Dass das schweizerische Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) auf deutscher Seite nicht nur Freunde hat, kommt beispielsweise in der Existenz des Waldshuter Vereins „Zukunft ohne Atom“ zum Ausdruck. Das Misstrauen in die Anlage, die 1984 in Betrieb ging und in den vergangenen Jahrzehnten durch diverse Auffälligkeiten von sich reden machte, reicht bis in politische Kreise – in Erinnerung, wenn auch erwartungsgemäß ohne Folgen geblieben, ist beispielsweise noch die Abschaltforderung des grünen baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller, geäußert vor Ort im Landtagswahlkampf 2016.

Unterdessen darf festgehalten werden, dass von diesseits des Rheins nicht nur kritische Äußerungen, sondern auch Worte des Dankes nach Leibstadt gerichtet werden. In einer Medienmitteilung hat die Stadtverwaltung Waldshut-Tiengen dieser Tage die Spenden gewürdigt, die aus dem Schweizer Unternehmen im Wege des sogenannten Nachbarschaftsfonds über den Rhein überwiesen wurden. In den zurückliegenden vier Jahren kamen aus dieser Quelle insgesamt 72 000 Franken (was etwa 0,27 Prozent des KKL-Jahresgewinns 2017 entspricht).

Mit dem seit Jahrzehnten fließenden Atomgeld können kulturelle, sportliche und soziale Zwecke gefördert werden. Dass im Gemeinderat Waldshut-Tiengen auch grüne Stadträte (sowie eventuell atomskeptische Vertreter anderer Fraktionen) sitzen, hat auf die Akzeptanz der Zuwendungen bislang keinen Einfluss gehabt. Theoretisch könnte man auch ausrechnen, ob sich mit den Spenden die Sanierung des Waldshuter Freibads (Kosten mindestens zwei Millionen Euro) finanzieren ließe. Gleich bleibende Jahreszahlungen vorausgesetzt, würde allerdings bei 486 000 Franken (umgerechnet 424 000 Euro) die Quelle versiegen: 2045 soll der Reaktor schließlich für immer abgeschaltet werden.