Werner Steinhart

Sie lieben steiles Gelände und fühlen sich, wenngleich sie ursprünglich nur im alpinen Hochgebirge heimisch sind, auch im Schwarzwald wohl und dies seit rund 90 Jahren: die Gämsen.

Ende der 1930er Jahren wurden Gämsen aus Österreich stammend im Gebiet des Feldbergs ausgewildert und fanden im Laufe der Jahrzehnte auch den Weg in den Bereich von Schwarza-, Schlücht- und Mettmatal und gehören damit zu den erfolgreichsten Einwanderern der hiesigen Mittelgebirge.

Das Gamswild fühlt sich im bewaldeten und felsenreichen Mittelgebirge wie im Schwarzwald heimisch.
Das Gamswild fühlt sich im bewaldeten und felsenreichen Mittelgebirge wie im Schwarzwald heimisch. | Bild: Werner Steinhart

Wer an den Hängen des Schwarzatals wandert, oberhalb des Witznaustausees bei Berau oder im Bereich von Brenden, aber auch im Schlüchttal zwischen Berau und Aichen, kann die Kletterer manchmal zu Gesicht bekommen.

Wie viele inzwischen in dem Bereich dieser Täler leben, kann Ralf Isele nicht sagen, denn die Gämsen wechseln über Täler hinweg. So wechseln die Gämsen – je nach Jahreszeit – beispielsweise die Hangseiten im Schwarzatal, weiß Ralf Isele: Im Winter auf der Südseite bei Brenden, im heißen Sommer auf der Schattenseite am Höchenschwanderhang.

Dem Ganswild im Schwarzwald geht es gut. „ Die Population ist eher angewachsen in den letzten Jahren“, so Ralf Isele. Auch störe sie der inzwischen starke Betrieb auf dem Premiumwanderweg Rappenfelsensteig kaum. Eher seien es die Mountainbiker, die die Gämsen erschrecken und die dann panikartig losstürzen und es zu Abstürzen kommen kann, so Isele.

Ralf Isele aus Brenden mit seinem Hund Artus kennt sich in Sachen Gämsen aus, Er ist auch Jagdpächter im Bereich des Schwarzatals.
Ralf Isele aus Brenden mit seinem Hund Artus kennt sich in Sachen Gämsen aus, Er ist auch Jagdpächter im Bereich des Schwarzatals. | Bild: Werner Steinhart

Ralf Isele ist Jagdpächter im Bereich Brenden West und kennt das Gebiet in allen Einzelheiten. In diesem Teil liegt auch der Bannwald beim Rappenfelsen. Der Jäger setzt sich für einen selektiven Abschuss des Gamswilds ein, das bedeutet, dass ganz bewusst die Altersstruktur der Tiere im Mittelpunkt steht.

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Die Gämsen leben in Gruppen zusammengesetzt aus Geißen, Jährlingen und Kitzen. Ältere Böcke leben einzelgängerisch. Bejagt wird erst aber einer zweijährigen Gams. Jedenfalls soll keineswegs ein Gamskitz als auch eine Leitgeiß geschossen werden. Die Bindung zwischen Geiß und Kitz ist bei den Gämsen stärker ausgeprägt als beispielsweise beim Rehwild.

Ralf Isele sieht den Hauptabschuss zwischen drei- bis sechsjährigen Tieren: „Dann bekommen wir eine gesunde Altersstruktur ins Rudel.“ Und dies sollte lediglich bei einer Ansitzjagd oder auf der Pirsch erfolgen. Der Jäger aus Brenden ist vehement gegen eine sogenannte Treib- oder Drückjagd.

Das tief eingeschnittene Schwarzatal ist neben Schlücht- und Mettmatal Heimat der Gämsen.
Das tief eingeschnittene Schwarzatal ist neben Schlücht- und Mettmatal Heimat der Gämsen. | Bild: Werner Steinhart

„Gämsen auf einer Treibjagd zu schießen ist unverantwortlich den Tieren gegenüber. Es besteht dabei die Gefahr, Muttertiere zu schießen und dann sind die Kitze verloren“, warnt Ralf Isele.

Gämsen sind Pflanzenfresser. Der Speisezettel umfasst frische Gräser, Kräuter, Blüten aber auch Triebe und Knospen von Bäumen, was zu einem Verbiss an den Hauptbaumarten führen kann. Anhand der Schäden an jungen Bäumen wird ein Abschussplan festgelegt, der vom Jagdpächter beantragt wird. Dieser wird dann durch das Jagdamt genehmigt oder abgelehnt.

Die gebogenen Hörner sind charakteristisch für die Gämsen.
Die gebogenen Hörner sind charakteristisch für die Gämsen. | Bild: Werner Steinhart

Somit könne der Gamsbestand dann auf einem Niveau gehalten werden, damit sich der Verbiss in Grenzen hält. Ralf Isele schießt in seinem Revier zwischen vier und acht Gämsen jährlich.

Die Täler von Schwarza, Schlücht und Mettma haben in weiten Bereichen noch ihre Ursprünglichkeit erhalten und es ist erholsam, mit dem Jäger durch dieses Gebiet zu streifen, wenn auch an diesem Tag keine Gans vor die Kamera gesprungen ist.

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