Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat gegen die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Vorermittlungen wegen Vorwürfen der Vorteilsgewährung und Vorteilsnahme eingeleitet. Anlass ist eine anonyme Anzeige. Sie bezieht sich auf die mehrtägigen Informationsreisen in verschiedene Länder, die durch die Genossenschaft seit den Achtzigerjahren für Vertreter von Politik, Wirtschaft, Behörden und Medien organisiert wurden.

Die Nagra selbst informierte über den Vorgang und teilte mit, wegen der Vorermittlungen seien die für 2018 geplanten weiteren Exkursionen vorläufig abgesagt worden. Sie sei der Überzeugung, "korrekt gehandelt zu haben" so die Nagra. Nach ihrer Auskunft führten die zwei bis drei Tage dauernden Reisen nach Deutschland, Schweden, Frankreich und Finnland. Die Kosten, die von der Nagra getragen wurden, gab die Genossenschaft mit rund 1500 Franken pro Person an. Die Nagra in einer Medienmitteilung über die Reisen: "Den Teil­nehmenden aus dem gesamten politischen Spektrum wird Gelegenheit gegeben, sich vor Ort über die Ent­sorgungskonzepte anderer Staaten zu informieren. Solche konkretisierten Projekte lassen sich in der Schweiz noch nicht besichtigen."

Aufgabe der Nagra ist es unter anderem, in der Schweiz Standorte für die Einrichtung eines atomaren Endlagers zu finden. Nach aktuellem Stand sind ausschließlich Regionen in Grenznähe zum Kreis Waldshut in der engeren Wahl.