Jahrelang schien die „Birke“ in Birkendorf im Dornröschenschlaf. Von der Fassade der einstigen beliebten Dorfgaststätte schräg gegenüber der Kirche bröckelte der Putz, Balkonbretter hingen herunter und in der verwitterten Außenanlage sprießte das Unkraut. Man fragte sich allmählich, ob das Gebäude vergessen worden sei. Es gehörte einem Ehepaar aus dem Elsass, die es vor einigen Jahren gekauft und Pläne für eine Gastwirtschaft hatten. Dazu kam es jedoch nicht. So stand das Haus seit 2005 zwar nicht leer aber unbewohnt.

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Jetzt gibt es zwei neue Besitzer. Tatkräftige Männer, Arianit Kastrati („Nicki“) und Shpetim Morina, („Timo“), sind mutig und zuversichtlich genug, die Gastwirtschaft zu neuem Leben zu erwecken. „Wir müssen noch viel arbeiten und investieren“, erzählen die beiden, die bei unserem Gespräch mit dem Abladen von neuen Fenstern aus einem Lastwagen beschäftigt sind.

Die neuen Besitzer der „Birke“ in Birkendorf (von links): Sheptim Morina (Timo) und Arianit Kastrati (Nicki) stehen vor ...
Die neuen Besitzer der „Birke“ in Birkendorf (von links): Sheptim Morina (Timo) und Arianit Kastrati (Nicki) stehen vor einer großen Herausforderung, wenn sie das Gasthaus wieder bewirtschaften wollen.

Eine Heizungsanlage sei bereits geliefert und müsse fachmännisch eingebaut werden. Einen Wasserschaden entdeckten die zukünftigen Wirte erst nach Vertragsabschluss. Timo meinte etwas nachdenklich: „Wir haben vielleicht die Katz im Sack gekauft. Da müssen wir durch.“ Dementsprechend gibt es jede Menge zu renovieren. Die Gaststätte mit Fremdenzimmern sollen renoviert und wieder eröffnet werden.

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In einigen Monaten hoffen sie soweit zu sein. „Verständnis der Birkendorfer aber auch Anerkennung für den Mut, den wir aufbringen, täte uns gut. Wir sind darauf angewiesen, dass man uns keine Steine in den Weg legt“, betont Nicki. Während der Arbeiten am Gebäude gäbe es manchmal Lärm und Schmutz. Das werde aber alles wieder sauber gemacht, verspricht er.

Traditionsreiche Geschichte

Das Gebäude der „Birke“ erfuhr in seiner langen Geschichte viele Besitzerwechsel. Aus der Chronik von Josef Kaiser ist zu entnehmen, dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Haus eine Brauerei betrieben wurde, die 1849 zwangsversteigert und unter weiteren Besitzern bis um 1900 als solche existierte. Ab 1932 bewirtschafteten Johann Fechtig und seine Frau Anna die einstige Brauerei als Gasthaus „Birke“ mit zugehöriger Landwirtschaft. 1973 übernahm deren Tochter Marianne Frommherz mit Ehemann Bruno die gutgehende Gastwirtschaft und verkauften das Anwesen Anfang 1979 an die Familie Fehlberg, die sie nach wenigen Jahren weiter veräußerten.

Das Gasthaus sieht innen wenn auch verstaubt, noch fast so aus, wie Ernst Scharp es 2005 verlassen hatte.
Das Gasthaus sieht innen wenn auch verstaubt, noch fast so aus, wie Ernst Scharp es 2005 verlassen hatte. | Bild: Ursula Ortlieb

Anfang der 90ger Jahre fungierte das Haus als Übergangswohnheim für vier Übersiedler-Familien aus Rumänien und aus der ehemaligen Sowjetunion. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde die Gastwirtschaft einige Jahre bis 2005 von Ernst Scharp, einem pensionierten Piloten, bewirtschaftet, der viel Geld in Gastwirtschaft, Gästezimmer und Küche investiert hatte. 16 Jahre dauert inzwischen der Stillstand der Gaststätte.

Ortsvorsteher Norbert Schwarz begrüßt die Übernahme des Gebäudes und Verschönerung der Fassade zugunsten des Ortsbildes und könne den beiden nur viel Erfolg wünschen, der auch für das Dorf ein Gewinn wäre.