Tiengen – 18 gespielte Titel bringen 15 500 Euro: Mit viel Arbeit aber auch viel Geld für die Stadtmusiker endete der 602. Schwyzertag. Bei schönstem Sommerwetter hatte die Stadtmusik Tiengen unter der Leitung von Matthias Beno auf dem Marktplatz zu ihrem 40. Wunschkonzert aufgespielt. Hunderte von Menschen, viele aus Behörden, Handel, Handwerk und Gewerbe, wurden rund fünf Stunden lang – einschließlich von Pausen – bestens unterhalten. Moderator war wie immer der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Dörflinger. Wortgewandt, flinkzüngig und humorvoll führte er durch den Abend. Weit über 20 Jahre gibt er schon dem Wunschkonzert seine Stimme.

Die gewohnt bläserische Klasse der Stadtmusik traf auf ein ebenso gewohnt spendables Publikum. Sogar noch rund 400 Euro mehr als vergangenes Jahr waren den Besuchern die Musikwünsche wert gewesen. Märsche, Polkas und moderne Arrangements von Coldplay on stage über Caribbean Beat bis zu Udo Jürgens und Abba Medleys standen auf den Wunschzetteln, die wie immer von Mitgliedern der Klettgauer Heimattracht "zusammen getragen" wurden. Weit über die Hälfte der Titel waren neu im Repertoire der Stadtmusik. Neben solistischen Paraden, hatte auch ein Ex-Stadtmusiker und Geburtstagskind einen spontanen Auftritt: Norbert Wichmann "durfte" zu Ehren seines 63. Geburtstags die Polka "Auf der Vogelwiese" mit Gesang begleiten.

Eine noch größere Ehre wurde Christa Bader zuteil. Die Volksbank-Direktorin und Vorsitzende der Schwyzertags-Kommission sowie der Aktionsgemeinschaft Tiengen bekam von Dirigent Matthias Beno beim zuletzt gespielten Titel den Dirigentenstab überreicht. Souverän und engagiert schwang sie ihn bei "Hoch Badnerland". An ihrer Seite ein von Thomas Dörflinger eilig gebildeter Ad-Hoc-Prominentenchor, der mit Inbrunst sein Bestes aus seinen Kehlen herausholte. Das Badner Lied war auch der "finanzstärkste" Titel: Für insgesamt 2200 Euro hatte ihn sich das Publikum gewünscht. Am Freitag sagt die Stadtmusik allen ihren Spendern und Freunden mit einer kleinen Serenade und Freibier um 19 Uhr beim Rathaus danke.

Zur Person

Ralf Siebold (55) ist seit 2009 Zunftmeister der Bürgerzunft 1503 Tiengen, die den Schwyzertag ausrichtet. Er ist fast 25 Jahre Zunftmitglied. Seine Familie ist ebenfalls in der Zunft aktiv. Beruflich ist er im Außendienst tätig

"Wieder ein sehr schöner Schwyzertag"

Ralf Siebold, Zunftmeister der Bürgerzunft 1503 Tiengen, blickt auf die vergangenen vier Tage zurück und nennt seinen Höhepunkt.

Herr Siebold, wenn sie auf den Schwyzertag zurückblicken, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

„Schwein gehabt“, es war Regen vorausgesagt, es hat aber nur ab und zu kurz etwas genieselt. Bei keiner Veranstaltung ist man nass geworden, auch den Heimatabend konnten wir komplett durchziehen. Und es war nicht so heiß, dass uns die Leute weggelaufen sind. Unter dem Strich war es wieder ein sehr schöner Schwyzertag sogar mit einem unvorhergesehenen Gänsehautmoment: Die Fahnenschwingergruppen haben sich am Ende des Umzug beim Marktplatz spontan nach und nach zu einem Spalier aufgestellt, durch das wir hindurchgingen.

Liechtenstein war das Gastland, aber kein einziger Liechtensteiner war da, was ist passiert?

Wir haben das Gastland festgelegt ohne zu wissen, dass sie „Heiligblut-Sonntag“ haben und die Gruppen anderweitige Auftritte haben. Als Festredner versuchen wir immer, Vertreter des betreffenden Landes zu bekommen. Meiner Anfrage und Person hat vielleicht das nötige politische Gewicht gefehlt. Wir werden uns nächstes Jahr besser vorbereiten und versuchen die richtigen Leute einzubinden. Es ist das erste Mal gewesen, dass wir keine Gruppe aus dem Gastland hier hatten, das Festredner kurzfristig abgesagt haben, ist aber schon vorgekommen.

Es wird nächstes Jahr also wieder ein Gastland geben?

Ja, der Schwyzertag ist ein weltoffenes Fest, das zeigt auch der Flyer mit den Europasternen. Ein Gastland gehört einfach dazu.

Fragen: Ursula Freudig