Die Waldshuter feiern in diesem Jahr, am dritten Sonntag im August, ihre 550. Chilbi. Um die Entwicklung des traditionellen Heimatfestes zu veranschaulichen, wurde im städtischen Museum Alte Metzig eine Sonderausstellung eingerichtet: „Die Geschichte der Waldshuter Chilbi 1468 – 2018“. Federführend war Stadtarchivar Ingo Donnhauser. An seiner Seite wirkten mit Dominik Rimmele, Christian Ruch, Andreas Weiß, Pascal Schneller, Willy Riegger und Günter Fröhlich.

Bei der Eröffnung am gestrigen Sonntag sagte Oberbürgermeister Philipp Frank: „Die Ausstellung gibt den einzigartigen Stellenwert wider, den die Waldshuter Chilbi seit jeher für die Stadt hatte.“ Das Heimatfest sei aus dem Kalender der Stadt nicht mehr wegzudenken, ein Jahr ohne Chilbi sei für Waldshut nicht vorstellbar, und das schon seit über einem halben Jahrtausend. „Die Chilbi hat nichts von ihrer Faszination verloren, sie ist noch immer extrem jung, fidel und lebendig, auch nach 550 Jahren“, so der OB. Dabei habe jede Generation der Chilbi ihren persönlichen Stempel aufgedrückt, immer etwas Neues hinzugefügt und das Fest am Blühen gehalten. Das sei gut so, „denn nichts ist schlimmer als der Stillstand.“ Stadtarchivar Ingo Donnhauser dankte den Mitwirkenden, die mit spannenden Beiträgen sicherlich für jeden Geschmack etwas Passendes gefunden hätten, angefangen von der Belagerung der Stadt bis hin zu weltlichen und kirchlichen Ereignissen. Dazu habe man in verschiedenen Archiven recherchiert, unter anderem in Karlsruhe, Freiburg/Schweiz und natürlich im Stadtarchiv. Dabei, so Donnhauser, sei Einiges entdeckt worden, das offenbar bisher nicht bekannt oder in Vergessenheit geraten war.

Die Ergebnisse der Recherchen wurden in einem Buch mit 160 Seiten zusammengefasst. In einem Vorwort stellt OB Frank fest: „Der glückliche Ausgang der Belagerung von 1468 ist eines der markantesten Daten unserer Stadtgeschichte."

Öffnungszeiten im Museum Alte Metzig: freitags 15 bis 19 Uhr, sonntags 11.30 bis 16 Uhr, zusätzlich am Samstag, 18. August, und am Montag, 20. August, von 11.30 bis 16 Uhr. Das Buch zur Ausstellung: 20 Euro, erhältlich in der Ausstellung, im Stadtarchiv, in der Tourist-Info-Waldshut und im Bürgerservice Tiengen.

"Ein Spiegel der jeweiligen Zeit"

Ingo Donnhauser ist hauptberuflicher Achivar der Stadt Waldshut-Tiengen und war federführend bei der Erarbeitung der neuen Ausstellung zum Heimatfest Chilbi.

Herr Donnhauser, was beabsichtigen Sie mit Ihrer Ausstellung?

Bisher hat man zu den Chilbi-Jubiläen meistens nur die Belagerung von 1468, also den Auslöser der Feiern, in den Mittelpunkt gerückt; diesmal wollen wir auch die Entwicklungsgeschichte des Festes aufzeigen. Über all die Jahrhunderte hinweg hat sich die Chilbi immer wieder verändert. Sie läuft nicht seit 550 Jahren immer gleich ab. Hier wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Festkultur immer auch im Wandel und ein Spiegel der jeweiligen Zeit ist.

Welches ist das älteste Dokument der Ausstellung?

Das älteste Dokument stammt passenderweise von 1468: eine Urkunde aus dem Stadtarchiv. Kaiser Friedrich III. erneuert darin der Stadt Waldshut ihre Privilegien in Anerkennung ihrer treuen Verdienste während der eidgenössischen Belagerung. Interessant sind für mich aber alle Ausstellungsstücke. Es war schon eine „Qual der Wahl“, was man hineinnimmt, auch textlich. Daher ist das Buch zur Ausstellung auch so dick geworden: Darin sind viele Informationen, die nicht mehr in die Ausstellung gepasst haben.

Hat, aus Ihrer Sicht, die Chilbi ihre Attraktivität für die Menschen behalten?

Die Ausstellung zeigt, dass die Attraktivität der Chilbi, wenn man auf die Besucherentwicklung schaut, in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. Es gab immer Aufs und Abs. Als Heimatfest liegt die Chilbi aktuell im Trend, da viele sich, wie ich auch im Archiv merke, verstärkt für kulturelle Traditionen interessieren.

Wie gut sind die Räumlichkeiten in der Alten Metzig für diese Ausstellung geeignet?

Für dieses Thema ist das Museum durch seine Lage und das historische Ambiente ideal. Man ist hier direkt Teil des Chilbigeschehens.

Fragen: Manfred Dinort

Mit Feuerkugeln gegen die Stadtmauern

  • Die Chilbi (alemannisch für Kirchweih): Seit 550 Jahren feiert Waldshut seine Chilbi, die als eines der ältesten Feste in die Geschichte der Region eingegangen ist. Noch vor 100 Jahren war der äußere Rahmen des Festes einfach und bescheiden. Es gab einen kleinen Umzug, und nur die Vereine der Stadt nahmen daran teil und Schweizer Schützen mit ihren Stutzen. Es gab noch kein Festzelt, man feierte auf der Wiese beim Schützenhaus, das damals jenseits des Bahnhofs lag, unter schattigen Kastanienbäumen. Einen Heimatabend mit Trachtenträgern und heimatlichem Brauchtum, Alphornbläsern, Jodlern und Fahnenschwingern gab es auch nicht. Es gab auch noch kein Festzelt, in dem Tanzabende stattfanden und in dem die Stadtmusik und die Florianer ihre Wunschkonzerte veranstalteten. Seit fast 100 Jahren gibt es aber bereits den Rummelplatz.
  • Hintergrund des Fests sind die Ereignisse ab dem 22. Juli 1468. Damals, vor 550 Jahren, umzingelten die Eidgenossen die Stadt, Tag und Nacht, fünf Wochen und einen Tag lang, mit Bannern und Büchsen, mit Mörsern und Böllern, mit Feuerpfeilen und Feuerkugeln. Niemand durfte hinein oder hinaus. Nur mühsam und notdürftig konnten die Breschen in der Stadtmauer von den Verteidigern ausgebessert werden. Die Zahl der Belagerer wurde immer größer, zuletzt sollen es 16 000 Mann gewesen sein. Als die Stadt längst sturmreif war, geschah das Wunder, das bis heute noch nicht restlos geklärt werden konnte: Die Eroberung blieb aus, die Eidgenossen fanden sich mit einer Entschädigung ab. Die Belagerung wurde aufgehoben, in Dogern wurde der Friede unterzeichnet. Mit dem feierlichen Gelöbnis, begangen zur sogenannten Stadtjahrzeit in der katholischen Kirche, wird seither jedes Jahr an das glückliche Ende erinnert.

Quelle: Buch „500 Jahre Waldshuter Chilbi“ von Joseph Ruch