Der Schlosskeller Tiengen platzte diesmal aus allen Nähten. Rund 130 Kulturinteressierte hatten den Weg dorthin gefunden, als Kulturamtsleiterin Kerstin Simon die Ausstellung „Alles aus Holz“ von Josef Briechle eröffnete. Anlässlich seines 80. Geburtstages zeigt er dort rund 70 Reliefs und Skulpturen, die alle in jüngster Zeit entstanden sind.

Blick in den übervollen Schlosskeller Tiengen bei der Ausstellungseröffnung „Alles aus Holz“ von Josef Briechle. Links der Künstler und Kulturamtsleiterin Kerstin Simon. Bild: Rosemarie Tillessen
Blick in den übervollen Schlosskeller Tiengen bei der Ausstellungseröffnung „Alles aus Holz“ von Josef Briechle. Links der Künstler und Kulturamtsleiterin Kerstin Simon. | Bild: Rosemarie Tillessen

Und man kann nur staunen, wie kreativ dieser Künstler ist, der „jahrzehntelang so viel für die Kunstszene in Waldshut-Tiengen bewegt hat“, so Kerstin Simon. „Er ist wie ein kraftvoller, fest verwurzelter, weit verzweigter und jährlich neue grüne Triebe treibender Baum.“ Und spricht augenzwinkernd in ihrer launigen Rede von der „Spezie Baum josephus briechleus tiengensis.“

Genug der Vorrede: Briechle hat diese Ausstellung sehr genau geplant und fantasievoll gestaltet: Da gibt es im vorderen Raum überraschend bunte Reliefs mit saftigen Äpfeln, prallen Kirschen, Trauben oder Artischocken. Er haut sie mit Stechbeitel und Hammer aus Tischlerplatten heraus, bearbeitet und bemalt sie, bevor er sie schwarz grundiert. „Ich wollte einfach Farbe. Hier hat mich unser Garten inspiriert,“ so der Künstler.

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Dann eine ganze Stirnwand mit kleineren Reliefs, die er in kunterbunter „Petersburger Hängung“ fast wie zu einem Gesamtkunstwerk zusammen gestellt hat. Diese abstrakten Formen findet er überall in der Natur und spielt mit ihnen: Er vergrößert, verkleinert oder verfremdet sie. Kerstin Simon sprach in diesem Zusammenhang von den drei Schwerpunkten, die Briechle in seinen Arbeiten erforscht – die Struktur, die Fläche und die Linie.

Filigranes mit der Kettensäge

Die tauchen auch in seinen großen hellen Wandreliefs auf, die an Partituren aus getanzten Schwüngen und Bögen erinnern. Auf einem langen Tisch dann rund 20 kleine Stelen und Skulpturen mit teils filigranen Durchbrüchen, die er mit der Kettensäge herstellt. Hier spielt er kreativ mit Kontrasten wie schwer gegen leicht oder zart gegen kraftvoll.

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Und auch der Berg ruft: Auf der Bühne hängen großformatige, schroff bearbeitete Bergreliefs: der Watzmann, Großglockner oder das Matterhorn, die der Künstler früher alle erkletterte und jetzt künstlerisch gestaltete. Aber auch – ganz aktuell – eine Arbeit zum Gletscherschwund in der Antarktis, der Josef Briechle bedrückt. Was für eine spannende, abwechslungsreiche Ausstellung.