Waldshut-Tiengen Anklage wegen versuchten Totschlags: 47-Jähriger soll Ehefrau niedergestochen haben

Am Montag hat beim Landgericht Waldshut-Tiengen der Schwurgerichtsprozess gegen einen 47 Jahre alten Angeklagten begonnen. Er soll seine von ihm getrennt lebende Frau am 4. Januar im Amtsgerichtsgebäude in Waldshut mit einem Messer verletzt haben. Die Frau aus Ludwigsburg war im Waldshuter Frauenhaus untergekommen, ihr Mann hatte ihren Wohnort per Handyortung herausbekommen.

Beim Landgericht Waldshut-Tiengen begann gestern der Schwurgerichtsprozess gegen einen 47 Jahre alten Mann, der am 4. Januar seine vom ihm getrennt lebende Ehefrau niedergestochen haben soll. Schauplatz der Tat war das Foyer des Amtsgerichtsgebäudes in der Bismarckstraße. Die Ehefrau erlitt eine Stichverletzung im Lendenbereich, etwa fünf Zentimeter tief, wie der Sachverständige vom Institut der Rechtsmedizin in Freiburg gestern aussagte. Die Verletzung sei nicht lebensgefährlich gewesen, doch hätten ohne größeren Kraftaufwand auch Niere, Milz und Lunge verletzt werden können. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, dass er mit direktem Tötungsvorsatz gehandelt und sich unter anderem des versuchten Totschlags schuldig gemacht habe. Das Opfer, das der Angeklagte am Tattag auf der Straße abpasste, war Ende vergangenen Jahres im Waldshuter Frauenhaus untergekommen. Der Lebensmittelpunkt der Familie befand sich bis dahin in den Räumen Heilbronn und Ludwigsburg.

Bereits seit der Mitte 2015 dauernden Trennung soll der Angeklagte mehrfach gedroht haben, seine Frau umzubringen. Wie er den Aufenthaltsort seiner Frau herausbekommen hat, schilderte der Angeklagte gestern während seiner Befragung durch den Vorsitzenden Richter Hauser: Das neue Handy der Ehefrau habe er ohne ihr Wissen so eingerichtet, dass er Zugang zu den aktuellen Koordinaten und den Kontakten hatte.

In einer ausführlichen Erklärung, verlesen durch seine Verteidigerin Christine Küpfer, nahm der Angeklagte zum Tatvorwurf und seinen persönlichen Verhältnissen Stellung. In der Türkei geboren, kam er als Vorschulkind nach Deutschland und wurde als Sechsjähriger Halbwaise, als sein Vater Suizid beging. Die Mutter kam mit einem neuen Lebensgefährten zusammen. Der Angeklagte besuchte in der Türkei die Grundschule und ein Jahr lang eine Koranschule. "Das Internat war die Hölle." In Deutschland ging er weiter zur Schule, begann ohne Schulabschluss und Ausbildung zu arbeiten. Nach der Hochzeit kam 1991 ein Sohn zur Welt, zwei Töchter folgten. Die Ehe sei ein Auf und Ab gewesen, sagte der 47-Jährige, doch bezeichnete er seine Ehe auch als "gut". Seine Spielsucht, Schulden und eine Privatinsolvenz hätten jedoch das Familienleben belastet. Drei Mal habe das Ehepaar über Trennung gesprochen und 2015 in der letzten Ehekrise schließlich eine Rechtsantwältin konsultiert und sich nach den Modalitäten einer Scheidung erkundigt.

Er sei mit einer Scheidung einverstanden gewesen, 2015 habe das Trennungsjahr begonnen. Nach einem halben Jahr sei seine Frau mit einer Freundin in die Türkei in den Urlaub gefahren und habe dort einen anderen Mann getroffen. Er fühlte sich betrogen, da das Trennungsjahr noch nicht vorbei gewesen sei. Auf Befragen von Richter Hauser zu seinen Moralvorstellungen war der Angeklagte sicher, dass Männern Freiheiten zugestanden würden – er selber hat seit zwei Jahren eine Freundin-, die Frauen verwehrt seien. "Frauen sind Heilige."

Er selber habe 2016 eine Therapie begonnen, hieß es in der Erklärung. Grund seien stärker werdende Depressionen, Alkoholkonsum und Streitigkeiten gewesen, auch die Ehekonflikte. Auf eigenen Wunsch entlassen, suchte er Kontakt zu seiner Frau. Sie war in ein Frauenhaus am Wohnort Ludwigsburg und dann in Waldshut gezogen. Über die Gründe befragt, mutmaßte der Angeklagte, dass seine Frau wohl ein neues Leben beginnen und alle Kontakte abbrechen wollte. Er habe jedoch auf Versöhnung gehofft. Als er sie in Waldshut aufspürte, habe er sie im Dezember und am 4. Januar zur Rede gestellt, warum sie sich trotz seiner Bemühungen in der Therapie von ihm abgewendet habe. Im Januar habe es nach seiner Erinnerung ein gutes Gespräch in einem Café gegeben, doch habe sich seine Frau ihm entzogen und sei letztlich ins Amtsgericht geflüchtet. Das habe er nicht verstanden. "Ich habe sie geschlagen und als sie ausgewichen ist, ist es zu dem Messerstich gekommen." Das Messer habe er deshalb in der Tasche gehabt, weil er im Auto übernachtet und gegessen habe. Er sei zu sich gekommen, als er merkte, dass seine Frau getroffen war. "Ich war danach völlig von der Rolle." Die Polizei nahm ihn in seinem Auto auf dem Chilbiplatz fest.

Weitere Verhandlungstage sind für 23., 26., 28. und 30. Juni angesetzt.

Definitionen

  • Totschlag: Wer einen Menschen tötet. ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.
  • Versuch: Eine Straftat versucht, wer nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt.Strafbarkeit des Versuchs: Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar. Der Versuch kann milder bestraft werden als die vollendete Tat.

 

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