1175 Jahre hat Detzeln bereits auf dem Buckel und trägt kein bisschen schwer daran: Das Detzeln von früher ist heute ein gut aufge-stelltes Dorf mit einer lebendigen Dorfgemeinschaft und steigenden Ein-wohnerzahlen. Grund genug, um den 1175. Geburtstag zu feiern, sagten sich einige aktive Bürger, allen voran Ortsvorsteherin Esther Koch und Andrea Böhringer (geschichtsinteressierte Landfrau und Mitglied der Gitarrengruppe).

Schwungvoller Abschluss: Die Gitarrengruppe Detzeln macht Stimmung bevor der Festakt an der Cocktailbar gesellig ausklingt.
Schwungvoller Abschluss: Die Gitarrengruppe Detzeln macht Stimmung bevor der Festakt an der Cocktailbar gesellig ausklingt. | Bild: Ursula Freudig

Am Freitag, nach einem Gottesdienst in der Detzelner Kirche, fand ein Festakt im Gemeindesaal statt. Nach angeregten Gesprächen der rund 80 Gäste bei Sekt und Häppchen, die von den Landfrauen gerichtet wurden, eröffnete der Männergesangverein Detzeln den Festabend.

Lebendige Geschichte: Herr Tassilo alias Hans-Joachim Klähn (stehend, mit schwarzem Umhang) hat sich aus alten Detzelner Zeiten in das Jetzt verirrt – die Besucher des Festakts freut es.
Lebendige Geschichte: Herr Tassilo alias Hans-Joachim Klähn (stehend, mit schwarzem Umhang) hat sich aus alten Detzelner Zeiten in das Jetzt verirrt – die Besucher des Festakts freut es. | Bild: Ursula Freudig

Dass Gegenwart immer Vermächtnis vergangener Menschen ist, machte Ortsvorsteherin Esther Koch deutlich: „Jedes einzelne Menschenleben hat in diesen 1175 Jahren dazu beigetragen, diesen Ort werden zu lassen, was er heute ist.“ Sie ließ Stationen der Detzelner Ortsgeschichte lebendig werden mit überraschenden „Besuchen“ aus alten Detzelner Zeiten. Zur Freude der Gäste schauten Herr Tassilo (Hans-Joachim Klähn) und Herr Marcward (Frank Koch) vorbei.

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Unterhaltsam und informativ

Sehr unterhaltsam war auch der Auftritt von Andrea Böhringer. Sie hatte in aufwändiger Recherchearbeit, Quelle waren vor allem alte Zeitungen, kleine, amüsante Geschichten aus Detzeln ausgegraben: Etwa die des nackten Mannes (1902), der in Wäldern der Steina ein, wie es in der Zeitung hieß, freifrohes Leben fristete und auch in Detzeln gesichtet wurde, aber auf unvorstellbar schnellen Beinen geflüchtet wäre.

Musikalische Einstimmung: Der Männerchor Detzeln unter der Leitung von Jochen Stitz eröffnet den Festakt im Gemeindesaal.
Musikalische Einstimmung: Der Männerchor Detzeln unter der Leitung von Jochen Stitz eröffnet den Festakt im Gemeindesaal. | Bild: Ursula Freudig

Oder die von einer nicht alltäglichen Produktivität, die ein tierischer Bewohner Detzelns 1924 zeigte: Ein Zuchtschwein hatte 16 lebende und ein totes Junge geboren.

Anstoßen aufs Jubiläum: Oberbürgermeister Philipp Frank, Andrea Böhringer (Landfrau und Mitglied der Gitarrengruppe) und Esther Koch (Ortsvorsteherin). Das Rednerpult zeigt das Wappen von Detzeln.
Anstoßen aufs Jubiläum: Oberbürgermeister Philipp Frank, Andrea Böhringer (Landfrau und Mitglied der Gitarrengruppe) und Esther Koch (Ortsvorsteherin). Das Rednerpult zeigt das Wappen von Detzeln. | Bild: Ursula Freudig

Über Detzeln hinaus ging der Vortrag von Günter Fröhlich aus Waldshut. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit und viel Kartenmaterial schilderte er die Entstehung des Landkreises Waldshut. Schirmherr der Feier war Oberbürgermeister Philipp Frank.

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In seiner Rede hob er die Bedeutung Detzeln und aller Ortsteile hervor: „Sie machen Waldshut-Tiengen zu einer wunderschön gelegenen und zu einer liebens- und lebenswerten Stadt, sie sind Perlen und Detzeln ist sicher eine ihrer schönsten.“

Einfach lecker: Die Landfrauen Detzeln versorgen die Gäste mit Häppchen in großer Auswahl, von links Erika Albrecht, Brigitte Felgenhauer, Andrea Brockmann und Claudia Rutschmann.
Einfach lecker: Die Landfrauen Detzeln versorgen die Gäste mit Häppchen in großer Auswahl, von links Erika Albrecht, Brigitte Felgenhauer, Andrea Brockmann und Claudia Rutschmann. | Bild: Ursula Freudig

Nach einem schwungvollen Auftritt der Gitarrengruppe Detzeln klang der Festabend aus wie er begonnen hatte: gesellig. Die Cocktailbar der Detzelner Guggenmusik, der Tezzilnheimer Schtudehägler, hatte geöffnet.

Eckdaten der Geschichte Detzelns

  • 844: Detzeln wird erstmals urkundlich erwähnt, alte Namen von Detzeln sind Tezzilnheim, Tassilo und Detzelhaim.
  • 1150: Gründung eines Klosters durch einen Herrn Marcward, 80 Jahre später Verlegung des Klosters nach Riedern am Wald.
  • 1480: Detzeln fällt an das Kloster St. Blasien, zuvor war es im Besitz verschiedener Grundherren wie der Herren von Krenkingen.
  • 1806: Auflösung des Klosters St. Blasien, Detzeln wird Teil des Großherzogtums Baden.
  • 1971: Detzeln wird zu Tiengen eingemeindet.
  • 1975: Zusammenschluss von Waldshut und Tiengen, dadurch wird Detzeln einer von zehn Ortsteilen der großen Kreisstadt Waldshut-Tiengen.
  • Detzeln heute in Stichworten: Rund 300 Einwohner (Tendenz steigend, 2014 Erschließung Neubaugebiet Breitäcker III), ein Großlandwirt, sechs Vereine, historische Kleinode: Oswald-Kapelle und Vogtei, Ortsvorsteher: seit 2014 Esther Koch, 2009 bis 2014 Norbert Thienger, davor 35 Jahre lang Erwin Schlegel.
Ursula Freudig