Bürgermeister Christian Behringer hat diesen Termin in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf Nachfrage bestätigt. Jedoch wird auf dem Gelände nahe dem Schlüchtsee nicht einfach nur ein Bauwagen aufgestellt. Für das innovative Projekt hat Architekt Ralf Kaiser angesichts der Höhenlage von knapp 1000 Metern ein kleines Fertighaus konstruiert, das derzeit in der Halle des Zimmereibetriebs Kostenbader im Industriegebiet gefertigt wird. Im Haushalt der Gemeinde Grafenhausen sind dafür 63.000 Euro eingestellt, gefördert wird die Maßnahme mit Zuschüssen in Höhe von 70 Prozent. Der katholische Kindergarten St. Bernhard in Grafenhausen, der qualifizierte Angebote von der Kleinkindgruppe bis hin zur Ganztagesbetreuung bietet, hat derzeit keine freien Kapazitäten mehr.

Bedarf hoch

Im Gegenteil: Es besteht insbesondere Bedarf nach weiteren Krippenplätzen für Kinder unter drei Jahren. Doch bis 2022 geht nichts mehr, alle Plätze sind belegt. Eine dringend nötige Kapazitätserweiterung wäre im Kindergartengebäude nur durch bauliche Erweiterung möglich. Kosten von bis zu einer halben Million Euro stehen im Raum. Von diesen Investitionskosten werden 30 Prozent vom kirchlichen Träger und 70 Prozent von der politischen Gemeinde Grafenhausen getragen. Kosten, die weder von Seiten der Kirche noch von der Kommune aus der Portokasse bezahlt werden können. Entlastung bei der Belegung des Kindergartens könnte die Einrichtung eines Waldkindergartens bringen, den die Gemeinde Grafenhausen als Träger ins Leben gerufen hat. Die neue Einrichtung wird maximal 20 Kindern ab 2,9 Jahren Platz bieten.

Ökologisches Dämmsystem

Wie bereits berichtet, sollte der Waldkindergarten ursprünglich in einem Bauwagen auf einem Wiesengelände nahe dem Schlüchtsee untergebracht werden. Im Haushalt wurden Kosten von 63.000 Euro eingestellt, die mit 70 Prozent bezuschusst werden. Doch angesichts der Höhenlage von knapp 1000 Metern haben die Verantwortlichen von dem Modell Bauwagen Abstand genommen und sich für ein kleines Gebäude aus Massivholz entschieden. Um diese Variante angesichts der vollen Auftragsbücher der Handwerker zu realisieren, hat Bürgermeister Christian Behringer mit den örtlichen Handwerksbetrieben gesprochen, die sich nun in einer Art Gemeinschaftsprojekt an der Unterkunft für den Waldkindergarten beteiligen. Vorproduziert wird das Gebäude in der Halle des Zimmereibetriebs Kostenbader im Industriegebiet.

Gute Dämmung wichtig

Die Außenmaße des Gebäudes, das von Architekt Ralf Kaiser geplant wurde, belaufen sich auf rund 11 mal 3 Meter. Die nutzbaren Innenmaße betragen 10,24 mal 2,24 Meter. Demnach wird deutlich, dass bei der Konstruktion großer Wert auf eine gute Dämmung gelegt wurde. Hierbei wird das ökologische Dämm-System der heimischen Firma Gutex im Schlüchttal verwendet, das nach den Worten von Axel Kostenbader aufgrund der guten Eigenschaften von Holzfasern ein gesundes Raumklima sowohl bei niedrigen Temperaturen als auch bei starkem Sonnenschein im Sommer schafft. Gedämmt werden nicht nur die Wände, sondern auch die Boden- und Dachflächen. Angesichts der hochwertigen Ausführung geht der Rathauschef auf Nachfrage davon aus, dass der gesetzte Kostenrahmen wohl nicht ausreichen werde.

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Boden und Wände werden komplett vormontiert, mittels Kranwagen verladen und vor Ort aufgestellt. Hierbei darf das Gewicht vier Tonnen nicht überschreiten, weil sonst ein Schwerlastkran beauftragt werden müsste. Wie Zimmermeister Axel Kostenbader erläuterte, könne das Gebäudedach aufgrund seiner Größe erst vor Ort montiert werden. Statt der ursprünglich geplanten Dachfolie sollen nun Ziegel zum Einsatz kommen. Die Außenfassade soll mit Holzbrettern aus Douglasie verkleidet werden. Dies sei nach Angaben von Kostenbader aber nur möglich, weil die Lieferfirma einen Großteil des Materials spenden werde.

Statt Folienabdeckung wird das Dach des neuen Waldkindergartens mit Ziegeln ausgestattet.
Statt Folienabdeckung wird das Dach des neuen Waldkindergartens mit Ziegeln ausgestattet. | Bild: Wilfried Dieckmann

Weiterhin hob der Zimmermann hervor, dass dieses Domizil nichts mehr mit einem Bauwagen zu tun habe: „Hier entsteht ein hochwertiges Gebäude, in dem sich Kinder und Erzieherinnen gleichermaßen wohlfühlen werden“, meinte Kostenbader. Der Grafenhausener Rathauschef zeigte sich zuversichtlich, dass der neue Waldkindergarten mit fünf angemeldeten Kindern pünktlich werde starten können. Sollten noch Restarbeiten nötig sein, so könne bis zum endgültigen Einzug die naheliegende Hütte am Jugendzeltplatz genutzt werden. Dieses beheizbare Gebäude solle auch künftig bei extremen Witterungsverhältnissen als Ausweichquartier dienen.