Nachvollziehbar nennen das Landratsamt Waldshut und das Staatliche Schulamt Lörrach den Wunsch von Eltern nach einer Hauptstufe an der Wutachschule in Tiengen, einer Grundschule für Kinder mit körperlichen und motorischen Einschränkungen. Eltern, die eine Weiterbeschulung ihrer Kinder vor Ort wünschen, hatten die Hauptstufe gefordert. Sie lehnen die vom Land vorgesehene Weiterbeschulung in Em-mendingen-Wasser ab, weil sie ihre Kinder über die Woche nicht in ein Internat geben wollen.

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Dem Wunsch dieser Eltern stehen nach Aussage von Landkreis (Schulträger) und Schulamt die Schülerzahlen an der Wutachschule entgegen. Aktuell sind es 34 Schüler, sechs besuchen den angegliederten Kindergarten. Landkreis und Schulamt sehen keine Chance für eine Hauptstufe und werden keinen entsprechenden Antrag beim Kultusministerium einreichen.

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„Er setzt voraus, dass gewisse Schülerzahlen erreicht werden, wir können die Vorgaben vom Land nicht aushebeln“, so Hans-Joachim Friedemann, Leiter des Schulamtes Lörrach. Für ihn geht es auch darum, bestehende Angebote zu sichern und die Qualität der Wutachschule aufrecht zu erhalten. Verlässlich nennt Markus Siebold, beim Landratsamt für die Kreisschulen zuständig, die Prognosen für die Entwicklung der Schülerzahlen an der Wutachschule. „Wir werden die geforderten Schülerzahlen nach derzeitigem Stand auch in Zukunft nicht erreichen“, so Siebold. Die Situation, dass es für einzelne Schularten keine Hauptstufe gibt, ist nach Aussage der Verantwortlichen, auch in anderen Landkreisen so.

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Hervorgehoben wurde, dass Eltern auch ohne Hauptstufe an der Wutachschule Optionen hätten, ihr Kind vor Ort weiter beschulen zu lassen. Eine davon basiert auf einer verstärkten Zusammenarbeit der Wutachschule mit der Carl-Heinrich-Röschschule für geistig beeinträchtigte Kinder, die eine Hauptstufe hat. Die Räume der Langenstein-Sprachheilschule gehören jetzt zur Röschschule. Da die Schüler der Wutachschule in der Regel auch geistige Defizite haben, gehen Landkreis und Schulamt davon aus, dass für die Weiterbeschulung vor Ort verstärkt auch die Röschschule in Frage kommt.

Blick in die Wutach-Schule in Tiengen: Zwei Schülerinnen mit Marlene Gremmelspacher, die an der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.
Blick in die Wutach-Schule in Tiengen: Zwei Schülerinnen mit Marlene Gremmelspacher, die an der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. | Bild: Ursula Freudig

Maßgeblicher Mann hinter dem Engagement von Eltern für eine Hauptstufe an der Wutachschule, war der Elternbeiratsvorsitzende Jürgen Schmidt, der bei den kürzlich erfolgten Wahlen nicht mehr kandidierte. Schmidt wünscht sich, dass die neuen Vorsitzenden, Sven Differt und Yvonne Schäuble, sich im Sinn der Kinder weiter für eine Hauptstufe für Kinder mit körperlich-motorischen Beeinträchtigungen im Landkreis Waldshut stark machen. Egal wo, ob an der Wutachschule oder an einer anderen Schule.

Sonderpädagogische Bildungszentren

  • SBBZ: Diese sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Landkreis Waldshut und in der Umgebung (keine Gewähr auf Vollständigkeit) haben eine Hauptstufe und zwingend damit verbunden, auch eine Berufsschulstufe.
  • Förderschwerpunkt geistige Entwicklung: Carl-Heinrich-Rösch-Schule Tiengen.
  • Förderschwerpunkt geistige und körperliche und motorische Entwicklung: Karl-Rolfus-Schule in Rheinfelden-Herten, Haldenwang Schule in Singen.
  • Förderschwerpunkt Lernen: Waldtor-Schule Waldshut; Rudolf-Graber-Schule Bad Säckingen; Langensteinschule Tiengen, dort zusätzlich Förderschwerpunkt Sprache und „Schüler in längerer Krankenhausbehandlung“ (Außenstelle Lauchringen).
  • Inklusion: Grundsätzlich haben Eltern von Kindern mit Behinderung Anspruch darauf, ihr Kind in allen Klassenstufen in bestimmten allgemeinen Schulen des Landkreises beschulen zu lassen.
Ursula Freudig