Im Team von vielen Arbeitnehmern im Kreis Waldshut haben Computer oder andere mobile Hardware schon längst einen festen Platz. So auch bei Polier Georg Masuch, der für das Waldshu-ter Bauunternehmen Schleith arbeitet. Auf der Großbaustelle B 34 in Bad Säckingen, wo er vor kurzem zwei Trupps durch die Sanierung der Ortsdurchfahrt leitete, gehörte der Laptop zu seinem wichtigsten Arbeitsgerät: Arbeitszeiterfassung, Kommunikation und Geräteverschreibung – all dies steuerte Masuch digitalisiert über das vernetzte Notebook. „Es ist eine große Erleichterung, besonders wenn man zwischen Standorten wechseln muss, hat man alle Informationen immer griffbereit“, sagt Masuch. Die Kommunikation mit Bauleitern oder Architekten wird hierdurch zum Kinderspiel.

Während in einzelnen Branchen Roboter einen Großteil der Arbeit machen, zählt auf der Baustelle aber noch immer der Mensch. „Jede Baustelle ist anders“, sagt Geschäftsführer Claus Schleith. Kommunikation und das Reagieren auf die unterschiedlichsten Gegebenheiten könne dem Menschen weder Maschine noch Software in absehbarer Zeit streitig machen. Dennoch ist der Arbeitsplatz Baustelle längst in der Zukunft angekommen. Denn ihr Management profitiert deutlich von moderner, mobiler Soft- und Hardware. So ist nicht nur auf der Baustelle ein Zugriff auf den betriebseigenen Server möglich, auch Baggerführer profitieren von GPS-unterstützten Visualisierungen. Auf einem Monitor sehen sie, wo sich ihre Maschine im Gelände befindet und wo Erde bewegt werden muss. Ein aufwendiges Abstecken von Aushubbereichen erübrigt sich. Was auf Unternehmensebene schon längst zum gängigen Standard gehört, ist auf der Baustelle Neuland mit erheblichem Potenzial.

Auch im Team des Büromöbelherstellers Sedus Stoll in Dogern ist die Handarbeit noch nicht verzichtbar. Laut Produktionsleiter Daniel Werhahn wurden Überlegungen für die Automatisierung von Montageschritten für die nähere Zukunft verworfen. „Für unsere sehr dynamische Produktion von Produkten in unterschiedlichsten Ausstattungsvarianten kommen nur Menschen infrage“, sagt Daniel Werhahn. Je nach Auftragslage werden bei Sedus Stoll sowohl Großserien als auch Einzelanfertigungen hergestellt. Roboter lohnen sich erst ab großen Stückzahlen.

Der Arbeitsplatz der Mitarbeiter von Sedus hat sich zur Optimierung von Produktionsabläufen zur „Insel“ gewandelt: Das Prinzip des Insel-Systems: Zwei einander gegenüberstehende Regale beinhalten sämtliche Teile, die für den Bau aller Varianten eines Produkts notwendig sein könnten. An ihnen entlang bewegen sich mehrere Monteure in einer Kreisbahn. An ihrem Montagewagen setzen sie auf ihrem Weg entlang des Regals das Produkt gemäß des jeweiligen Auftrags zusammen. Aufleuchtende Indikatoren an jedem Teilebehälter zeigen an, wo der nächste Griff hingehen muss. Auf diese Weise werden Fehler und zeitaufwendige Umbauten vermieden. Hat der Monteur das Ende erreicht, ist der Stuhl komplett und wird per Förderband abtransportiert. Zu diesem Zeitpunkt wartet bereits der nächste Auftrag.

Bei den Monteuren kommt die Arbeit an der Insel gut an: „Die Inselfertigung haben wir Mitarbeiter selbst mitentwickelt. Viele der Details an diesem Arbeitsplatz gehen auf Vorschläge seitens der Mitarbeiter zurück. Jeder ist motiviert, eine Verbesserung einzubringen, die später überall verwendet wird“, sagt Monteur Ernesto Colucci, nachdem er einen fertiggestellten Bürostuhl der Linie „Black Dot“ auf das Transportband gestellt hat. Ein weiterer Vorteil: „Bei der Inselfertigung sind wir zudem nicht alleine am Platz und können uns austauschen, auch wenn einer Probleme hat und man sich gegenseitig helfen kann.“ Zudem seien die Mitarbeiter flexibel, weil jeder mehrere Modelle bauen kann und schnell gewechselt werden kann. Vor allem sind die Mitarbeiter bei der Inselfertigung nicht für einen Produktionsschritt, sondern für das ganze Produkt zuständig: „Wir sind schon stolz darauf, das komplette Produkt zu montieren und dann mit unserem Stempel zu signieren“, sagt Colucci.

In Zukunft möchte man beim Büromöbelhersteller Sedus vermehrt auf kooperative Robotik setzen. Anders als bei vollautomatischen Robotersystemen können kooperative Systeme einen Monteur zum Beispiel durch die korrekte Positionierung von Bauteilen, wie den Mechanik-Gehäusen der Bürostühle, unterstützen, ohne ein Sicherheitsrisiko darzustellen. Entsprechende Sensorik und Software sollen den direkten Umgang von Mensch und Maschine ermöglichen.

Auch die Mitarbeiter sollen noch mehr in die Geschicke des Unternehmens einbezogen werden. Schon heute treffen sich Teams, Teamleiter und Gruppen regelmäßig zur Besprechung von Produktions-Kennzahlen wie auch den Problemen und Anregungen seitens der Mitarbeiter mit übergeordneten Unternehmensebenen. Bei den Mitarbeitern kommt das offensichtlich an: Das Unternehmen wurde jüngst als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet. In einem Ranking des Marktforschungsinstituts Statista und des Wirtschaftsmagazins FocusBusiness stieg Sedus auf Platz 57 von 1000 deutschen Unternehmen ein und belegte den vierten Platz von 71 Herstellern der Kategorie „Fertig- und Gebrauchsgüter“.

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Perspektivensind das A und O

Was können Unternehmen tun, um den Arbeitsplatz für Mitarbeiter über den Lohn hinaus interessant zu machen? Wie können Beschäftigte an einen Betrieb gebunden werden? Experten geben Antworten.

  • Karriere-Chancen: Uwe Schirmer, Professor für Personalmanagement und Mitarbeiterführung an der Dualen Hochschule Lörrach, sieht den Bindungsfaktor an das Unternehmen als von großer Bedeutung an. „Wichtig für die Zufriedenheit der Arbeitnehmer ist, dass sie Perspektiven im Unternehmen haben“, erklärt er. Dazu gehöre die Gehaltsentwicklung, aber auch Karriere-Chancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Möglichkeiten, die Bindung zum Unternehmen zu erhöhen, seien auch Investitionen in das Gesundheitsmanagement, beispielsweise durch die Organisation von Rückentraining. Allgemein entwickle sich die Arbeitswelt zu mehr „flexibler Selbstbestimmung, was Ort und Zeit des Arbeitens betrifft“, so Schirmer. Im Kontrast dazu stünden allerdings Untersuchungen, die aussagen würden, dass sich besonders junge Menschen eine klarere Trennung von Privatem und Beruf wünschen würden. Uwe Schirmer: „Es gibt eben viele verschiedene Theorien. Wie es letztlich sein wird, kann nur in der Retrospektive betrachtet werden.“
  • Ergebnis-Beteiligung: Der Büromöbelspezialist Sedus (Dogern) setze seit langem auf eine Politik, dass, wenn es in der Firma gut läuft, die Mitarbeiter am Ergebnis beteiligt würden, erklärt Personalleiter Martin Rochlitz. „Das ist natürlich immer ein Reiz über das normale Jahresgehalt hinaus.“ In Zukunft werde die Digitalisierung die Arbeitswelt grundlegend verändern, so der Personalleiter. Arbeit und Privates würden sich immer stärker vermischen, was Vor- und Nachteile für die Menschen haben werde. „Was das Bereitstellen von mobilen Endgeräten angeht, fahren wir eine recht großzügige Praxis. Unter bestimmten Bedingungen ist unseren Mitarbeitern auch während der Arbeitszeit die private Internetnutzung nicht verboten“, so Rochlitz. Beim Thema Homeoffice falle ihm auf, dass sich der Trend langsam verändere. Oft würden Angestellte feststellen, dass sie zu Hause zu stark abgelenkt würden und sie deshalb doch lieber zum Arbeiten den Standort wechseln wollen. Ebenso bemerke er, dass Eltern ihre Kinder oftmals lieber in Kitas nahe des Wohnorts bringen, als in eine betriebliche Kindertagesbetreuung. Wichtiger als der Lohn sei sowieso etwas anderes: „Ein ausdrückliches Lob der direkten Führungskraft bleibt unter Umständen besser in Erinnerung als eine rein finanzielle Zuwendung. Das stärkt die Motivation und Bindung zum Unternehmen.“
Jonathan Boese