht mitten im Leben. Sie lebt mit ihrem aus Singen stammenden Ehemann seit 24 Jahren in Tiengen. Hier haben sie ihre beiden Kinder großgezogen. Zuvor hatte sie die Arbeit nach einem Zwischenstopp in Berlin an die Schweizer Grenze geführt. Das wichtigste war ihr als Hausfrau und Mutter, dass sie vieles auch von zu Hause aus erledigen konnte und aus der Hausfrauenrolle herauskam, während die beiden Kinder in der Schule waren. „Was will ich auch missmutig und gelangweilt dahoam hocken“, sagt sie mit einem charmanten bayrischen Einschlag, lacht und fügt an: „Es ist eine Win-Win-Situation. Ich habe meinen Spaß und der gute Zweck profitiert.“

Freundschaften knüpfen beim Kuchenbacken

Während des Kuchenbackens und der Feste der katholischen Frauengemeinschaft werden Freundschaften gepflegt und neue Leute kennengelernt, erzählt sie. Darüber hinaus ist Gabi Eppler auch eine von 15 Gebietsbetreuerinnen im überkonfessionellen Frauenverein Tiengen. Zudem organisiert sie mit katholischen und evangelischen Frauen zum Beispiel auch den Weltgebetstag, der am 1. März stattfindet. „Die Frau spinnt ihr soziales Netz, das ist seit Jahrtausenden so“, sagt sie.

Auch für die zugezogene Gabi Eppler ist der Storchenturm zum Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Tiengen geworden.
Auch für die zugezogene Gabi Eppler ist der Storchenturm zum Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Tiengen geworden. | Bild: Peter Rosa

Die Freude an der Interaktion mit anderen und am Helfen selbst begleitet die früher schüchterne Gabi Eppler schon ihr ganzes Leben. Als Kind war sie schon beim Pfarrbrief Austragen in München aktiv, später war sie als Jugendliche zum Spenden Sammeln mit der Caritas-Büchse unterwegs. „Ich habe gemerkt, ich kann super organisieren, wenn ich hinter einer Sache stehen kann“, erklärt sie. Mitwirken in der Gemeinde, Leute anrufen, ansprechen, offen sein und kennenlernen; Jüngere dazu holen – der vielbeschworene „gute Draht“ zu Menschen entsteht da eigentlich von ganz allein.

Vielfältige Betätigungsfelder

Vor zehn Jahren hat sie auf diese Weise zum Beispiel den lebendigen Adventskalender ins Leben gerufen. Mittlerweile engagiert sich Gabi Eppler auch als Schöffin beim Landgericht Waldshut, war im Elternbeirat der Schule ihrer Kinder aktiv und sogar schon auf den Listen für kommunalpolitischen Ämter vertreten.

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Entscheidend ist an der Freude am Ehrenamt für Gabi Eppler, wie viel sie selbst zurückbekommt. Sei es die Arbeit mit Kindern im Rahmen des FEZ-Freizeitprogramms, das Engagement in der Stadtbibliothek oder die Geburtstagsbesuche bei Senioren. Die Freude, die sie durch ihr Wirken schafft, möchte sie nicht mehr missen. „Es ist immer sehr bereichernd. Man kann mit wenig Aufwand viel Freude spenden“, sagt sie.

Nachbarschaftshilfe Waldshut

Und auch in Zukunft geht es für Gabi Eppler im Ehrenamt weiter. In wenigen Wochen nimmt die Nachbarschaftshilfe Waldshut ihre Aktivitäten auf. Dort können sich Interessierte frei aussuchen, wie und wo sie Helfen wollen: „Das geht vom Schneeschaufeln, über Organisatorisches wie Einkaufshilfen und Fahrdienste bis hin zum Spazie­rengehen mit Älteren. Man ist zu nichts gezwungen“, so Eppler, und: „Vielleicht kann man die Nachbarschaftshilfe selbst im Alter auch irgendwann brauchen.“ Und dass man bis dahin neben den ganz persönlichen Hobbys und Aktivitäten keine Zeit fürs Ehrenamt hat, kann Gabi Eppler, die in Lesekreisen, beim Nordic Walking, Skisport und Jazztanz, sowie seit Kurzem auch beim Golfen aktiv ist, nicht bestätigen.

Auch für die zugezogene Gabi Eppler ist der Storchenturm zum Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Tiengen geworden.
Auch für die zugezogene Gabi Eppler ist der Storchenturm zum Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Tiengen geworden. | Bild: Peter Rosa

Bis heute fragt sich Gabi Eppler, ob man als Zugezogene überhaupt „Tiengenerin werden“ kann. Andererseits weiß sie: „Ich bin verwurzelt durch die Leute, das ist meine neue Heimat. Und das Ehrenamt gibt mir sehr viel zurück.“ Fest steht – auch wenn sie das selbst sicherlich nicht so ausdrücken würde – dass Gabi Eppler nicht nur eine Vorzeige-Waldshut-Tiengenerin ist. Durch ihr Engagement für andere ist sie auch eine der glücklichsten.