Waldshut-Tiengen/Aichen Beim Frühjahrskonzert des Musikvereins Aichen klingt etwas Wehmut mit

Der MV Aichen spielt ein abwechslungsreiches Programm bei seinem Frühjahrskonzert. Es war der letzte große Auftritt mit Dirigent Hansjörg Bollinger.

Unter dem Motto "Musik vereint" präsentierte der Musikverein Aichen in seinem 65. Jahr das Frühjahrskonzert, das im Zeichen des Abschieds von Dirigent Hansjörg Bollinger stand. Wie seit Längerem angekündigt, war es der letzte große Auftritt des Dirigenten, der nach zehn Jahren den Taktstock in Aichen niederlegt. Das rund 45-köpfige Orchester zog zu den Klängen von Nicole Eilers am E-Piano in die voll besetzte Halle ein und eröffnete mit "Only Time" das Konzert feierlich und klangvoll. Sängerin Melanie Bächle setzte mit ihrer voluminösen und kraftvollen Stimme einen ersten Glanzpunkt.

Vorsitzender Norbert Strittmatter begrüßte unter den gut 200 Besuchern als Ehrengäste OB-Stellvertreterin Rita Mosel, Pater Christoph Eichkorn und Ortsvorsteher Christian Meier. Er erläuterte das Motto, wonach die Musik Jung und Alt, Mann und Frau sowie Deutschland und die Schweiz zusammenbringe. Unterhaltsam führten einmal mehr Christina Boll und Johannes Kromer in witzigen Zwiegesprächen durch das Programm. Mit "Vita Pro Musica" präsentierte das Orchester ein äußerst anspruchsvolles Stück, gefolgt von "It's A Beautiful Day", schwungvoll und präzise im Rhythmus interpretiert. In "Ma Dream" gab Hubert Fritz ein eindrucksvolles Flügelhornsolo zum Besten, während in "Jump For Joy" das Klarinettenregister wiederholt kraftvoll und dynamisch dominierte.

Nach der Ehrung von Josef Genswein (wir berichten noch), ging es mit der rauchigen Stimme von Sänger Philipp Jacoby im Stück "Hinterm Horizont" von Udo Lindenberg authentisch in die Pause. Lateinamerikanisch, bereichert durch vier anmutige orchestereigene Tänzerinnen, begann mit "La Camisa Negra" schwungvoll die zweite Konzerthälfte. Klassische Blasmusik, prägnant und präzise im Rhythmus, erlebten die begeisterten Besucher mit dem Marsch "Denk an mich", gefolgt von "Heaven" von der Rockgruppe Gotthard, souverän dirigiert von Vizedirigentin Anja Müller. Begeistert klatschte das Publikum bei "We Will Rock You" mit und Melanie Bächle überzeugte erneut in "Gabriellas Song" mit ihrem Gesangsauftritt. Schwungvoll und dynamisch erklang das Medley "Spirit of '69" bevor nach herzlichen Dankesworten von Norbert Strittmatter das Programm mit "Merci – Grazie..." feierlich und harmonisch zu Ende ging. Erst nach mehreren Zugaben und einer Abschiedsrede des Dirigenten, der beim Behirksmusikfest Anfang Juni offiziell verabschiedet wird, ebbte der wiederholt heftige Applaus langsam ab.

Zu Verein und Person

  • Der Musikverein Aichenwurde 1953 dank der Initiative von Hauptlehrer Otto Berchtold mit zunächst 14 Mitgliedern gegründet. Der Verein umfasst heute 49ªaktive Musiker. Norbert Strittmatter ist seit knapp vier Jahren Vorsitzender des Vereins. Für Auskünfte steht er per E-Mail (info@mv-aichen.de) zur Verfügung. Weitere Informationen im Internet (www.mv-aichen.de).
  • Hansjörg Bollinger erlernte bereits als 15-Jähriger beim Musikverein Schleitheim das Klarinettenspiel. Danach folgte die Ausbildung beim Leiter der Knabenmusik Schaffhausen, Marcel Etienne. Es folgen Dirigierunterricht und Harmonielehre an der Musikschule Schaffhausen sowie eine zweijährige Fortbildung an der Musikakademie Basel. Er war Spielführer im Schweizer Militär, 27 Jahre Leiter der Knabenmusik Schaffhausen, 19 Jahre Leiter des Musikvereins Schleitheim und gleichzeitig von 1984 bis 1991 Leiter der Stadtmusik Schaffhausen, mit der er viele größere Erfolge verzeichnete. 1994 Begründer der Swiss Harmony Band Schaffhausen, aus der im Jahr 2000 das Schaffhauser Blasorchester mit den bekannten Neujahrskonzerten hervorging. 1975 bis 2007 war er Mitglied und Präsident beim Schaffhauser Blasmusikverband, 2002 bis 2016 Dirigent des Musikvereins Rheinheim, seit 2007 Leiter des Musikvereins Aichen und seit 2013 Dirigent beim Musikverein Birndorf.

Hansjörg Bollinger sagt im Interview: "Ich hatte viele wertvolle Begegnungen"

Hansjörg Bollinger dirigierte seit 2007 den Musikverein Aichen und gibt das Amt nun ab. Es ist 75 Jahre alt, von Beruf Techniker und wohnt mit seiner Frau Vreni in Schaffhausen.

Herr Bollinger, Sie haben Ihr letztes Konzert mit dem Musikverein Aichen gegeben. Was hat sie bewogen, den Taktstock in andere Hände zu legen?

Da kommen verschiedene Faktoren zusammen. Zum Einen bin ich dieses Jahr 75 Jahre alt geworden, also das Alter spielt eine Rolle, und ich hatte in jüngster Zeit auch gesundheitliche Probleme, die noch nicht behoben sind. Auch der Wunsch nach etwas mehr Freizeit war mit ein Grund für meinen Entschluss.

Wie lange haben Sie den Musikverein geleitet und wie sieht Ihre Bilanz aus?

Ich war in Aichen jetzt gut zehn Jahre Dirigent. Eigentlich sollte ich nur einmal ein halbes Jahr aushelfen, als der Musikverein in Nöten war, daraus sind nun zehn Jahre geworden. Zur Bilanz muss ich sagen, dass ich im Zusammenhang mit diesem Engagement viele wertvolle Begegnungen hatte, dass wir uns großer Wertschätzung in der Bevölkerung erfreuen und dass das Niveau des Orchesters deutlich gesteigert werden konnte.

Neben Ihrem musikalischen Engagement in Schaffhausen sind Sie Dirigent des Musikvereins Birndorf und leiteten bis vor Kurzem den Musikverein Rheinheim. Wie kam es zum Dreifach-Einsatz in der deutschen Nachbarschaft?

Es war reine Mundpropaganda, als mich im Jahre 2001 der damalige Vorsitzende des Musikvereins Rheinheim Rolf Wohllaib kontaktierte. Gleichzeitig bedeutete für mich die Leitung von Musikvereinen im ländlichen Bereich ein wohltuender Ausgleich zum eher stressigen Engagement im Stadtorchester Schaffhausen.

Was machen Sie mit der neu gewonnen Freizeit?

Ich kann mich einerseits noch mehr auf den Musikverein Birndorf konzentrieren, mache andererseits aber auch gerne Tagesausflüge mit meiner Frau und widme mich zum Beispiel verstärkt dem Velofahren.

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