Geschichte: Mit der Waldshuter Chilbi wird jährlich die erfolgreiche Verteidigung Waldshuts gegen die Schweizer Belagerer gefeiert. Ziel der eidgenössischen Truppen war die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Waldshut. Sechs Wochen lang wurde Waldshut von einem Heer von 16.000 Mann unter ständigem Beschuss belagert, bevor das Vorhaben am 27. August 1468 scheiterte. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages in der Pfarrkirche zu Dogern gaben die Eidgenossen die Belagerung aufgrund unterschiedlicher Interessen auf. Heute erinnert die Chilbi (alemannisch: Kirchweih) alljährlich an die Zeit der Belagerung.

Waldshuter Chilbi 1929: Die Junggesellen von 1468 ziehen mit Bockbuben und Bock durch das Obere Tor in die Stadt.
Waldshuter Chilbi 1929: Die Junggesellen von 1468 ziehen mit Bockbuben und Bock durch das Obere Tor in die Stadt. | Bild: Nachlass Foto Bach/Winkler (Stadtarchiv)

Chilbibock: Einer Legende nach hat die erfolglose Belagerung der Eidgenossen noch einen anderen Grund: Die Junggesellen sollen einen Schafbock mit den letzten Vorräten gemästete und über die Stadtmauer geführt haben, um zu zeigen, dass es in Waldshut noch genügend Lebensmittel gibt. Der Plan ging auf und die Schweizer traten den Rückzug an. Heute ist der Schafbock Symboltier der Chilbi. Der Chilbibock wird rund zwei Wochen vor der Chilbi in Anlehnung an seinen Bockgötti getauft, traditionell mit einem halben Pils. Am Chilbisonntag findet die Bockverlosung statt. Der Bockgewinner lädt nach der Chilbi zum Bockessen ein.

Festlich geschmückt: Der Schafsbock ist das Symboltier der Chilbi.
Festlich geschmückt: Der Schafsbock ist das Symboltier der Chilbi. | Bild: Peter Rosa

Junggesellen: Die Junggesellen sind eine der ältesten Zünfte Deutschlands. Das älteste Dokument der Junggesellen-Zunft stammt aus dem Jahr 1698. Ziel der Zunft ist die Erhaltung Waldshuter Brauchtums sowie die Pflege von Geselligkeit und Kameradschaft. Mit der Heirat wechseln die Junggesellen zu den Ehemaligen.

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Raimund Walde als Zunftmeister der Junggesellenschaft 1468 mit dem Chilbibock und Bockbuben an der Chilbi 1971.
Raimund Walde als Zunftmeister der Junggesellenschaft 1468 mit dem Chilbibock und Bockbuben an der Chilbi 1971. | Bild: Archiv/Raimund Walde

Umzug: Am Chilbisonntag gibt es einen großen Festumzug von der Kaiserstraße ins Festzelt. Teilnehmer des Umzuges sind jedes Jahr der Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen, Stadträte, der Chilbibock und das Waldshuter Männle sowie die Traditionsvereine und weitere Gruppierungen aus der Stadt sowie aus der Schweiz. Der Kinderumzug mit anschließendem Kinderfest findet am Chilbimontag statt.

Am Chilbisonntag gibt es einen Festumzug von der Kaiserstraße ins Festzelt.
Am Chilbisonntag gibt es einen Festumzug von der Kaiserstraße ins Festzelt. | Bild: Peter Rosa

Traditionsvereine: Die Junggesellenschaft 1468 Waldshut, die Schützengesellschaft 1468 Waldshut, die Vereinigung Alt-Waldshut sowie die Stadtmusik Waldshut und der Musikzug St. Florian sind Träger des Heimatfestes.

Die Waldshuter Traditionsvereine ließen bald nach Kriegsende das Brauchtum wieder aufleben. Hier der Chilbibock-Gewinner von 1950, Hans Albiez, mit "Ulli" und Bockbuben, Junggesellen und Gratulanten.
Die Waldshuter Traditionsvereine ließen bald nach Kriegsende das Brauchtum wieder aufleben. Hier der Chilbibock-Gewinner von 1950, Hans Albiez, mit "Ulli" und Bockbuben, Junggesellen und Gratulanten. | Bild: SK-Archiv

Rummel: Neben der Bockverlosung und dem Festumzug gehört zur Chilbi auch der Rummel mit zahlreichen Fahrgeschäften wie Autoscooter oder Kettenkarussell auf dem Chibiplatz.

Auch der Rummel auf dem Chilbiplatz gehört zum Waldshuter Heimatfest.
Auch der Rummel auf dem Chilbiplatz gehört zum Waldshuter Heimatfest. | Bild: Manfred Herbst

Heimatabend: In diesem Jahr geht es in der Aufführung um das Thema der Belagerung der Stadt Waldshut durch die eidgenössischen Truppen und somit dem Ursprung der Waldshuter Chilbi. Das Bürgertheater wird am Chilbisamstag mit 250 Mitwirkenden aus Waldshut-Tiengen und der Theaterwerkstatt Heidelberg in der Kaiserstraße aufgeführt.

Am Heimatabend führen 250 Mitwirkende ein Bürgertheater auf – dieses Jahr dreht sich alles um die Belagerung der Stadt Waldhut durch die Eidgenossen im Jahr 1468 und somit um den Ursprung der Chilbi.
Am Heimatabend führen 250 Mitwirkende ein Bürgertheater auf – dieses Jahr dreht sich alles um die Belagerung der Stadt Waldhut durch die Eidgenossen im Jahr 1468 und somit um den Ursprung der Chilbi. | Bild: Peter Rosa

Illumination: Rote Lampions an den Fenstern der Kaiserstraße verwandeln die Waldshuter Innenstadt am Chilbisonntag zu einer romantischen Sommernacht. Die reguläre Stadtbeleuchtung und die Beleuchtung der Geschäfte werden hierfür abgeschaltet.

Blick aus dem Unteren Tor über die Waldshuter Kaiserstraße: Hunderte orangerote Lampions tauchen die Innenstadt am Chilbisonntag in ein romantisches Licht.
Blick aus dem Unteren Tor über die Waldshuter Kaiserstraße: Hunderte orangerote Lampions tauchen die Innenstadt am Chilbisonntag in ein romantisches Licht. | Bild: Susann Klatt-D'Souza

Feuerwerk: Zum Abschluss des sechstägigen Heimatfestes findet um 22 Uhr traditionell ein Feuerwerk über dem Chilbiplatz statt.

Bei der diesjährigen Chilbi steht die Sicherheit wieder im Vordergrund.
Bei der diesjährigen Chilbi steht die Sicherheit wieder im Vordergrund. | Bild: Peter Rosa (Archiv)