„Wir haben kaum einen Wald, wo sich der Käfer nicht durchfrisst.“ Das Sturmtief vom Januar und der trocken-warme Sommer 2018 bringen im Landkreis die Waldbesitzer, Förster und Holzverarbeiter an ihre Grenzen, informierte der Leiter des Kreisforstamtes, Helge von Gilsa, die Kreisräte in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses.

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Er fürchtet, dass Land, Gemeinden und Privatwaldbesitzer im Landkreis dieses Jahr über 100 000 Festmeter Holz an den Borkenkäfer verlieren. Vor vier Jahren lag diese Zahl noch unter 20 000. „Die Entwicklung läuft rasant“, so der Forstdirektor.

Die Akteure der Waldbewirtschaftung stehen im Wettbewerb mit der Zeit. Auf Jahre hinaus dürfte der Wald zwischen Feldberg und Rheintal nicht mehr das gewohnte Bild abgeben. Altes, abgestorbenes Schadholz bleibt erstmal liegen, die Beseitigung des neuen hat Vorrang. Gewinnt der Käfer den Wettlauf, sieht Gilsa die Gefahr, „dass wir die Fichte total verlieren“. Besonders heftig sind die Schäden durch die Kombination von Sturm- und Käferschäden in einem Streifen nördlich von Waldshut Richtung Ühlingen-Birkendorf. Nach dem gefürchteten Buchdrucker machte sich im Spätsommer der Kupferstecher bemerkbar.

Das Bohrmehl auf der Rinde dieses Baumes deutet auf einen Borkenkäfer-Befall hin.
Das Bohrmehl auf der Rinde dieses Baumes deutet auf einen Borkenkäfer-Befall hin. | Bild: Reinhardt, Lukas

Guter Rat ist inzwischen teuer. Die Verarbeitung des Holzes stößt an Grenzen: Die Sägewerke im Kreis „sägen an der Kapazitätsgrenze“, so der Forstchef. Zum Preisverfall durch das eigene Überangebot kommen die Mengen aus den ebenfalls stark betroffenen Nachbarländern Tschechien und Österreich. Weil die Wälder überall leiden, sind die Holzmengen auch in der Ferne nicht mehr zu vermarkten. „Nasslager“, nach dem Orkan Lothar 1999 ein vertrautes Bild in der Landschaft, scheitern jetzt am Wassermangel, wären allenfalls am Rhein oder Schluchsee anzulegen.

Doch die Suche nach Lagerplätzen ist schwierig, Belange der Landwirtschaft oder des Naturschutzes stehen auch Trockenlagerflächen entgegen. Von Gilsa rechnet damit, dass jetzt besonders viele Buchdrucker überwintern und die Käfer im nächsten Jahr ab März noch mehr Schäden anrichten als 2018.

„Nur ein langanhaltender kalter Winter und ein feuchtes Frühjahr können für echte Abhilfe sorgen“, schreibt die Kreisbehörde in einer Medienmitteilung. Alle Waldbesitzer seien nun in der Pflicht, ihre Wälder „sauber zu bewirtschaften“ und sie auch 2019 regelmäßig auf Buchdruckerbrut zu kontrollieren.