An der Waldshuter Chilbi wird nicht nur gefeiert, manchmal kommt es auch zu Konflikten. Ein Vorfall mit vorsätzlicher Körperverletzung durch einen Chilbi-Beschicker sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass ein Gastronom mit erheblichen Verletzungen im Krankenhaus landete, seinen Geruchssinn verlor und nun seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Wie es dazu kam, klärte nun das Amtsgericht Waldshut.

Die Aussagen gingen stark auseinander: Der Angeklagte behauptete, er habe nur eine Ohrfeige gegeben, die Verletzungen deuten jedoch auf eine brutalere Tat hin. Für Aufklärung sorgte schließlich das Gutachten des Amtsarztes. Der Beschicker wurde schlussendlich wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Zeugen, die von der Verteidigung bestellt wurden, sprachen von einem Schlag mit der flachen Hand. Eine Mitarbeiterin des Täters etwa sagte, dass der Verletzte daraufhin in die Knie ging, mehr habe sie nicht gesehen. Ein unabhängiger Zeuge jedoch habe einen zweiten Schlag gesehen als sich der Geschädigte gerade wieder aufrichten wollte. Daraufhin sei er mit dem Kopf auf den Boden gefallen.

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Amtsarzt Dr. Markus Große Perdekamp brachte mit seinem Gutachten Licht ins Dunkel. Der Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin an der Uniklinik Freiburg erläuterte die immensen gesundheitlichen Folgen für den Verletzten, die vom Spital Waldshut bestätigt wurden. Die Liste ist lang: Ein Schädelhirntrauma, ein Hämathom, Unterblutungen an den Hirnhäuten, Frakturen an Ohr und Nase und eine Risswunde an der Nase. Durch den Abriss der Riechnerven hat der Gastronom für immer seinen Geruchssinn verloren.

Einige der Verletzungen seien typisch für einen ungebremsten Fall des Kopfes auf den Boden. Das spreche für den zweiten Faustschlag. Es müsse aber auch eine weitere Gewalteinwirkung auf das Gesicht gegeben haben. Doch eine klassische Ohrfeige führe nicht zu einer Nasenbeinfraktur, die Krafteinwirkung sei dabei nicht so stark. Der Geschädigte sei nach dem Sturz bewusstlos geworden, verlor damit seine Schutzreflexe. Das viele Blut hätte zum Ersticken führen können. Der Chilbi-Besucher hatte 1,6 Promille im Blut.

Die Staatsanwältin ging in ihrem Plädoyer ebenfalls von zwei Faustschlägen aus, auch wegen der objektiven Aussage des unabhängigen Zeugen. Die Aussagen der Familie des Angeklagten, die nur eine Ohfreige gesehen hätten, könne man ausschließen. Sie sehe in der Tat keine Rechtfertigung. Außerdem sei der Angeklagte bereits zwei Mal wegen Körperverletzung vorbestraft. Die Folgen der Tat seien gravierend: Der Gastronom könne nun aufgrund des Verlustes des Geruchssinns seinen Beruf nicht mehr ausüben.

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Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Diese soll auf Bewährung ausgesetzt werden, da die letzte Verurteilung schon einige Jahre her ist. Hinzu soll eine Geldauflage kommen. Die Anwältin des Geschädigten begrüßte diesen Antrag, wünschte die Auslagen des Geschädigten zu decken.

Der Verteidiger Ulrich Kramm mahnte an, dass nicht klar sei, ob es tatsächlich zwei Schläge waren. Auch habe er erhebliche Zweifel, ob der unabhängige Zeuge die Tat tatsächlich gesehen habe. Der Gast habe den Chilbi-Beschicker stark provoziert, so sei der Schlag nur ein Reflex gewesen mit leider schweren Folgen. Deshalb plädierte er dafür, den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung mit einer Geldstrafe zu verurteilen. Mit einer Freiheitsstrafe wäre die Existenz des Angeklagten bedroht als selbstständiger Schausteller im Familienbetrieb.

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Der Angeklagte selbst entschuldigte sich, wandte sich dann an sein Opfer und gab ihm den Rat, die Finger vom Alkohol zu lassen.

Das Urteil der Richterin Maria Koj richtete sich nach dem Antrag der Staatsanwältin: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Die Bewährungzeit beträgt zwei Jahre, der Angeklagte muss 5000 Euro in Raten an den Geschädigten zahlen. Weitere Schadensersatzansprüche stehen noch aus.

"Sie haben Glück gehabt, das hätte auch anders ausgehen können, dann wäre der Geschädigte nicht mehr hier", sagte die Richterin. "Wenn Sie solche Reflexe gegen Menschen haben, die zu solchen Folgen führen, sollten Sie überlegen, ob das das richtige Geschäft für Sie ist", fügte sie hinzu. Die Situation könne man mit einer schweren Körperverletzung vergleichen, auch wenn es rechtlich keine sei.