Waldshut – Am Ostermontag ist Schluss: Alle sechs Glocken der katholischen Pfarrkirche Liebfrauen werden verstummen. Das sogenannte Angelusläuten morgens um halb sieben, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr ist seit einigen Tagen nicht mehr zu hören und das Läuten zu den Gottesdiensten wird Ostermontag eingestellt. Die drei Glocken im Turm der Gottesackerkapelle, die auch für die benachbarte evangelische Versöhnungskirche geläutet haben, sind ebenfalls verstummt.

Wie lange Waldshut auf sein vertrautes Kirchenglockengeläut verzichten muss ist offen. Pfarrer Ulrich Sickinger geht von vielen Monaten aus. Grund hierfür sind Sanierungsmaßnahmen, die von Johannes Wittekind, dem erzbischöflichen Glockeninspektor des Erzbistums Freiburg, nach Vorortbesichtigungen dringend empfohlen werden. In der Gottesackerkapelle haben sich nach seiner Aussage die beim Schwingen der drei Glocken freiwerdenden Kräfte auf die Turmstruktur übertragen und sie instabil gemacht. Holzturm und Läuteanlage müssten saniert werden.

Die von Wittekind vorgeschlagenen Maßnahmen in der Liebfrauenkirche dienen vorrangig dem Schutz und der Entlastung der sechs Glocken. „Es handelt sich um ein eimaliges historisches Geläut“, so Wittekind. Vor gut 25 Jahren hatte eine der Liebfrauen-Glocken schon einmal einen Riss und musste mit hohem Kostenaufwand saniert werden. Um solche Schäden in der Zukunft unwahrscheinlich zu machen, geht der Glockeninspektor von folgenden Mindestmaßnahmen aus: Für alle sechs Glocken neue Klöppel, die schonender mit dem Glockengehäuse umgehen und ein leichtes Drehen der Glocken, damit der neue Klöppel nicht mehr auf die alte Stelle auftrifft.

Zur weiteren Entlastung der historischen Glocken und auch zur Abrundung des bislang nicht optimalen Gesamt-Klangbildes, empfiehlt er die Anschaffung von mindesten einer, besser von drei neuen Glocken.

Welche Maßnahmen schließlich ergriffen werden, wird die Pfarrgemeinde nach einem Gutachten entscheiden, dass das Europäische Kompetenzzentrum für Glocken „Pro Bell“ (Hochschule Kempten) in ihrem Auftrag erstellen wird. Drei neue Glocken – Platz wäre vorhanden – sieht Pfarrer Ulrich Sickinger finanziell gesehen als kaum möglich an. Ende Juni wird Glockeninspektor Johannes Wittekind in einer Pfarrgemeinderatssitzung sprechen. Was Besucher auf jeden Fall weiterhin hören werden, sind die städtischen Glocken im oberen und unteren Tor, die leicht zeitlich versetzt, die Zeit „schlagen“.

Älteste Glocke im Erzbistum

Die sechs Bronze-Glocken in der Waldshuter Liebfrauenkirche haben Durchmesser von 400 bis 1470 Millimetern und wiegen zwischen 50 bis 1920 Kilogramm. Die zweitgrößte Glocke wurde 1351 gegossen und ist damit die älteste datierte Glocke des Erzbistums Freiburg, in dem es rund 2500 Läutanlagen gibt. Vier bis fünf Glocken hat eine Anlage im Schnitt. Weitere Informationen gibt es im Internet (www.ebfr-glocken.de).