Verlagern die Flughafenbetreiber von Zürich wieder mehr Lärm in Richtung Deutschland? Laut Kreisräten gibt es dafür deutliche Hinweise. Im Kreistag wurde Bundesverkehrsminister Dobrindt aufgefordert, sich für die Interessen der vom Fluglärm betroffenen Bürger einzusetzen. In Hohentengen wird der Landkreis auch künftig die Lärmbelastung für das deutsche Grenzgebiet auf eigene Rechnung messen lassen.

Er werde in jüngster Zeit öfter von Bürgern angesprochen mit dem Hinweis, es gebe wieder mehr Fluglärm, erklärte Martin Albers, Ex-OB der Kreisstadt und CDU-Kreistagssprecher, im Gremium. Die Bevölkerung „erlebt eine stärkere Beschallung“, so Albers, der wissen wollte, ob die Kreisverwaltung eine aktuelle Statistik über die Flugbewegungen besitze. Der Alt-Oberbürgermeister warnte vor einer Stimmung der Gleichgültigkeit gegen-über diesem Thema. Landrat Martin Kistler bat darum, der Verwaltung eine mögliche Zunahme in bestimmten Gebieten des Landkreises mitzuteilen, damit die Umweltbehörde bei den Nachbarn mit Fakten vorstellig werden könne.

Michael Thater (Freie Wähler) meinte, die Zunahme selbst im westlichen Kreisgebiet beobachtet zu haben. Und für Martin Benz (CDU), Bürgermeister der hauptbetroffenen Gemeinde Hohentengen, ist schon lange klar, dass die Schweiz versucht, den Lärm vom Süden des Kantons Zürich wegzubekommen und „nach Deutschland zu bringen“. Der Kreisrat verwies auf den aktuellen Sachplan Infrastruktur für den Flughafen Kloten und die geplanten Pistenverlängerungen. „Der Ball liegt jetzt bei Verkehrsminister Dobrindt, er soll sein Versprechen von Tiengen einhalten“, forderte Benz.

Alexander Dobrindt hatte 2015 in Tiengen erklärt, er werde keinen Plänen zustimmen, die zu einer weiteren Belastung der deutschen Seite führten. Benz, werde sich mit Händen und Füßen gegen die Schweizer Absichten wehren. Auch SPD-Kreistagssprecherin Karin Rehbock-Zureich, die sich schon als Bundestagsabgeordnete viele Jahre mit dem Thema Fluglärm befasst hatte, kündigte an, die Sozialdemokraten würden die Entwicklung auf keinen Fall hinnehmen.

Bei einer Enthaltung beauftragte der Kreistag Waldshut eine Firma aus Nordrhein-Westfalen, die Lärmmessungen in Hohentengen (Zentralort) bis Herbst 2021 fortzuführen – für knapp 120 000 Euro. Das ist weniger als bisher, weil der Messstandort in Hohentengen-Herdern aufgegeben wird. Dort fliegen kaum noch Maschinen, nachdem die Nord-Süd-Piste 16 in Zürich-Kloten nur selten angeflogen wird.

Lärmmessung

Seit fünf Jahren misst die Firma Topsonic für den Landkreis in Hohentengen-Ort und in Herdern den Lärm durch Flugzeuge, die im Anflug auf Zürich-Kloten sind. Der Kreistag verlängerte den Vertrag für den Messpunkt Hohentengen bis September 2016. Jährlich kosten die Messungen etwa 24 000 Euro, die sich Landkreis und das Land teilen.