Was sind die Zutaten für eine rundum gelungene Stadtführung? Zwielichtige Adlige, treue Dienstmägde, die aus dem Nähkästchen plauderten, heimliche Geliebte, geheimnisvolle Gewölbekeller, dunkle Geheimgänge, alte Gemäuer und romantische Barden. Vom Greiffeneggschlössle bis zum Königsfelder Hof, vom neunten Jahrhundert bis in die heutige Zeit entführten die Stadtführerinnen Susanne Tritschler und Karin Lindemann alias Magd Katharina sowie Bernd Wallaschek als Barde die zahlreichen Interessierten, die sich am Tag des offenen Denkmals vor dem Greiffeneggschlössle in Waldshut eingefunden hatten.

Mit Klatsch, Tratsch und Gesang erfreuten Magd Katharina alias Karin Lindemann und Barde Bernd Wallaschek die zahlreichen Besucher der Stadtführung.
Mit Klatsch, Tratsch und Gesang erfreuten Magd Katharina alias Karin Lindemann und Barde Bernd Wallaschek die zahlreichen Besucher der Stadtführung. | Bild: Susanne Schleinzer Bilal

Viel Anklang fanden nicht nur die Ausführungen von Susanne Tritschler, auch Magd Katharina und ihr Barde überzeugten mit Klatsch, Tratsch und Gesang. „Hofgut und Jagdschloss, heute bekannt als Königsfelder Hof und Greifeneggschlössle, hüten das Geheimnis der Gründungsgeschichte von Waldshut“, erklärte Susanne Tritschler. Diesen Stadtbezirk könne man mit Fug und Recht als erste Baustufe der Stadt bezeichnen.

Schnell noch etwas frisches Obst zubereiten für die vielen Gäste, denkt sich die Magd alias Karin Lindemann.
Schnell noch etwas frisches Obst zubereiten für die vielen Gäste, denkt sich die Magd alias Karin Lindemann. | Bild: Susanne Schleinzer Bilal

„Das heutige Greiffeneggschlössle hat es damals noch nicht gegeben. Im neunten Jahrhundert hat hier ein Jagdschloss oder eine Pfalzburg gestanden, eine Versorgungsstation für die Gesandten von Herzögen und Königen.“ Inzwischen sei das Schlössle, das viele Besitzer gesehen hat, erneut in Privatbesitz. Namensgeber des Schlössles sei Benedikt Tröndlin von Greiffenegg gewesen, der das Anwesen von Sebastian Freiherr von Zweyer 1763 für 2300 Gulden erworben hatte. 1796 sei Fräulein von Reichmuth, die das Schloss damals erworben hatte, als Witwe mit acht Kindern in das Schloss gezogen.

Namen wechseln mit Besitzern

„Ebenfalls eines der ältesten Häuser in Waldshut ist der Königsfelder Hof“, erklärte Tritschler dann. Auch dieser habe immer wieder Besitzer und Namen gewechselt. „Hieß das damalige Kloster 1378 noch Königsfelder Hof, wurde es 1528 zu Berner Hof. Ab 1684 war es dann im Besitz des Klosters St. Blasien und wurde St. Blasianer Hof genannt.“ 1918 dann sei das Hofgut in Besitz des Großherzogtums Baden und danach in Privatbesitz gekommen. „Schirmherrin und Gründerin des Klosters war Königin Agnes von Ungarn“, berichtete die Stadtführerin.

Geheimnisvolle Entdeckung

Im Schlussstein des Hoftors sei heute noch das Wappen der Königin zu sehen. Zum Königsfelder Hof gehöre auch ein Gewölbekeller, in dem sich früher eine Gerberei beziehungsweise ein Weinkeller befunden hatte. „Vor einem Jahr wurde dort zufällig ein Geheimgang entdeckt. Dieser führt vom Königsfelder Hof bis zur Heinrich-Hansjakob-Schule und wurde wohl im Zweiten Weltkrieg angelegt“, erklärte Tritschler.