139 Frauenschuhpaare, 139 getötete Frauen – mit einer besonderen Aktion in Waldshut auf der Seltenbachbrücke wurde am Samstag eine traurige Tatsache bewusst gemacht: 2020 verloren in Deutschland 139 Frauen im Zuge von häuslicher Gewalt ihr Leben.

Die Schuhe auf der Seltenbachbrücke bis zum Oberen Tor in Waldshut erinnern an Frauen, die durch gewalttätige Partner oder Ex-Partner ums Leben kamen.
Die Schuhe auf der Seltenbachbrücke bis zum Oberen Tor in Waldshut erinnern an Frauen, die durch gewalttätige Partner oder Ex-Partner ums Leben kamen. | Bild: Ursula Freudig

Viele Meter lang war das orangefarbene Band, auf dem symbolisch für die ermordeten Frauen 139 Frauenschuhpaare standen. Anlass für die Aktion war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November, der zu Aktionen aufruft, die auf ein nach wie vor nicht offen diskutiertes Thema aufmerksam machen und Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen.

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Die Frauenschuhe waren ein solches Zeichen, ein sehr augenfälliges und prägnantes, das Aufmerksamkeit erregte. Hinter der Aktion stand das Frauen- und Kinderschutzhaus Kreis Waldshut in Zusammenarbeit mit dem Frauen-Serviceclub Zonta Bad Säckingen-Hochrhein, der sich vorrangig für Frauenrechte engagiert.

Die Vorbereitung: Viele Kisten voller Frauenschuhe werden für die Aktion auf ein orangefarbenes Band gestellt, Andrea Timm, Sozialpädagogin beim Frauen- und Kinderschutzhaus Landkreis Waldshut, hilft mit.
Die Vorbereitung: Viele Kisten voller Frauenschuhe werden für die Aktion auf ein orangefarbenes Band gestellt, Andrea Timm, Sozialpädagogin beim Frauen- und Kinderschutzhaus Landkreis Waldshut, hilft mit. | Bild: Ursula Freudig

„Was ist denn das“, haben sich viele Vorbeigehende beim Anblick der meterlangen „Schuhkette“ gefragt und mussten nicht lange auf eine Antwort warten. Mitarbeiter und Mitglieder der beiden Veranstalter suchten aktiv mit Vorbeigehenden das Gespräch, klärten über die Hintergründe der Aktion auf und überreichten Informationsmaterial, das es zusätzlich an einem Infostand gab.

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Es wurde bewusst gemacht, dass mitten in der Gesellschaft, auch im Landkreis Waldshut, Frauen Gewalt angetan wird, meistens von Partnern oder Ex-Partnern. Und dies nach der aktuellen Statistik des Bundeskriminalamtes, mit steigender Tendenz.

Trauriger „Blickfang“: Die Schuhe auf der Seltenbachbrücke bis zum Oberen Tor in Waldshut erinnern an Frauen, die durch gewalttätige Partner oder Ex-Partner ums Leben kamen.
Trauriger „Blickfang“: Die Schuhe auf der Seltenbachbrücke bis zum Oberen Tor in Waldshut erinnern an Frauen, die durch gewalttätige Partner oder Ex-Partner ums Leben kamen. | Bild: Ursula Freudig

Marlies Sonntag, Geschäftsführerin des Frauen- und Kinderschutzhauses Kreis Waldshut, ist vom Nutzen solcher Aktionen überzeugt: „Wir sprechen so viele Leute an, die dann bewusster heim gehen und aufmerksamer sind für das was vielleicht in ihrer Nachbarschaft passiert und Frauen trauen sich vielleicht mehr, bei uns anzurufen.“

Frauen, denen Gewalt widerfährt, müssen nicht alleine bleiben – auch das machte die Aktion bewusst. Es gibt Anlaufstellen für sie, sogar rund um die Uhr, bei denen sie Beratung, für sich und ihre Kinder einen sicheren Ort und Unterstützung für einen Neuanfang ohne Gewalt finden.

Hilfsangebote

Hier finden Frauen, die von häuslicher Gewalt bedroht oder betroffen sind, Unterstützung: Beim Frauen- und Kinderschutzhaus Kreis Waldshut unter der 24-Stunden-Telefonnummer 07751/3553 und bei der Beratungsstelle Courage in Lauchringen, Telefonnummer 07741/8082277. Sowie über die bundesweite kostenlose Hilfetelefonnummer 08 000 116 016.