Der Ausbau für Schnelles Internet in Grafenhausen geht voran. 260 Häuser wurden ans Glasfasernetz angeschlossen, 118 werden vom Provider Stiegeler IT versorgt. Immer wieder taucht aber die Frage auf: Muss man bei dem Anbieter, der bei der Ausschreibung des Landkreises den Zuschlag für die Versorgung erhalten hat, auch anschließen? „Nein, auf das Netz kann sich jeder Anbieter aufschalten“, erklärte Prokuristin Marina Stiegeler auf Anfrage.

Erste Anschlüsse

Bereits im vergangenen Sommer wurden in Grafenhausen die ersten Anschlüsse an das Glasfasernetz geschaltet. „Die Ortsteile Mettenberg und Buggenried haben den Anschluss geschafft“, hob damals Bürgermeister Christian Behringer im Rahmen der Feierstunde zur Inbetriebnahme des zentralen Gebäudes, dem PoP (Point Of Presence), der am Eingang zum Skulpturenpark in Grafenhausen steht, hervor.

Bürgermeister Christian Behringer zeigt Glasfaser.
Bürgermeister Christian Behringer zeigt Glasfaser.

Von dieser Schaltzentrale laufen zum einen alle Glasfaserkabel zu den Hausanschlüssen, zum anderen sorgt die vom Netzbetreiber eingebaute aktive Technik dafür, dass auch die Signale zum Nutzer übermittelt werden. Diese beinhalten je nach gewähltem Tarif schnelles Internet, Telefonie sowie Fernsehen.

Derzeit werden in Grafenhausen in der Straße „In der Briese“ Kabel für schnelles Breitband-Internet verlegt.
Derzeit werden in Grafenhausen in der Straße „In der Briese“ Kabel für schnelles Breitband-Internet verlegt. | Bild: Wilfried Dieckmann

Verantwortlich für den Netzausbau in der Kommune ist die Gemeinde Grafenhausen, die den Glasfaserausbau innerhalb der Gemarkungsgrenzen mit Zuschussgeldern und Mitteln aus dem eigenen Haushalt finanziert. Das Netz wird nicht von der Gemeinde betrieben. Dafür hatte es vom Landkreis Waldshut eine europaweite Ausschreibung gegeben, an der sich Internetbetreiber beteiligen konnten.

Betreiberzuschlag

Den Zuschlag für den Netzbetrieb hatte die Firma Stiegeler IT aus Schönau erhalten. „Wir wurden ausgewählt, weil wir das beste Angebot nicht nur für die Endkunden, sondern auch für die Gemeinden abgegeben haben“, rief Marina Stiegeler, verantwortlich für Marketing und Kommunikation, in Erinnerung. Das bedeutet: Das Schönauer Unternehmen hat nicht nur den günstigsten Verbraucherpreis, sondern auch den höchsten Pachtpreis, der pro Anschluss an die Gemeinde entrichtet wird, angeboten. Mit diesen Pachtgeldern soll der Aufbau des Glasfasernetzes refinanziert werden.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Hat das Unternehmen Stiegeler IT mit dem Zuschlag nach der Ausschreibung als Internetbetreiber auch das alleinige Monopol auf das Produkt schnelles Internet erhalten? Dieser Eindruck ist jedenfalls bei etlichen Einwohnern entstanden. Trotz großem Wettbewerb unter den Internetanbietern hat sich bisher kein Konkurrenzunternehmen wie beispielsweise die Telekom, Vodafone oder 1 und 1 in Grafenhausen direkt bei möglichen Kunden um eine Belieferung mit schnellem Glasfaseranschluss bemüht. „Nein, wir haben nicht das alleinige Monopol auf die Nutzung, auf das Netz kann sich jeder Anbieter aufschalten“, hob Marina Stiegeler hervor und erläuterte, dass in mit öffentlichen Geldern geförderte Netzen der Betreiber Stiegeler IT gemäß den Vorgaben der Bundesnetzagentur auch anderen Anbietern den Zugang zum Netz ermöglichen muss.

Das könnte Sie auch interessieren

Zwischenzeitlich liegen bereits Anfragen von anderen Anbietern vor. „Wir sind schon ziemlich weit in den Verhandlungen, es werden also weitere Anbieter kommen“, informierte die Prokuristin. Nach ihren Worten sei die Bildung einer Monopolstellung angesichts der klaren Regulierung durch die Bundesnetzagentur nicht möglich. „Schlussendlich sind wir froh, wenn auch andere Anbieter kommen, da wir auch damit Geld verdienen, weil weitere Betreiber wiederum Pachtzahlungen an uns leisten müssen“, sagte Marina Stiegeler. Nicht zu unterschätzen sei auch der Grundsatz, wonach „Konkurrenz das Geschäft belebt“.

Gute Anschlussquote

Marina Stiegeler bezeichnete es als wichtig, dass Menschen, die an Schnelles Internet anschließen möchten, auch zwischen Anbietern wählen können. Angesichts der doch recht hohen Pachtpreise für das Netz bleibe für Anbieter jedoch wenig Spielraum. So könnten nach ihren Worten auch Mitbewerber besonders in ländlichen Regionen nicht ohne weiteres beispielsweise ein Paket zehn Euro günstiger anbieten. Der Markt zeige deutlich, dass sich viele Anbieter in den Ballungsgebieten tummeln. Dennoch zeigte sie sich mit bisher 118 Anschlüssen in der Gemeinde Grafenhausen recht zufrieden. Mittlerweile wurden 260 Hausanschlüsse verlegt.

Wettbewerb

Gemäß den Vorgaben der Bundesnetzagentur muss, wie Stiegeler bereits erläutert hat, auch Wettbewerbern Zugang zur Anschlussinfrastruktur gewährt werden. Somit soll der Marktzutritt verschiedener Anbieter möglich werden. Grundsätzlich kann sich also jeder Endnutzer von seinem gewünschten Telekommunikationsdienstleister versorgen lassen. Allerdings sind die Unternehmen nicht verpflichtet, jeden Nutzer auch zu bedienen.