65 Flüchtlinge aus der Ukraine haben, Stand 21. April, in Ühlingen-Birkendorf und den Ortsteilen ein neues Zuhause gefunden. Darunter sind auch 28 Kinder. Rotraut Neubauer, Rektorin der Schlüchttalschule, gibt einen Einblick, wie die Kinder unterrichtet und betreut werden und welche Hürden überwunden werden mussten.

Herausforderung: Für viele ist es der erste Präsenzunterricht

Einige Kinder bekommen digitalen Unterricht aus der Ukraine. Seit 26. April sollen alle am Regelunterricht in den Schulen der Gemeinde teilnehmen können. Darunter sind aber auch Kinder, die wegen Corona noch keinen Präsenzunterricht kennen, stellte die Rektorin der Schlüchttalschule, Rotraut Neubauer, fest.

Am 21. März seien die ersten Kinder mit einheimischen Betreuern zur Anmeldung im Büro der Rektorin gestanden. 20 Kinder aus Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf sind derzeit in der Schlüchttal-Schule angemeldet, andere sollen in den Grundschulen Berau, Birkendorf und Untermettingen unterrichtet werden. Anders als bei den syrischen Kindern, würden die Ukrainer „schnellstmöglich wieder in die Heimat“ zurück. Daher sei es nahegelegen, dass ukrainische Lehrkräfte im Unterricht mit den Kindern hilfreich wären.

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„Eine Praktikable und unbürokratische Abwicklung“ sei laut Neubauer vom Staatlichen Schulamt Lörrach empfohlen worden. Rotraut Neubauer habe sofort „jede Anstrengung dafür unternommen“ und akquirierte Spenden für Schulranzen, Federmäppchen, Farbstifte und spezielles Lehrmaterial. Sie besprach im Kollegium praktikable Lösungen.

Hilfe aus der Ukraine scheitert an der Sprache

Eine Lehrerin und eine Studentin unter den Flüchtlingen sollten für den Unterricht eingesetzt werden. Dies sah man als sinnvoll an, damit sich die ukrainischen Kinder wohlfühlen. Vorgaben aus dem Regierungspräsidium machten diesem Vorhaben jedoch einen Strich durch die Rechnung, berichtet die Rektorin. Erst fehlten Nachweise der Ukrainerinnen für Masern-Impfungen. Als diese vorlagen, sei erneut ein Veto vom Regierungspräsidium gekommen: Eine Verständigung in deutscher Sprache ohne technische Hilfsmittel sei für einen Vertrag Voraussetzung. Beide Ukrainerinnen sprechen jedoch kein Deutsch.

„Die Verständigung in deutscher Sprache ist notwendige Voraussetzung für die Beschäftigung einer ukrainischen Lehrkraft an einer deutschen Schule, beispielsweise in einer VKL- oder VABO-Klasse“, bestätigt Matthias Henrich, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, auf Anfrage des SÜDKURIER.

Die vorgesehene Willkommensklasse war also vorerst nicht zu verwirklichen. Die Schulleiterin sei indes schon froh, dass zumindest die ukrainische Studentin an der Schule Grafenhausen in einem Minijob die Lehrkräfte unterstützen könne. Eine Verständigung mit ihr auf Englisch sei kein Problem.

Personelle Situation als Herausforderung

Welche großen Herausforderungen auf Schulleitung und Lehrkräfte zukommen, wird im Gespräch mit Rotraut Neubauer klar. „Mir fehlt schlicht das Personal, wir müssen bei anderen Unterrichtsstunden kürzen“, sagt sie. In der siebten Klasse kommen zu 17 Schülern fünf Flüchtlingskinder dazu. Was das bedeutet, um allen Kindern gerecht zu werden, kann man sich vorstellen. Wie wir es schaffen, werden wir sehen“, so Rektorin Neubauer.

Der Großteil der Flüchtlinge kam über private Kontakte nach Ühlingen-Birkendorf. Alle Flüchtlinge sind bei Privatpersonen untergekommen. Wie die Unterbringung aussieht, lesen Sie hier.

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