Thomas Santhori, der auch von Ausstellungen und Aktionen in Waldshut-Tiengen bekannte Künstler aus Bad Zurzach/Schweiz, muss auf sein in China geplantes Projekt verzichten. Verantwortlich dafür ist die Epidemie des Corona-Virus.

Vier Jahre dauerten die Vorbereitungen für das China-Projekt des Bad Zurzacher Populärkünstlers Thomas Santhori. Doch die Ausbreitung des Corona-Virus, an dem bisher weltweit über 24.000 Menschen erkrankten, das fast 500 Opfer forderte und die Weltwirtschaft beeinträchtigt, wirkt sich jetzt auch bis ins Gebiet Zurzach aus: Vor wenigen Tagen erhielt Santhori die Meldung, dass das Projekt „China Relation 2020“ abgesagt wurde. Der 71-Jährige wäre in den kommenden Wochen für zwei Monate nach Peking gereist, wo er an der Chinesischen Hochschule der Künste Vorträge gehalten hätte. Zudem waren eine Ausstellung und Workshops mit Studenten im Whitebox Art Center geplant gewesen. Sein Projektleiter, ein Schweizer mit chinesischen Wurzeln, der das Projekt vor Ort in die Wege leiten wollte, befindet sich noch immer in Quarantäne in Peking. „Er sollte aber bald ausreisen können“, sagt Santhori.

Es ist bereits die zweite Ausstellung des Künstlers in China, die abgesagt werden musste. Santhori wollte im September 2019 im Shanghai Himalayas Museum während vier Wochen Auszüge aus seinem Werk vorstellen. Doch das Museum erhielt kurz davor einen neuen Generalsekretär. „Er wollte Geld verdienen und verlangte plötzlich einen exorbitanten Geldbetrag, der nicht vereinbart gewesen war“, sagt Santhori. Auf Anraten seiner chinesischen Kontaktperson entschloss er sich, das Projekt zu begraben. An der Kunsthochschule hielt er aber Vorträge zum Thema Pop Art.

Die Ausstellung im kommenden Mai hätte in einem alten Industrieviertel stattgefunden. „Dort befinden sich heute fast 400 Galerien“, sagt Santhori. Dass es jetzt wieder nicht klappte, habe ihn anfänglich enttäuscht. Insbesondere nach der langen Vorbereitungszeit und den zahlreichen Sitzungen. „Die Chinesen sind immer sehr höflich, doch die Beziehungen mit China sind immer wahnsinnig kompliziert“, sagt Santhori. Immer wieder empfing er chinesische Delegationen in seinem Atelier in Rekingen oder reiste in die Volksrepublik, um das Projekt vorzubereiten. Aber auch ohne die Absage aus China hätte der Bad Zurzacher angesichts der Corona-Epidemie schlussendlich auf die Reise verzichtet. „Ich muss nicht mit dem Feuer spielen, dafür bin ich zu alt.“

Ob die Ausstellung in Peking zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird, ist noch unklar. Erfahrungen mit Ausstellungen in Millionenmetropolen sammelte er bereits: 2016 machte er in New York mit einer Performance und einer Ausstellung von sich reden.

In der Schweiz erlangte er Aufmerksamkeit, als er im selben Jahr die Zürcher Stadtpolizei auf Trab hielt: Santhori und sein Zürcher Architekten-Kollege Walter Wäschle verhüllten die Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage in der Nähe des Hauptbahnhofes im typisch bunten Santhori-Stil. Drei Stunden dauerte die Guerilla-Aktion. 2018 folgte der erste „fixe Blitzer“ im Aargau – eine kunstvoll verhüllte Attrappe eines Blechpolizisten. Auch dies war den Behörden ein Dorn im Auge, der Gemeinderat forderte ein nachträgliches Baugesuch. Die Skulptur steht unterdessen weiter entfernt von der Straße.

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