Sie ist fast zu schön, um in einem Turm zu „verschwinden“: Die neue, reich verzierte Glocke St. Verena für die katholische Mariä Himmelfahrt Pfarrkirche Tiengen ist vor ein paar Tagen per Lastwagen auf einer Palette angeliefert worden und noch im Altarraum der Kirche zu bewundern. Am Sonntag wird sie Pfarrer Ulrich Sickinger in einem feierlichen Gottesdienst weihen. Ein, zwei Tage später wird sie per Kran durch ein Fenster zu ihrem Platz im Turm gehievt und aufgehängt. 

Blick ins obere Glockengestühl der Tiengener Pfarrkirche: Links wird in wenigen Tagen die neue Verena-Glocke hängen und im Zusammenspiel mit acht weiteren Glocken ein harmonisches Geläut ermöglichen.
Blick ins obere Glockengestühl der Tiengener Pfarrkirche: Links wird in wenigen Tagen die neue Verena-Glocke hängen und im Zusammenspiel mit acht weiteren Glocken ein harmonisches Geläut ermöglichen. | Bild: Ursula Freudig

Dass Tiengen und die Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena dieses ganz besondere Ereignis feiern können, ist drei in der Pfarrgemeinde sehr aktiven Männern zu verdanken: Klaus Nieke, Martin Jensen und Wolfgang Zimmermann. Sie haben die Privatinitiative zur Anschaffung der Glocke ins Leben gerufen und Spendengelder gesammelt, in dem sie persönlich und gezielt auf Menschen und Einrichtungen zugegangen sind, die mit der Kirche verbunden sind. Ihre Bemühungen waren schnell erfolgreich. Bereits nach knapp einem halben Jahr stand die Finanzierung für die neue Glocke.

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Insgesamt hat es vom Start des Projekt bis zur fertigen Glocke nur gut ein Jahr gedauert. Mit der neuen Verena-Glocke wird eine Lücke im Geläut der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt geschlossen, auf die der erzbischöfliche Glockeninspektor Johannes Wittekind schon vor längerer Zeit aufmerksam gemacht hatte.

Die neue Glocke schafft als zweitkleinste Glocke im Turm die klangliche Verbindung zwischen der historischen und kleinsten Glocke aus dem Jahr 1721 in der Turmspitze und sieben weiteren Glocken in zwei Glockenstühlen, die alle Anfang der 1960er Jahre gegossen wurden.

Glocke mit einem hellen Klang

Bislang hat die historische Glocke allenfalls als Totenglocke allein geläutet, weil sie nicht in den Gesamtklang passte. Als feststand, dass die Pfarrkirche saniert wird und mit dem Turm einschließlich der Glockenstühle begonnen wird, war für Klaus Nieke und seine Mitstreiter der richtige Zeitpunkt da, um aktiv zu werden.

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„Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen war eine neue Glocke mit einem relativ geringen Aufwand in die Arbeiten zu integrieren, Platz war da und ein zusätzliches Kabel für die Glocke wurde verlegt“, so Klaus Nieke. Wann zum ersten Mal die neue Glocke in der relativ hellen Tonart „d“ im harmonischen Zusammenspiel mit den anderen acht Glocken zu hören sein wird, ist noch offen. „An Weihnachten wäre schön“, sagt Klaus Nieke.

Die neue Glocke und ihre Weihe

  • Anfertigung: Die Verena-Glocke stammt aus der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen (Odenwald). Die Glockenzier (Gravuren) ist von Rosemarie Vollmer aus Gondelsheim.
  • Merkmale: Die Verena-Glocke besteht aus Bronze (78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn), hat einen Durchmesser von 71,5 Zentimetern, wiegt rund 230 Kilogramm und ist im traditionellen Lehmformverfahren hergestellt worden.
  • Glockenzier: Eingraviert ist die Heilige Verena, die ihre heilenden Hände auf eine vor ihr kniende Frau legt. Sie gilt als Schutzpatronin der Notleidenden und Armen, liegt im Verenamünster in Bad Zurzach begraben und hat der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein den Namen gegeben. Eingraviert sind weiterhin die Namen von Spendern, die 500 Euro und mehr gespendet haben und die Worte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt“ (Johannes Evangelium) sowie „Ich wurde 2019 gestiftet anlässlich der Renovation unserer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und zur Ehre Gottes und der Heiligen Verena und zur Freude der Menschen“.
  • Kosten: Knapp 16.000 Euro (Angebot der Firma Schneider Turmuhren und Glockentechnik) einschließlich Transport und Montage.
  • Finanzierung: Neben Privatpersonen gehören zu den Hauptspendern (500 Euro und mehr) die St. Verena Stiftung Bad Zurzach, die Kolpingfamilie Tiengen, die Ministranten Tiengen, das Katholische Altenwerk Tiengen und der Kirchenchor Tiengen. Insgesamt rund 70 Privatpersonen haben gespendet.
  • Weihe: Der feierliche Gottesdienst zur Weihe der neuen Glocke ist am kommenden dritten Adventssonntag (15.12.) um 18.30 Uhr in der katholischen Pfarrkirche Tiengen.