Nach neuen Erkenntnissen zu den Oxidations-Problemen an Brennelement-Hüllrohren im Reaktor darf das Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt seine Leistung wieder leicht erhöhen. Darüber hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) informiert. Bis zum Start der Jahresrevision im Juni 2019 darf die maximale Leistung um etwa zwei Prozent gesteigert werden. Offen ist laut Aufsichtsbehörde, wann die Anlage wieder mit der vollen Leistung von 1200 Megawatt gefahren werden darf.

Anlass der Leistungsbeschränkungen waren Oxidationsablagerungen, die 2016 im Rahmen der Revision an einzelnen Brennelement-Hüllrohren entdeckt wurden. Um die Ursachen zu klären, musste das Atomkraftwerk sieben Monate lang abgeschaltet bleiben.

Der Vorgang löste in der Region eine erneute Diskussion darüber aus, wie sicher die seit 1984 am Rhein direkt gegenüber von Waldshut betriebene Anlage ist. Das Thema wurde auch im Kreistag behandelt, wo sich Vertreter des Kernkraftwerks und des Ensi kritischen Fragen stellten.

Im Februar 2017 erteilte das Ensi die Genehmigung, den Betrieb wieder aufzunehmen. Verbunden damit war jedoch eine Begrenzung der thermischen Leistung des Reaktors auf maximal 95 Prozent zu Beginn und rund 88 Prozent zu Ende eines Betriebszyklus.

Die Auflage war und bleibt verbunden mit einer Beschränkung des sogenannten Kerndurchsatzes, also der Menge Wasser, die in einem bestimmten Zeitraum durch den Reaktorkern strömt. Laut Ensi haben die Beschränkungen die gewünschte Wirkung gebracht: „Die Probleme an den Hüllrohren sind nicht mehr aufgetreten.“ Anders als bisher angenommen, habe kein sogenannter Dryout vorgelegen, was eine unvollständige Abdeckung von Brennelementen mit Kühlwasser bedeutet hätte. Vielmehr handele es sich um „wesentlich unproblematischere lokale Ablagerungen, welche die Schutzfunktion der Hüllrohre nicht unmittelbar beeinträchtigen“.