Frau Koch, Detzeln wird im Jahr 844 zum ersten Mal im Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich erwähnt. Sie haben mit einer Freundin zusammen viel recherchiert über den Ort. Was war für Sie das Erstaunlichste, was sie hierbei herausgefunden haben?

Es gab viele Geschichten, die mich in Erstaunen versetzt haben, und ich hoffe darauf, dass die eine oder andere Geschichte auch die Gäste beim Festakt in Erstaunen versetzen wird.

Auf was für interessante Geschichten dürfen sich die Gäste an diesem Abend freuen?

Nach den Grußworten von OB Dr. Philipp Frank und mir wird es eine kleine Exkursion in die Geschichte und Geschichten von Detzeln geben. Wir haben alte Presseberichte vom Karlsruher Tagblatt und vom Badischen Beobachter ausgewertet und haben, was das 17.,18. Und 19. Jahrhundert betrifft, viele komische, tragische und kuriose Begebenheiten gefunden.

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Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Ja, interessant sind, zum Beispiel, die kleinen Verbrechen, die in Detzeln passiert sind, wie der Diebstahl eines kupfernen Waschkessels oder aber auch die Verurteilung eines Mannes wegen Herabwürdigung der Religion. Aber auch die vielen Brände, die dazu führten, dass 1901 eine fahrbare Feuerlöschspritze ausgeschrieben wurde. Witzig fand ich den Kommentar in der Karlsruher Zeitung am 4. Dezember 1924 über ein Zuchtschwein welches 16 lebende und ein totes Junges zur Welt gebracht hat mit „gewiss eine nicht alltägliche Produktivität“.

Die älteren Detzelner werden sich sicherlich an vieles erinnern?

Ja, sicherlich. Hier finden sich in den Protokollen der Gemeinderatssitzungen vieles, was mir auch neu war. Zum Beispiel, dass 1929 der Bürgermeister von Tiengen und der Verkehrsverein sich für eine Autolinie für das Steinatal stark gemacht haben. Oder, dass es Anfang der 70er Jahren einen Müllplatz in Detzeln gab.

Wie hat sich der Ort über die Jahrhunderte verändert?

Früher war die Landwirtschaft der Haupterwerbszweig im Ort, das hat sich stark geändert. Aufzeichnungen aus dem 11. Jahrhundert führen auf, dass der Ort sieben Schupposen (Kleinbauern), einen Maierhof und eine Mühle hatte. Heute hat Detzeln noch einen Haupterwerbslandwirt. Mit den Neubaugebieten Breitäcker I, II und III hat sich auch das Ortsbild verändert.

In den Dörfern vollzog sich ein großer Strukturwandel. Lebten 1970 in Detzeln noch über 100 Erwerbstätige von der Land- und Forstwirtschaft, gibt es heute nur noch ein Betrieb, die Albicker GbR. Franz und Monika Albicker sowie Sohn Simon (nicht im Bild) haben im vergangen Jahr in einen neuen Stall nach den Bio-Richtlinien investiert.
In den Dörfern vollzog sich ein großer Strukturwandel. Lebten 1970 in Detzeln noch über 100 Erwerbstätige von der Land- und Forstwirtschaft, gibt es heute nur noch ein Betrieb, die Albicker GbR. Franz und Monika Albicker sowie Sohn Simon (nicht im Bild) haben im vergangen Jahr in einen neuen Stall nach den Bio-Richtlinien investiert. | Bild: Andrea Böhringer

1975 kam Detzeln als Ortsteil im Zuge der Gemeindereform zur neu entstandenen Stadt Waldshut-Tiengen, welche Entwicklung gab es seit dieser Zeit?

Die Neubaugebiete entstanden, Detzeln bekam ein Gemeindehaus, einen Kindergarten, das Feuerwehrhaus wurde gebaut und der Anschluss an die Kanalisation erfolgte. 2002 kam der Anschluss ans Internet und, so hoffen wir alle, auch bald der Breitbandanschluss.

Auf was dürfen sich die Gäste beim Festakt noch freuen?

Auf den Geschichtsvortrag von Günter Fröhlich. Er wird uns mitnehmen auf eine Zeitreise durch 1000 Jahre Entwicklung dessen, was heute der Kreis Waldshut ist, mit besonderem Fokus auf unsere Gegend.

Sie sind eine sogenannte Zugezogene, ursprüngliche kommen Sie aus Mainz. Warum leben Sie gerne in Detzeln und engagieren sich für den Ort?

Ich bin ein paarmal umgezogen. Aber nirgends habe ich mich so schnell so zu Hause gefühlt, wie hier. Die Menschen machen das Dorf lebenswert. In Detzeln kennt man sich, und die Bürger engagieren sich, das ist scheinbar typisch für den Ort, wenn man sich die Geschichte der Kirchen ansieht, die durch viel Eigenleistungen entweder neu gebaut oder renoviert wurden. Aber auch ein aktives Vereinsleben zeigt das auf. Sei es das Gemeindeteam, die Tezzilnheimer Schtudehägler, die Landfrauen, die Gitarrengruppe oder die Fernsehinteressengemeinschaft und in den 90er Jahren noch die Schlachthausbetreibergesellschaft, sie alle sorgten und sorgen für ein lebendiges Dorf.

Können Sie mir eine Person in Detzeln nennen, die für das Dorf prägend war?

Einer, der die Entwicklung im Dorf maßgeblich mitgestaltet hat, ist Erwin Schlegel, der 35 Jahre Ortsvorsteher von Detzeln war und mitgeholfen hat, dass das Dorf heute ein schöner Ort zum Leben ist.