Am Sonntag gastierte das Casalquartett im Rahmen der Zykluskonzerte zum zweiten Mal in den Schwarzenbergsälen im Schloss Tiengen. Das 1996 gegründete, international renommierte Zürcher Streichquartett pflegt eine enge Verbindung mit der Region Waldshut und wurde so zum Artist in Residence des Schlosses berufen. Zahlreiche Preise ehren ihre künstlerische Tätigkeit, die sich von der Musik des 17. Jahrhunderts bis zur Modernen bewegt.

Besonderes Augenmerk legen die Mitglieder des Ensembles, Felix Froschhammer (Violine), Rachel Späth (Violine), Markus Fleck (Viola) sowie Andreas Fleck (Violoncello), auf oft unbekannte Werke des 18. Jahrhunderts, die Verbindung von Tradition und Gegenwart sowie auf übergreifende Projekte mit Gastmusikern und Künstlern aus Theater, Tanz und Literatur, um die Entwicklung des Streichquartetts im Wandel der Zeit zu demonstrieren.

Eine musikgeschichtlich interessante Auswahl an zeitgleich entstandenen Werken präsentierten die Musiker den Gästen im Kammerkonzert „Revolution II: Beethoven und seine Zeitgenossen“ mit den Streichquartetten F-Dur op.64 Nr.1 (1804/05) von Luigi Boccherini, C-Dur op.20 Nr.3 (1806) von Peter Hänsel sowie Beethovens Streichquartett C-Dur op.59.3 (1806). Zum besseren Verständnis des Hör­erlebnisses führte Markus Fleck die Konzertbesucher an die Charaktere der Komponisten, ihr Zeitverständnis und die Entstehung der Werke heran.

Dem gefällig, technisch brillant musizierten, traditionell immer an seinem Stil festhaltenden Boccherini folgte ein völlig unbekanntes Streichquartett von Hänsel, das mit vielen Läufen und Verzierungen, überraschenden dramatischen Wendungen und einer interessanten Fuge zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Den Aufbruch in eine neue Ära des Streichquartetts kennzeichnet das Werk Beethovens – bezaubernd und virtuos von den Musikern umgesetzt das Schwanken zwischen Dramatik und Lieblichkeit, die Verflechtung der Stimmen und der Umgang mit Tempoauffassungen, die dem Zeitgeist, dem Charakter des Komponisten sowie des Interpreten und der wechselnden Wertlegung auf die Bedeutung der Werks- und Strukturästhetik unterliegen.