Viele Mitarbeiter der Gastronomie sind durch die Lockdowns in der Corona-Krise in andere Berufe abgewandert. Der permanente Personalmangel hat sich dadurch verschärft. Lorena Deisenroth blieb ihrem Arbeitgeber, der Gaststätte „Waldschenke“ in Birkendorf treu.

Lorena Deisenroth macht die Arbeit in der Gastronomie gern. Sie bedauert den allgegenwärtigen Personalmangel.
Lorena Deisenroth macht die Arbeit in der Gastronomie gern. Sie bedauert den allgegenwärtigen Personalmangel. | Bild: Ursula Ortlieb

Die 25-Jährige arbeitet in einem Zweitberuf. Der ist zwar sehr unterschiedlich zu ihrem eigentlichen Job, dennoch fehlt auch dort Personal. Die Gastronomiefachfrau ist in Vollzeit im Service beschäftigt und in der Freizeit im Sägewerk.

Der Umgang mit Menschen in der Gaststätte gefällt ihr. Bei den Gästen ist sie beliebt, die Arbeit macht ihr Freude. Am Mittwoch und Donnerstag ist dort Ruhetag – Gelegenheit zum Ausruhen oder Hobbys nachzugehen. Nicht so bei Lorena Deisenroth.

Lorena Deisenroth gefällt die Arbeit in der Gastronomie. Für bedeutet es, nette Gäste in Urlaubsstimmung in einer idyllischen Gegend zu ...
Lorena Deisenroth gefällt die Arbeit in der Gastronomie. Für bedeutet es, nette Gäste in Urlaubsstimmung in einer idyllischen Gegend zu bewirten. | Bild: Ursula Ortlieb

An einem der Tage nämlich ist sie Mitarbeiterin im Holzwerk Braun. „Das ist für mich ein Hobby. Das völlig andere Körpergefühl, wenn ich im Sägewerk arbeite, erspart mir das Fitnessstudio“, sagt die Gastronomiefachfrau und Sägewerksmitarbeiterin. Beim Servieren denke sie gar nicht an Körperhaltung, sagt sie, bei der Arbeit im Sägewerk ist das Körpergefühl immer da.

Wie kam die 25-Jährige ins Sägewerk?

Der Wunsch im Sägewerk zu arbeiten, entstand aus Interesse an der Arbeit ihres Mannes Ingo Deisenroth. Außerdem hatte sie schon immer ein Faible für große Maschinen. Gerne schaute sie manchmal vorbei und beobachtete, wie Holz verarbeitet wird.

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„Diesen Radlader werde ich mal fahren“, sagte sie mit Blick auf den Rundholzplatz, wo einer stand. Sie beauftragte ihren Mann, beim Chef nach einem Minijob für sie nachzufragen. Marius Braun war zwar verwundert, dass eine Frau sich in eine Männerdomäne wagt, meinte aber: „Warum nicht“.

Gerne fährt Lorena Deisenroth mit dem Radlader auf dem Werksgelände, um Holz zu transportieren. Links ihr Mann und Arbeitskollege Ingo ...
Gerne fährt Lorena Deisenroth mit dem Radlader auf dem Werksgelände, um Holz zu transportieren. Links ihr Mann und Arbeitskollege Ingo Deisenroth. | Bild: Ursula Ortlieb

Also gab er ihr Gelegenheit festzustellen, ob es für sie auf Dauer infrage käme, in der Produktion unter lauter Männern zu arbeiten. Mit schneller Auffassungsgabe und Interesse habe Lorena Deisenroth Chef und Arbeitskollegen überzeugt.

Inzwischen ist sie als einzige Frau im Produktionsteam von allen akzeptiert, trifft Entscheidungen über Holzqualität, koordiniert die Arbeit von Kollegen und bedient hauptsächlich die Stapelmaschine. Das Beschäftigungsmaß wurde während der Lockdowns erhöht.

Lorena Deisenroth bei der Arbeit an der Stapelmaschine. Die 25-Jährige hatte schon immer einen Faible für große Maschinen.
Lorena Deisenroth bei der Arbeit an der Stapelmaschine. Die 25-Jährige hatte schon immer einen Faible für große Maschinen. | Bild: Ursula Ortlieb

Die Technik erspart inzwischen viel Handarbeit. Wenn Bretter hängen bleiben, könne es schon mal vorkommen, dass manuell eingegriffen werden müsse. Es sei aber überwiegend Arbeit am Terminal.

Ihr Wunsch, Radlader zu fahren, hat sich erfüllt. Auch den Gabelstapler bedient sie gekonnt. „Mein Vorteil im Sägewerk zu arbeiten ist auch, dass ich meinen Mann öfter sehe als früher“, sagt sie verschmitzt.

Beides, Gastronomie und die Arbeit mit dem Wertstoff Holz, sind gute Jobs, die Spaß machen, erzählt sie. Sie hoffe, dass wieder mehr Leute entdecken, dass es attraktive Berufe sind.

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