Man darf davon ausgehen, dass im Jahr 2019 deutschlandweit besonders des Mauerfalls von 1989 gedacht wird und im Folgejahr der 30. Jahrestag der Deutschen Einheit im Mittelpunkt geschichtlicher Dokumentationen steht. Eine öffentliche Ausstellung, die jetzt im Hochrhein-Gymnasium Waldshut eröffnet wurde, befasst sich mit der Zeit unmittelbar vor dem Mauerfall, mit dem Leben in der DDR der 1980er Jahre – unter dem provozierenden Titel „Voll der Osten“.

Kleine Szenen des Alltags

Der in Ost-Berlin lebende Fotograf Harald Hauswald zog durch die frühere DDR-Hauptstadt und fotografierte, was ihm vor die Linse kam. Er knipste, was andere Fotografen übersahen oder für uninteressant hielten: Kleine Szenen des Alltags, einsame und alte Menschen, verliebte junge Pärchen, Rocker, Hooligans und junge Leute, die sich in der Kirche für Frieden und Umweltschutz einsetzten.

Bilderreise in die Zeit der Teilung

Die Ostkreuz Agentur der Fotografen und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gestalteten mit diesem Material eine Bilderreise in die Zeit der Teilung. Zu sehen ist eine ungeschminkte DDR-Realität, an die sich heute selbst Zeitzeugen kaum mehr erinnern. Die Ausstellung präsentiert auf 20 Tafeln über 100 bekannte und unbekannte Fotos von Harald Hauswald. Die begleitenden Texte der Ausstellung hat der Historiker und Buchautor Stefan Wolle verfasst, der wie der Fotograf in der DDR aufgewachsen ist.

Fotoschau kündet indirekt vom Wert heutiger Freiheit

Zur Eröffnung der Präsentation im Hochrhein-Gymnasium bezog sich Schulleiterin Mechthild Rövekamp-Zurhove in ihrer Ansprache auf die Bild-Text-Tafel „Widerspruch“: Was tun, wenn in der Diktaturwelt der DDR ein Schulaufsatz zum Thema „Sobald der Widerspruch aufhört, hört auch das Leben auf“ geschrieben werden soll? Echte Widersprüche wollten in dieser geschlossenen Gesellschaft nicht mehr gehört werden, gab Mechthild Rövekamp-Zurhove zu bedenken. So kündet die Fotoschau indirekt auch vom Wert heutiger Freiheit.

Anstöße für die Schüler

Abteilungsleiter Detlev Kilian wandte sich an die versammelten Schülerinnen und Schüler der Abitur-Geschichtskurse mit dem Impuls, die Fotos und Texte der Ausstellung auch auf gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen zu beziehen. Schließlich zeigten die Bilder einen Staat kurz vor drastischen Umbrüchen. Weltpolitische Verschiebungen und Konflikte, aber auch die Folgen der voranschreitenden Digitalisierung in allen Bereichen des heutigen Lebens können ebenso zur Veränderung bestehender Ordnungen führen, so Detlev Kilian.

Die Ausstellung: „Voll der Osten – Leben in der DDR“ kann im Juni, Juli und September an Unterrichtstagen jeweils von 8 bis 17 Uhr im Erdgeschoss-Flur des Hochrhein-Gymnasiums in Waldshut besichtigt werden.