„Ein Traum“, sagt Henning Musahl und streicht über die alten Steinsäulen im Foyer des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem Jahr 1907. Der Architekt aus Waldshut leitet zusammen mit seiner Frau Sabine Martin die Umbauarbeiten der Heinrich-Hansjakob-Schule, die neben dem Einbau einer Mensa weitere Maßnahmen wie die Ausstattung mit Schallschutzdecken und die Entfernung von Bausünden beinhaltet. „Diese Hausmeisterbox aus den 1980er Jahren wird zurückgebaut“, sagt Sabine Martin und zeigt auf einen Holzverschlag im Foyer, aus dem früher Weckle und Schoki an die Kinder verkauft wurden.

Für die beiden Architekten sei es reizvoll gewesen, historische Elemente wie die alten Türrahmen und Sandsteinbrunnen in den Fluren zu erhalten und aufarbeiten zu lassen und mit moderner Ausstattung zu kombinieren. Doch zunächst stellte sich der Denkmalschutz quer, erzählt Henning Musahl: „Dass wir tragende Wände herausnehmen wollten, fanden die nicht lustig.“

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Erst als die beiden Architekten mit Anna Greifenberger, stellvertretende Leiterin des Hochbauamts Waldshut-Tiengen, direkt in Freiburg beim Landesamt für Denkmalpflege vorsprachen, wendete sich das Blatt. „Bei der Chefin sind wir offene Türen eingerannt“, berichtet Henning Musahl.

Diese Bausünde, eine Hausmeisterbox aus den 1980er Jahren, wird aus dem Foyer der Heinrich-Hansjakob-Schule entfernt.
Diese Bausünde, eine Hausmeisterbox aus den 1980er Jahren, wird aus dem Foyer der Heinrich-Hansjakob-Schule entfernt. | Bild: Juliane Schlichter

Schließlich konnten die tragenden Wände entfernt werden, und aus dem früheren Sekretariat, Rektorat und der alten Schulküche für den Hauswirtschaftsunterricht entstand ein großer, heller Raum, in dem demnächst 200 Kinder in zwei Schichten verköstigt werden. Oberbürgermeister Philipp Frank erinnert im Gespräch mit dieser Zeitung daran, dass sich vor drei Jahren in einer Elternbefragung 67 Prozent der Familien für die Einrichtung einer Ganztagesschule an der Heinrich-Hansjakob-Schule ausgesprochen hatten.

Nachdem der Gemeinderat grünes Licht gab, wurde mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 das Konzept umgesetzt. „Jetzt befinden wir uns im dritten Schuljahr. Zwei Jahre hatten wir Karenzzeit, um die Mensa zu schaffen“, erzählt Anna Greifenberger.

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In diesen zwei Jahren haben die Mädchen und Jungen im katholischen Gemeindezentrum neben der Kirche zu Mittag gegessen. Da mit jedem Schuljahr die Zahl der Ganztagsschüler gestiegen ist, reichte der Platz dort nicht mehr aus. Bis die neue Mensa im Schulgebäude fertig ist, nehmen die Schüler seit Anfang dieser Woche ihr Mittagessen im Nebengebäude der Schule ein, im so genannten Schultheiß‘schen Haus.

Bisher kommt das Mittagessen aus Tiengen

Die Gerichte werden bisher warm aus der Mensa des Klettgau-Gymnasiums Tiengen nach Waldshut geliefert. Ab dem kommenden Jahr soll das Mittagessen schockgefroren in der neuen Mensa ankommen und vom eigenen Küchenpersonal in so genannten Konvektomaten, eine Art Dampfgarer, erwärmt werden. Die entsprechenden Geräte stehen schon im neuen Speisesaal bereit. Dieser wird außerdem noch mit einem Wasserspender und Einbauschränken ausgestattet.

In diesen so genannten Konvektomaten wird das Essen für die Kinder aufgewärmt.
In diesen so genannten Konvektomaten wird das Essen für die Kinder aufgewärmt. | Bild: Juliane Schlichter

Dass die Mensa zum Start des neuen Schuljahres noch nicht in Betrieb gegangen ist, liegt laut Auskunft von Anna Greifenberger am Wechsel des Küchensystems von warm auf kalt. Einen genauen Termin für die Inbetriebnahme könne sie derzeit nicht nennen.

Großes Lob gab es von den Architekten und der Stadtverwaltung für die Handwerker, die in den vergangenen Monaten seit den Pfingstferien mit den Umbauten beschäftigt waren. „In Spitzenzeiten waren hier 40 Arbeiter auf der Baustelle“, berichtet Henning Musahl. Teilweise hätten diese auf ihren Urlaub verzichtet, damit die Arbeiten schnell vorankommen. Insgesamt kostet der Umbau der Heinrich-Hansjakob-Schule 1,4 Millionen Euro, wovon 400.000 Euro auf die Mensa entfallen. An Fördergeldern gibt es 421.000 Euro.

Mensa ist auch für Veranstaltungen nutzbar

Da die Mensa nur mittags zum Einsatz kommt, könne der große Raum außer für Elternabende beispielsweise auch für Vorträge oder Veranstaltungen der Volkshochschule genutzt werden. „Die Stadt legt großen Wert auf multifunktionale Nutzung“, sagt Henning Musahl, und Sabine Martin ergänzt: „Damit keine Küchensituation herrscht, kann bei Abendvorträgen die Essensausgabe zugeklappt werden.“ Der Oberbürgermeister sagt abschließend: „Ganz wichtig ist uns die Botschaft, dass in der Stadt gerade viel passiert, was die Infrastruktur betrifft.“

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