Die Gründe für die lange Betriebspause im derzeit ruhenden Atomkraftwerk Leibstadt sind zwar erkannt, aber noch nicht analysiert. Vor dem Waldshuter Kreistag stellten sich Kraftwerksdirektor Andreas Pfeiffer und der Chef der Schweizer Atomaufsicht, Hans Wanner, den kritischen Fragen der Kreisräte. Ihr Versprechen: Volle Leistung fährt das Atomkraftwerk erst wieder, wenn die Ursachen der Probleme analysiert sind.

Laut KKL-Direktor Pfeiffer läuft der 1984 gestartete Reaktor im Druckge-bäude mit 648 Brennelementen mit insgesamt 62 000 Brennstäben. Davon wurden im vergangenen Jahr 32, an denen Rostansätze festgestellt wurden, durch „Dummies“ (Leerrohre) ersetzt. Oxidiert, aber laut Pfeiffer keinesfalls defekt waren die Brennstäbe an den Ecken der Brennelemente, ganz oben. Die Verfärbungen sind dort, wo die Brennelemente nicht ständig von einem Wasserfilm geschützt sind.

Das Phänomen des „Dryout“, des Austrocknens, sei in der Branche weltweit bekannt. Anfang Februar 2017 erlaubte die Aufsichtsbehörde ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) das Wiederanfahren der Anlage. Die Aufseher sehen das Ereignis auf Stufe eins (von acht möglichen) der internationalen Ereignisskala. Die Stromproduktion läuft seither mit 86 Prozent der möglichen Leistung.

2017 fanden die Leibstädter an keinem Brennelement mehr erhöhte Oxidschichtstärken. Eine Rückkehr zur vollen Leistung sei allerdings nur nach einer „vertieften Analyse“ der Ursache denkbar, an der mehrere Hochschulen arbeiten, versicherte ENSI-Chef Hans Wanner dem Kreisparlament.

Inzwischen ist ein zweites Problem aufgetaucht, ein Fertigungsfehler bei einzelnen Hüllrohren eines Herstellers. Beim Austausch wurde eine neue Kernauslegung, eine neue Organisation der Brennelemente im Reaktor, notwendig. Das habe Wochen Zeit gekostet, so Kraftwerksdirektor Andreas Pfeiffer, „wir warten auf die Freigabe“. Kreisräte sprachen im Dialog mit den Atommanagern allgemeine Themen rund um das AKW Leibstadt an. Iris Wallaschek (Grüne) forderte den Atomausstieg der Schweiz. Über die Jahrzehnte betrachtet, scheine ihr Leibstadt wie ein „Versuchsreaktor, der mal hoch und runter gefahren wird“.

Alexander Guhl (SPD) kritisierte im Kreistag das Wiederanfahren der Anlage nach den Oxidationsschäden, obwohl man bei der Ursachenforschung noch nicht hundertprozentig sicher gewesen sei. Auf die besorgte Frage von Erhard Graunke (FDP) nach erhöhten Aluminiumwerten im Kalk, der von Landwirten auf Feldern im Kreis Waldshut ausgebracht wird, erklärte Andreas Pfeiffer in der Sitzung, der Kalk stamme aus dem Kühlturmwasser und überschreite keine Grenzwerte.