Reichlich Gründe für feierliche Eröffnungen gab es in den letzten Monaten auf dem Waldshuter Aarberg. Ein neuer Bolzplatz, eine neue Kindertagesstätte, ein neuer Spielplatz – nur auf eines warten die Bewohner weiterhin: eine Einkaufsmöglichkeit, ein Café oder eine Bäckerei – kurz eine Versorgungsmöglichkeit.

Das sieht auch Ralf Kramer so, der in der Bergstadt lebt. Er schätzt am Aarberg die Nähe zum Wald, zudem wohne man im Grünen und sehr ruhig. "Es ist ein bisschen wie in einem in sich geschlossenem Dorf, nur fehlt uns dafür noch eine kleine Einkaufsmöglichkeit. Wünschenswert wäre auch ein Café als Begegnungsort. Ein idealer Platz wäre beim Dialysezentrum: Für Besucher dort, Friedhofsgäste, und zentral für uns Aarberger", sagt der 50-Jährige.

Kein Einzelhandel auf dem Aarberg

Der Stadtverwaltung ist der Wunsch der Einwohner der Bergstadt bekannt. Das Anliegen sei begründet und nachvollziehbar, heißt es auf Nachfrage von den Verantwortlichen um Oberbürgermeister Philipp Frank. Schon in der Vergangenheit hat es immer wieder Versuche gegeben, Einzelhandel auf den Aarberg zu locken. "Die ursprüngliche Planung, die mittlerweile bald 40 Jahre alt ist, sah in der Mitte ein Zentrum mit Laden und Restaurant vor", erinnert sich Waldshut-Tiengens früherer Oberbürgermeister Martin Albers.

Anfangs wollte niemand in der Bergstadt bauen, erst mit der Schließung der Lonza habe sich der Ruf des Baugebiets gebessert. "Das Thema kam immer wieder hoch", weiß Albers. Mehrmals wurde das vorgesehene Grundstück an einen Investoren übergeben, mit dem Ziel, innerhalb eines Jahres Mieter für das Ladenlokal zu finden. Jedes Mal gaben die Investoren das Grundstück zurück.

Auswahlverfahren für Kommunikationszentrum

"Ich habe mehrfach mit Vertretern von Unternehmen gesprochen, alle haben erklärt, dass in einem Neubaugebiet selbst 3000 Leute zu wenig sind", so Albers. Die Untergrenze liege eher bei rund 5000 Einwohnern. Auch für ein Café habe sich nur einmal ein Interessent gefunden, auch er habe die Idee wieder aufgegeben.

Die Stadt gibt die Hoffnung nicht auf. Man habe die Umsetzung nicht aufgegeben und bei der aktuell laufenden Investorenausschreibung versucht, dem Wunsch Rechnung zu tragen, heißt es auf Anfrage. Daher läuft die Ausschreibung für ein "kleines Kommunikationszentrum" mit gemischter Nutzung aus Wohnen und Versorgung auf rund 4500 Quadratmetern Fläche. Noch bis Anfang Oktober können Investoren und Architekten Ideen einreichen, das weitere Auswahlverfahren wird dann bis schätzungsweise Januar 2018 dauern.

Keine Chance für Dorfladen

Derzeit läuft die Bewerbungsphase für die letzte Vergaberunde der freien Baugrundstücke. Von den 53 erschlossenen Bauplätzen im Gebiet Bergstadt III stehen noch zehn zur Verfügung. Die Bergstadt ist damit auf dem besten Weg, die 2000-Einwohner-Marke zu knacken. Derzeit sind es 1932 Einwohner (Stand 30. Juni). Für einen Dorf- oder Bürgerladen, wie es ihn in anderen Gemeinden immer öfter gibt, sieht die Stadtverwaltung keine große Chance. 

"Leerstehende oder freiwerdende Räumlichkeiten innerhalb von Ortskernen oder gewachsenen Strukturen bieten oftmals die Voraussetzung, damit sich Bürgerläden einmieten können. Das Fehlen einer solchen Räumlichkeit in der Bergstadt ist sicherlich ausschlaggebend und macht die Etablierung eines Ladens besonders schwierig", teilt die Stadtverwaltung mit.

Das sagen die Bewohner des Aarbergs

„Ich wohne jetzt seit 28 Jahren auf dem Aarberg. Hier ist es ruhig, vor allem in der Nacht und man ist ganz schnell im Wald. Für kleine Kinder gibt es Kindergarten und auch die großen können sich treffen. Für einen Supermarkt sind wir wohl zu wenig Leute, aber da haben wir uns dran gewöhnt. Auf jeden Fall wüsche ich mir aber ein kleines Café, als Treffpunkt.“ Gudrun Herzog-Albicker, 61, Dolmetscherin
„Ich wohne jetzt seit 28 Jahren auf dem Aarberg. Hier ist es ruhig, vor allem in der Nacht und man ist ganz schnell im Wald. Für kleine Kinder gibt es Kindergarten und auch die großen können sich treffen. Für einen Supermarkt sind wir wohl zu wenig Leute, aber da haben wir uns dran gewöhnt. Auf jeden Fall wüsche ich mir aber ein kleines Café, als Treffpunkt.“ Gudrun Herzog-Albicker, 61, Dolmetscherin | Bild: Jonathan Boese
„Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, dann sage ich gerne vom Aarberg. Hier war ich im Kindergarten, habe meine Freunde und hier ging ich auf den Bolzplatz. Die Gemeinschaft auf dem Aarberg ist eben meine Heimat. Um diese nachbarschaftliche Gemeinschaft zu stärken, wäre eine Begegnungsmöglichkeit sehr schön. Ideal wäre dafür ein kleines Kaffee.“ Philipp Kunz, 18, Schüler
„Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, dann sage ich gerne vom Aarberg. Hier war ich im Kindergarten, habe meine Freunde und hier ging ich auf den Bolzplatz. Die Gemeinschaft auf dem Aarberg ist eben meine Heimat. Um diese nachbarschaftliche Gemeinschaft zu stärken, wäre eine Begegnungsmöglichkeit sehr schön. Ideal wäre dafür ein kleines Kaffee.“ Philipp Kunz, 18, Schüler | Bild: Jonathan Boese
„Ich bin gut und gerne auf dem Aarberg aufgewachsen. Was ich mir aber wünschen würde, wäre eine bessere Busverbindung. Man muss schon sehr oft in die Stadt laufen, selber fahren oder Fahrgemeinschaften bilden. Sehr praktisch fände ich auch einen kleinen 'Tante Emma'-Laden, wo man schnell mal Eier, Milch und andere Kleinigkeiten kaufen könnte.“ Vanessa Schmidt, 19, Studentin
„Ich bin gut und gerne auf dem Aarberg aufgewachsen. Was ich mir aber wünschen würde, wäre eine bessere Busverbindung. Man muss schon sehr oft in die Stadt laufen, selber fahren oder Fahrgemeinschaften bilden. Sehr praktisch fände ich auch einen kleinen 'Tante Emma'-Laden, wo man schnell mal Eier, Milch und andere Kleinigkeiten kaufen könnte.“ Vanessa Schmidt, 19, Studentin | Bild: Jonathan Boese

 

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